Entfesselt euch!

Wir befinden uns in der Falle. Wir arbeiten in einem Beruf, den wir satthaben, um Geld zu verdienen und für Dinge auszugeben, die wir nicht brauchen, um Menschen zu gefallen, die wir unerträglich finden. Das Haus ist kein Heim mehr, sondern eine Docking-Station, um den eigenen Akku für die Arbeit wieder aufzuladen. Weihnachten entwickelte sich von einem Fest der Nächstenliebe zu einer Möglichkeit, vor dem Chef zu fliehen. Von Kindesbeinen an leben wir in einem Klima, in der die Arbeit verhasst ist: die Eltern haben keine Zeit, in der Grundschule müssen wir uns anstrengen, um auf das Gymnasium und später auf die Universität zu kommen, nach dem Abschluss einen Beruf nachzugehen, den wir nie wollten. Wir träumen davon, reich zu werden oder nie arbeiten zu müssen und hören nicht damit auf, wenn wir die bittere Realität erkennen. In der Schule kommt ein Befehl nach den anderen und der sehnsüchtige Blick auf die Uhr ändert nichts an diesen Umständen. Je länger einer im System bleibt, je tiefer er in der Kette zum Bürosklaven steckt, desto schlimmer ist es um ihn bestellt.

Wie entkommen wir dieser Situation? Robert Wringham schreibt in seinem Buch „Ich bin raus: Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung“ über die neue Entfesselungskunst und Minimalismus. Kritiker entgegnen ihm: Was machen wir ohne Arbeit? Das System muss funktionieren! Ohne Arbeit gibt es keinen Sinn im Leben! Zu Recht haben diese Skeptiker erkannt, dass es um das höchste geht, was wir haben: das Leben! Unser Leben steht auf dem Spiel, unsere Zeit! Sollten wir sie mit unsinniger Arbeit vergeuden?

Wringham habe noch nie von einem Entfesselungskünstler gehört, der der Arbeit, der Armut, den Schulden und dem Stress entflohen ist, um das Leben in Elend und vor der Spielekonsole zu verbringen. Tatsächlich führt die Flucht vor der Arbeit wieder zur Arbeit – aber in erfüllendes und sinnvolles Schaffen, welches sich grundsätzlich von Bullshit-Jobs unterscheidet. Der Drang, zu handeln, kommt immer wieder durch. Daher plädiert Wringham für ein bedingungsloses Grundeinkommen: das Argument, dass niemand mehr bei einem Grundeinkommen arbeiten geht, entkräftet er und spricht sich dafür aus, dass kreative Menschen einen sicheren Boden unter den Füßen haben, um ihr künstlerischen Ziele zu verwirklichen – ohne Angst zu haben, auf der Straße zu landen oder einen ätzenden Beruf nachgehen zu müssen. Mehr Unternehmen könnten entstehen, da vorsichtige Gründer eine Sicherung hätten.

Selbstverständlich muss es Arbeit geben, damit unsere Wirtschaft funktionieren kann. Trotzdem sollten wir uns die Frage stellen, was uns wichtiger ist: unser Leben oder die Wirtschaft? Sollten wir leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben? Und sollte es die Wirtschaft, wie sie momentan existiert, weiterhin geben? Nein. Wir dürfen aber nicht warten, bis die Politik die Industrie ändert oder die Industrie gar sich selbst. Dann wird es schon längst zu spät sein. Konsumenten schieben die Schuld auf die Industrie, da sich das System ändern müsse. Produzenten schieben die Schuld auf die Konsumenten, die unwillig sind, höhere Preise für nachhaltige und hochqualitative Produkte auszugeben. Politiker machen einen Spagat zwischen Konsumenten und Produzenten.

Natürlich kann ein minimalistisches Leben in der Freiheit durch edle Motive wie Umweltschutz begründet sein; der stärkste Antrieb, sich aus der Falle zu befreien, ist aber die Idee des Guten Lebens, über die antike griechische Philosophen diskutierten. Wie lebt der Mensch am besten? Wie wird er glücklich? Epikur sah die Lebensfreude als höchstes Gut an und war der Ansicht, dass wahrer Genuss und Glückseligkeit nichts mit Arbeit oder Konsum zu tun haben. Er legte vor allem Wert auf einfache Genüsse, enge Freundschaften, Freiheit und Bewusstsein. Um eine unerschütterliche Seelenruhe zu erreichen, sollen wir bedürfnislos und tugendhaft leben. Ein prominenter Vertreter der Bedürfnislosigkeit ist Diogenes von Sinope. Jorge Bucay schildert in seinem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ folgende Überlieferung:

„Eines Tages saß Diogenes auf der Schwelle irgendeines Hauses und aß einen Teller Linsen. In ganz Athen gab es kein billigeres Essen als dieses Linsengericht. Anders gesagt, einen Teller Linsen zu essen bedeutete, daß man sich in einer äußerst prekären Situation befand.

Ein Minister des Kaisers sagte zu ihm: „Wie bedauerlich für dich, Diogenes! Wenn du lernen würdest, etwas unterwürfiger zu sein und dem Kaiser ein bißchen mehr zu schmeicheln, müßtest du nicht so viele Linsen essen.“ Diogenes hörte auf zu essen, hob den Blick, sah den wohlhabenden Gesprächspartner fest an und antwortete: „Bedauerlich für dich, Bruder. Wenn du lernen würdest, ein paar Linsen zu essen, müßtest du nicht so unterwürfig sein und dem Kaiser ständig schmeicheln.“ (S.191f.) Das ist der Weg der Selbstbehauptung und der Verteidigung der eigenen Würde. Wir sollten uns eine Scheibe von Diogenes abschneiden und den Preis der Selbstaufgabe für Luxusgüter nicht mehr zahlen.

Liegen wir am Ende unseres Lebens auf dem Sterbebett, werden wir nicht bereuen, dass wir so wenig gearbeitet haben, sondern zu wenig Zeit mit unserer Familie oder Freunden verbracht, uns nicht getraut haben, in Freiheit zu leben oder versuchten, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wringham arbeitete einst in der Bibliothek eines Krebsforschungsinstituts und las sich die Tagebücher von Krebserkrankten durch. Am schlimmsten sei es gewesen, zu lesen, wie Erkrankte plötzlich feststellten, dass Karriere, harte Arbeit und Konsum nichts bedeuteten, dafür aber Familie, Freunde und Freiheit! Jedes Mal sei die Überraschung groß gewesen und mit Wut und Panik verbunden. Wir sollten nicht warten, bis Ärzte bei uns eine tödliche Krankheit diagnostizieren. Wir sollten unsere Prioritäten früher setzen. Zu diesem Zweck hatten die Bohemiens des 19. Jahrhunderts eine Vorliebe für Totenköpfe: Ein menschlicher Totenkopf auf einem Bücherregal zwischen den Büchern erinnert uns daran, dass das Leben vergänglich ist. Es vergeht zu schnell, um sich Sorgen zu machen – als Memento Mori dient es uns als Erinnerung daran, dass die eigene Sterblichkeit die Lösung für unsere Existenzangst ist.

„Aber wie realistisch ist das? Wer putzt dann noch die Flure? Wer fegt die Straße?“ – dieselben Einwürfe kamen auch, als die Sklaverei abgeschafft wurde. Die echte Beschäftigungskrise unserer Republik ist doch, dass wir trotz aller Fortschritte angeblich 40 Millionen Arbeitskräfte brauchen, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Trotzdem: Wie können wir uns aus der tödlichen Spirale des Konsumkapitalismus befreien? Der Weg führt über den Minimalismus. Wenn wir uns gegen Modewahn, Trendsetting und Kabelfernsehen wappnen, überflüssigen Besitz loswerden, brauchen wir keine große Wohnung mehr und müssen kein Vollzeit-Einkommen erzielen. Informations-, Status-, Existenzangst, das Ego und Abhängigkeiten – all das müssen wir hinter uns lassen, wenn wir ein Leben in Freiheit und Zufriedenheit genießen wollen, sagt Wringham. Wollen wir den unnötigen Bereichen der Wirtschaft schaden, müssen wir zuerst unsere Ausgaben minimieren und herausfinden, was wir für unser Leben wirklich brauchen. Wie viel bedeutet uns ein Auto oder eine Spielekonsole? So viel, dass wir weitere zehn Jahre in Lohnknechtschaft verbringen? Ist Konsum jenseits der Befriedigung der Grundbedürfnisse es wert, beträchtliche Opfer zu bringen? Wir sollten nur diejenigen Besitztümer behalten, die wir regelmäßig benutzen oder die einen besonderen ästhetischen Wert haben. Bei letzterem gilt auch: weniger ist mehr. Weniger Kunstwerke im Wohnzimmer verstärken die Bedeutung der verbleibenden. Das ist die Macht des Minimalismus.

Nach der Verringerung der Ausgaben kann eine Verringerung des Einkommens durch weniger Arbeit erfolgen. Ein Vorschlag Wringhams ist es allerdings, für den Notfall etwas zurückzulegen, da der Fluchtplan scheitern kann. Im Gegenzug hätten wir die Vergewisserung, dass wir es versucht haben. Auch mit Teilzeit- oder zeitarbeit befinden wir uns zwar nicht in der absoluten Freiheit, aber mehr Lebenszeit und -qualität haben wir dadurch allemal gewonnen. Ohne Geld können wir in diesem System nicht leben, daher müssen wir einen Weg finden, uns zu versorgen, ohne im herkömmlichen Sinn arbeiten zu müssen.

What would Kant do? Ist die Maxime, der Arbeitswelt und der Konsumwirtschaft zu entkommen, um ein Leben in Freiheit genießen zu können, verallgemeinerbar? Ja, definitiv! Laut Kant haben wir uns gegenüber eine moralische Pflicht und Verantwortung. Der Mensch ist kein Mittel zum Zweck der Erhaltung der Wirtschaft, er ist Zweck an sich und besitzt eine Würde. Natürlich würde die Wirtschaft zusammenbrechen, wenn wir aufhören würden, sinnlosen Besitz anzuhäufen – das ist ein „Opfer“, das wir bringen müssen, nicht nur der eigenen Person gegenüber, sondern auch der Menschheit als ganzes gegenüber. Bricht denn die Konsumwirtschaft zusammen, verbrauchen wir weniger Ressourcen und schonen die Umwelt, aber nicht der Welt zuliebe, sondern uns zuliebe. Die Erde hat kein Umweltproblem – wir haben es! Entweder passen wir uns an oder wir werden angepasst. Diejenigen Lebewesen, die sich nicht an steigende Temperaturen und übersäuerte Böden gewöhnen können, werden aussterben. Die Maximen der Konsumwirtschaft sind weder zukunftsfähig noch verallgemeinerbar. Wir müssen die ökologischen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Wirtschaft schaffen, denn nur diese kann weiteres Wachstum ohne existenzbedrohende Nebenwirkungen sichern.

Arbeiter aller Länder, entfesselt euch!

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Plädoyer für eine liberale Drogenpolitik

Ein von der Downing Street geheim gehaltener Bericht über Crack und Heroin bescheinigt dem von der Regierung geführten Krieg gegen Drogen das Scheitern. Aus dem Dokument geht hervor, dass die Repression harter Drogen durch die Polizei einen geringen Effekt aufgrund des raschen Ersatzes festgenommener Kleindealer hat. Damit ist eine dauerhafte Versorgung der Märkte durch Festnahmen nicht gefährdet.

Es gibt dem Bericht zufolge auch keine Hinweise darauf, dass eine Bekämpfung des Drogenangebots eine positive Auswirkung auf die Beschaffungskriminalität hätte. Eine Angebotsreduktion ließe höchstens die Preise mit der Folge steigen, dass die Drogenkriminalität zunehme und den Drogenbaronen höhere Profite winken.

Der statistische Zusammenhang zwischen autoritärer Drogenpolitik und hohen Drogenkonsum und -kriminalität ist nicht erstaunlich. Der Verbot beschränkt den Konsum nicht, sondern fördert die organisierte Kriminalität. Was zunächst nach einer Trivialität aussieht („keine Strafe ohne Gesetz“), entpuppt sich als Problem: Durch autoritäre Politik bilden sich mafiöse Strukturen heraus, die die Hemmschwelle für illegale Geschäfte von Konsumenten absenkt. Ein Verbot verhindert Transparenz und Regulierung. Konsumenten wie Produzenten werden zu Staatsfeinden, ohne dass der Staat an sich das Problem ist. Gelegenheitskonsumenten verlieren ohne guten Grund Arbeitsplatz, Familie und Ruf – kurzum: seine Existenz. Abgesehen davon fördert die Prohibition die Entstehung neuer, gefährlicher Rauschmittel, die nicht vom Betäubungsmittelgesetz erfasst werden. Ihre Zusammensetzung ist sowohl variabel als auch unbekannt, was sie so gesundheitsschädigend macht.

Eine weitere Konsequenz einer repressiven Politik ist, dass die Einschränkungen das Angebot mindern, was die Gewinnspannen erhöhen. Verkäufer verkraften daher diese Verluste und Käufer sinken tiefer in die Beschaffungskriminalität, da sie für die gleiche Menge mehr Geld benötigen. Statt den Verkauf zu verbieten, gilt es, das Problem an der Wurzel zu packen. Nehmen wir Afghanistan als Beispiel: die Produktion illegaler Substanzen ist bedingt durch Armut und Mangel an Alternativen. Einerseits ist der Verkauf kein Verbrechen, dass es bestraft werden müsste, andererseits aber gibt es keine so harte Strafe, diejenigen vom Verkauf abzuhalten, die kein anderes Gewerbe haben, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen. Wir sollten dafür sorgen, dass sie ihren Unterhalt haben, damit sich niemand der grausigen Notwendigkeit ausgesetzt sieht, in die Spirale der Drogenkriminalität zu fallen. Selbst wenn der von den USA angeführte Drogenkrieg in Afghanistan oder Kolumbien erfolgreich ist, werden Getreidefelder in Peru und Bolivien zunehmend zu Kokafeldern umfunktioniert werden. Der Krieg gegen Rauschgifte verlagert nur das Problem.

Fazit: Der Markt für harte Suchtmittel ist trotz aller Bemühungen dramatisch gewachsen. Die Preise für Heroin sowie Kokain in Großbritannien haben sich trotz Beschlagnahmungen in den letzten zehn Jahren halbiert und die sind zwar so niedrig, dass der Einstieg leicht fällt, aber dafür hoch genug, um Beschaffungskriminalität zu erzeugen.

Wir müssen dem Drogenkrieg ein Ende setzen. Aber lassen wir mal all die ökonomischen Argumente beiseite und stellen einzig und allein den Menschen ins Zentrum: Ihn gilt es zu schützen und zu hüten. Möglich, dass der Staat mehr Geld zur Verfügung hat, wenn er Betäubungsmittel legalisiert, aber das ist nicht der Grund, weshalb wir Drogen legalisieren wollen. Dasselbe Argument würde auch für eine Legalisierung von sexuellem Missbrauch und Totschlag führen. Die Erfahrung in Staaten und Ländern wie Colorado oder Portugal zeigten, dass die Legalisierung, beziehungsweise die Entkriminalisierung im Zusammenhang mit einer Verringerung von Gewaltverbrechen, Morden und Diebstählen steht – also weniger Leid.

Um die Menschen vor einem missbräuchlichen Umgang mit Rauschmitteln zu schützen, ist Prävention und Aufklärung angesagt. Die Gelder dieser Projekte fließen aus den entfallenden Verfahrenskosten. Den bereits Abhängigen muss Hilfe zur Selbsthilfe in Form von Therapien zur Verfügung stehen als auch Resozialisierungsmaßnahmen. Eine neue gesellschaftliche Sicht auf Drogen sollte sich entwickeln: Abhängige sind nicht Straftäter oder Kriminelle, sondern Betroffene, denen geholfen werden muss. Wir müssen enger mit Abhängigen zusammenarbeiten und opferlose Verbrechen abschaffen, deren sinnlose Bestrafung Existenzen und Familien zerstört.

Philosophische Grundpfeiler des Veganismus

Machen wir ein Gedankenexperiment: Uns hoch überlegene Lebensformen besuchen unseren blauen Fleck und nehmen uns in Gefangenschaft. Sie nutzen uns für medizinische Versuche und testen an uns fremdartige Medikamente, unsere Haut für bequeme Sitze in Raumschiffen, für Schuhe und Portemonnaies. Die Haare dienen als Stoff für Schals oder Pelze.

Das ist nicht das Ende der Geschichte, denn die Außerirdischen verarbeiten die Menschen zu Fleisch, vor allem die Babys mit ihrer weichen und zarten Haut. Schließlich zwingen sie uns zum Geschlechtsverkehr, um weitere Nachkommen für die Fleischversorgung zu produzieren. Eines Tages fragt eine mutige Frau unter Qualen nach dem Grund. Die Antwort: „Ihr schmeckt uns.“

Bei aller Absurdität betrachten wir diese Geschichte als eine Metapher für die Ausbeutung von nicht-menschlichen Tieren. Allerdings wirft sie die Frage auf, ob sich die Rollen von Außerirdischen und Mensch in diesem Beispiel wirklich auf Mensch und Tier übertragen lassen. Stellt diese Metapher nicht Menschen und Tiere auf eine Stufe?

Um die Frage, ob wir Fleisch essen dürfen, beantworten zu können, müssen wir nicht die Frage klären, ob Menschen und Tiere gleichwertig sind. Wir müssen auch nicht die Frage klären, ob Tiere soziale Lebewesen sind, denken oder vorausschauend planen können, sondern ob sie leiden können. Nicht alle Lebewesen sind auch leidensfähig, aber diejenigen, die auf unseren Tellern landen, schon.

Dieser Standpunkt heißt Pathozentrismus. Dabei handelt es sich um die ethische Strömung, die empfindungsfähigen Lebewesen einen moralischen Eigenwert zuordnet. Sie stellt eine philosophische Grundlage des Veganismus dar, denn die Wahl von Eigenschaften wie Intelligenz, Größe oder Stärke sind stark von den Interessen der Spezies abhängig. Wir Menschen nehmen als Rechtfertigung für unser Verhalten gegenüber Tieren unsere Intelligenz und heben uns hervor. Würden andere Lebewesen nach Gründen suchen, sich über andere Tiere zu stellen, würden sie die Eigenschaft auswählen, die für sie charakteristisch ist. Bei Walen wäre es die Größe, bei Ameisen die Stärke im Vergleich zum Körpergewicht. Intelligenz ist keine moralisch relevante Eigenschaft und wenn doch, würde sie nicht nur Gräuel gegenüber nicht-menschlichen Tieren rechtfertigen, sondern auch gegenüber geistig Behinderten. Die meisten Mischköstler würden aber nicht für die Ausbeutung von geistig Behinderten stimmen oder einwenden, dass diese immer noch zur Spezies Mensch gehören. Die Zugehörigkeit zu einer Spezies ist allerdings ebenso wenig moralisch relevant wie die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht oder zu einer Rasse. Speziesismus ist die Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Spezies, ähnlich wie Rassismus oder Sexismus die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Rasse oder einem Geschlecht sind.

Als eine Konsequenz der Ablehnung des Speziesismus wird der Veganismus betrachtet. Eine weitere philosophische Strömung, die den Veganismus befürwortet, ist die Umweltethik. Deren Anhänger sprechen sich für einen moralisch verantwortbaren und schonenden Umgang mit der Natur aus. Laut Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2010 erfordern tierische Produkte mehr Ressourcen wie Wasser oder Land und verursachen höhere Emissionen als pflanzenbasierte Alternativen. Die Umstellung auf eine vegane Lebensweise ist folglich ein Weg, die Umwelt zu schützen.

Stadt, Land, Überfluss

Wann war das letzte Mal, dass du einen Kauf bereut hast? Wann war das letzte Mal, dass du spontan etwas gekauft hast, was nicht auf deiner Einkaufsliste stand? Wie viele Dinge um dich herum brauchst und benutzt du wirklich?

Konsum ist immer und überall zu haben. Ich brauche keine Begabung, ich brauche Geld. Die Innenstädte sind überfüllt von Geschäften, die damit werben, ihre Produkte heruntergesetzt zu haben und dass alles billig sei. Geiz ist geil. Solange Sonderangebot, Rabatt oder „nur für kurze Zeit“ daran steht, greifen wir gerne zu. Mid-Season-Sales zeigen uns das immer wieder. Oder dass Modehersteller jeden Monat neue Kleidung auf den Markt werfen. Gehend von einem Laden zum nächsten, erfreuen wir uns an den dargebotenen Waren. Je billiger, desto besser. Die meisten interessiert es nicht, wer unter den Preisen zu leiden hat. Nach der Devise: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wir kennen all die großen Zahlen und Grafiken, aber sie belasten uns nicht. Wir reagieren auf Einzelschicksale anders. Aber wie oft hören wir von ihnen? Eben. Trotzdem findet im Moment ein Wandel statt. Weg vom Einzelhandel, in dem noch Kontakt zwischen Menschen herrschte, hin zum Internethandel, welcher die Geschäfte, die noch Menschlichkeit vermitteln, nach und nach kaputt macht. Als Treffpunkte und Ort der Kommunikation verwahrlosen die Innenstädte.

Ein Problem des Internethandels besteht vor allem in der Dominanz marktbeherrschender Konzerne. Für Konsumgüter allen voran Amazon. Jeff Bezos wollte sein Unternehmen ursprünglich „relentless“ nennen, zu deutsch unbarmherzig. Gepasst hätte es besser. Amazons Handy will im Preiskampf noch weiter gehen. Es soll einen extra Knopf bekommen, um Produkte zu fotografieren, zu scannen, mit der gesamten Palette an Amazon-Produkten zu vergleichen und den Preis bei Amazon anzuzeigen. Per Klick lässt sich die Ware ohne Umstände bestellen. Von einem Nachdenken über den wirklichen Bedarf geht unsere Gesellschaft zum Impulsivkauf über. Geiz-ist-Geil hat gesiegt.

Der Leila-Shop in Berlin ist eine Antwort auf diesen Überfluss, ein Gegenentwurf zur Zweckrationalität eines Supermarktes. In dem Shop können Menschen ihren überflüssigen Besitz zur Verfügung stellen, um im Gegenzug selbst nützliche Gegenstände auszuleihen. Denn unser Alltag ist umzingelt von Gegenständen, die wir bis zu dreimal im Jahr brauchen, wenn überhaupt. Einer Studie des Bundesumweltministeriums nach besitzt der Durchschnittsdeutsche 10.000 Dinge, zehnmal so viel vor hundert Jahren, doch nur einen Bruchteil nach dem Kauf nimmt er in die Hand. Paco Underhill, Autor und Umweltpsychologie aus den USA, berichtete bereits 1999, dass es einen Wirtschaftszusammenbruch gäbe, wenn wir nur dann kaufen, wenn wir müssten und nur das, was wir brauchen. Wegen dieser ungeheuren Menge an sinnfreien Konsumgütern steigt auch die Wohnfläche. Anfang der 90er war eine durchschnittliche Wohnung für eine Person 35 Quadratmeter groß, heute sind es 43 Quadratmeter. 2030 wird sie Prognosen nach bei 54 Quadratmetern liegen. Und der Bedarf an Lagerräumen und angemieteten Kellern nimmt auch immer mehr zu, sagt ein Sprecher des Lagerhallen-Vermieters MyPlace. Das Unternehmen verfügte Anfang 2000 über einen Standort. Anfang 2013 waren es bereits 23 Hallen, gefüllt bis zum Rand mit Gegenständen, die niemand braucht. Der Klassiker für nutzlosen Besitz ist die Bohrmaschine, die wir im Laufe ihres Daseins im Schnitt 13 Minuten benutzen. Im Laufe ihres Daseins verstaubt sie – in jedem Haus. Konsum ist ein unbewusster Wahnsinn. Lasst uns nutzlosen Besitz durch besitzlosen Nutzen ersetzen und unseren Wohlstand anders denken! Nicht jeder muss alles haben. Es reicht, wenn wir uns bestimmte Dinge teilen, wie es in Bibliotheken seit gut zwei Jahrhunderten gang und gäbe ist. Für die Wehr gegen den Überkonsum benötigen wir nur Menschen mit Gemeinsinn. Leila ist nicht das Ende, aber ein Anfang. Deutsche Staatsbürger kaufen jährlich zehn Millionen Fernseher, 13 Millionen Computer und 22 Millionen Smartphone; die Anschaffungsneigung hat einen Höhepunkt erreicht. Laut Hamburger Wissenschaftlern, die die weggeworfenen Handys von 4000 Hansestädtern untersucht haben, weisen nur zehn Prozent der Geräte sichtbare Schäden auf, weitere 20 Prozent haben andere Defekte, funktionieren aber. Es geht den Menschen nicht um Nutzen, sondern um Haben.

Hierbei spielen vier Effekte eine Rolle. Der erste ist der genannte Mitläufer-Effekt. Er besagt, dass wir Dinge haben wollen, die andere auch haben. Von Jahr zu Jahr kaufen sich Scharen von Jüngern die neusten Apple-Produkte, obwohl ihre iPhones einwandfrei funktionieren. Wir schauen die Bundesliga lieber auf einem Flachbildschirm statt auf einem Röhrenbild, fahren lieber mit einem SUV durch die Innenstadt, anstatt das Fahrrad zu benutzen. Der britische Wirtschaftswissenschaftler Mark Boyle erschien anderen Exzentriker, bloß weil er keinen Plasma-Fernseher besaß, als er freiwillig auf Konsum verzichtete.

Neben dem Mitläufer-Effekt hat auch der Snob-Effekt einen Einfluss auf das Kaufverhalten. Er treibt diejenigen in den Kaufrausch, die Dinge haben wollen, weil sie andere nicht haben. Dadurch heben wir uns von den anderen ab, wollen unsere mutmaßliche Individualität zeigen oder drücken unser Prestige durch überteuerte Statussymbole aus. Neben dem Snob-Effekt gibt es noch den Geltungskonsum. Thorstein Veblen, Soziologe, beobachtete bereits 1899 den Geltungskonsum unter Amerikas Reichen. Es gibt einen Markt für Dinge, die ungeheuer teuer sind, dass die Zahl der Nachahmer sich garantiert in überschaubaren Grenzen halten wird. Aufgrund dieses Effekts fließt das tonnenweise Geld bei den Yacht-Herstellern. Und das ist auch der Unterschied. Betroffene bevorzugen Güter wegen ihres höheren Preises, um zu zeigen, was sie sich leisten können. Das dient der Definition des eigenen sozialen Status‘. Die Nachfrage ist eine direkte Folge aus dem höheren Preis. Beim Snobeffekt dagegen ist die Einzigartigkeit des Produkts das Kriterium. Der Preis hat darauf nur indirekten Einfluss. Punks beispielsweise verhalten sich nach dem Snob-Effekt. Sie zielen darauf ab, sich durch nonkonformistische Mode von der Gesellschaft abzugrenzen.

Außerdem beschreibt der Diderot-Effekt, wie Menschen nach dem Kauf eines Gegenstands in den Zwang geraten können, weitere Käufe zu tätigen, um ein passendes Gesamtbild zu schaffen. Ein neuer Schal kann zu all den Klamotten im Kleiderschrank nicht passen. Oder ein Sessel, der farblich nicht in die Wohnung passt. Die entstehende Unzufriedenheit löst eine Konsum-Kettenreaktion aus. Als Käufer muss man die restlichen Sessel auch ersetzen, der Schrank passt auch nicht mehr, die Farbe des Bettes sieht neben dem Schreibtisch unschön aus und die Lampe sieht viel zu altmodisch aus. Wofür ist Konsum gut, wenn er uns schadet?

Laut Robert und Edward Skidelsky dient Konsum Placebo unserer Gesellschaft, zu unserer scheinbaren Belohnung für exzessive Arbeit. Kurzfristig gesehen tut uns der Kaufrausch gut, weil das Gehirn Neurotransmitter und Hormone für Hochgefühle ausschüttet. „Kauf dich glücklich!“, der Name eines verbreiteten Mode-Ladens ist Programm. Doch diese Kicks halten nur Minuten oder Sekunden an. Wir dürfen diese süchtig machenden euphorischen Momente nicht mit Zufriedenheit verwechseln. Nach einer Zeit bildet sich eine Toleranz, was heißt, dass wir die Dosis erhöhen müssen: Wir müssen immer mehr kaufen, und nur, um etwas zu haben, bis der Punkt erreicht ist, an dem wir gerade noch die Zeit benutzt haben, um Konsumgüter zu suchen, zu identifizieren und zu vergleichen, zu prüfen, zu kaufen, entgegen zunehmen, unterzubringen – und dann nicht mehr zu nutzen, weil die dafür notwendige Zeit bereits aufgebraucht wurde, sagt der Konsumkritiker Nico Paech.

In der Welt der Liebe finden wir auch Marktstrukturen: Welche Frau entspricht meinem Status, welchen Erwartungen soll sie entsprechen, welche Größe, Augenfarbe etc. soll sie haben? Welcher n hat das ausgeprägteste Sixpack, wie hoch ist sein Einkommen, wie groß soll er sein und was muss er können? Dieser typische Zug unserer Gesellschaft hat Ähnlichkeiten mit dem abendlichen Schaufensterbummeln: Was kann ich mir leisten, was kann ich mir kaufen? Dieser Kitzel des Kaufens ist das Lebensglück heutiger Menschen. Intuitiv verpassen wir potentiellen Partnern einen Marktwert, fürchten uns vor einer Beziehung, wenn sie unseren sozialen Status herabsetzen kann. Und anstatt uneigennützige Liebe zu geben, statt sie zu erwarten, vergessen wir in unserem Egoismus das Leben des Anderen. Datingportale befeuern dieses Verhalten.

Ein Ende der Affluenza, der Überflusskrankheit, ist nicht in Sicht. Die gesellschaftlichen Symptome verschlimmern sich, Hersteller überproduzieren Produkte und Käufer häufen Wohlstandsmüll in Unmengen an. Der Einzelne zeigt eine zunehmende Neigung zur Überschuldung, gefolgt von Verzweiflung, Überforderung und im schlimmsten Falle Angstzuständen. Wir wissen, welche Folgen unser ausufernder Lebenstill hat. Eine erstaunliche Selbstbetrugsleistung. Unsere Gesellschaft ist in einer tiefen Krise, weil wir unsere Einsamkeit nicht aushalten, die Leere im Innerem. Unsere Bedarfsdeckungsgesellschaft wurde zur Überflussgesellschaft. Und die Heilsversprechungen leuchten uns an jeder Ecke grell entgegen.

Dieser Artikel ist eine Gemeinschaftsarbeit von Egotheist und Leviakon.

Quellen, verwendetes Material und weiterführende Links:
Konsumpf: „Forum für kreative Konsumkritik – Culture Jamming, Nachhaltigkeit, Konzernkritik, Adbusting“
Berlin 21: „Leila – Berlins erster Leihladen
Gesellschaft für Konsumforschung: „Einkommenserwartung auf höchstem Stand seit der Wiedervereinigung“ (23.04.2015)
Gesellschaft für Konsumforschung: „Konsumklima weiter im Aufwand“ (26.02.2015)
Jörg Schindler: „Stadt – Land – Überfluss: Warum wir weniger brauchen als wir haben“ (18.08.2014)
Harald Welzer: „Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand“ (17.02.2014)
Institut für Forstökonomie „Wirtschaft ohne Wachstum? Notwendigkeit und Ansätze einer Wachstumswende“ (2012)
Hartmut Rosa, Niko Paech, Friederike Habermann, Frigga Haug, Felix Wittmann, Lena Kirschenmann: „Zeitwohlstand – wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben“ (2014)
Niko Paech: „Befreiung vom Überfluss: Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ (03.04.2012)
Deutschlandfunk: „Wegmarken 2010: Wohlstand ohne Wachstum (Teil 1)“ (01.01.2010)
matthias jung: „Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand (Harald Welzer) – Gedanken aus der Sicht eines Christen, eines Theologen, eines Pfarrers | matthias jung“ (04.04.2013)
Die Welt: „Verzicht ist eine Chance, keine Einschränkung“ (18.02.2012)
Deutsche Welle: „„Wir haben genug“ – Junge Konsumkritik“ (14.11.2013)
Frankfurter Allgemeine: „Konsumkritik konkret: Der Mann ohne Geld“ (21.12.2013)

Gibt es einen Gott?

Das erste Mal, dass ich am Christentum zweifelte, war, als ich als Fünftklässler vom Holocaust erfahren habe. Wie konnte es sein, dass ein gütiger Gott das Auslöschen von Milliarden von Menschen zulässt, beziehungsweise geplant hat? Drei Jahre später erfuhr ich, dass ich nicht der einzige Mensch mit diesem Gedanken war, und dass diese Frage als Theodizee-Frage in der Philosophiegeschichte bekannt geworden ist.

Für diese Frage sind folgende angenommene Eigenschaften Gottes relevant: Allgüte, Allmacht, Allwissenheit und Unbegreiflichkeit. Norbert Hoerster vertritt die Ansicht, dass Theisten mindestens ein Gottesattribut aufgeben müssen. Die Annahme, dass Allgüte und Allmacht logisch nebeneinander stehen können, bestreitet der Philosoph. Am sinnvollsten erscheint es zunächst, die Allgüte aufzugeben, wenn wir von einem uns unbekannten Schöpfergott ausgehen und nicht vom allzu menschlichen Gott der Bibel. Falls wir die letzte Möglichkeit in Betracht ziehen, spielen die Zehn Gebote eine Rolle; dann kennen wir klar die Moralvorstellungen Gottes. Letztlich bleiben die Zehn Gebote bloß moralische Leitlinien für eine gute Lebensführung, an die sich ein Gott nicht halten muss. Gehen wir dagegen von einen uns unbekannten Gott mit uns fremdem Moralvorstellungen aus, ist er aus unserer Sicht nicht gütig, aber das kann seinen Vorstellungen von Güte oder Moral entsprechen.

Der Güte Gottes lässt sich auch die göttliche Gerechtigkeit gegenüberstellen. Es wird argumentiert, die Gerechtigkeit Gottes erfordere, dass maximales Wohlergehen nicht immer sein Ziel sein kann. Menschliches Leiden wird als gerechte Strafe für Fehlverhalten oder Ungehorsam gedeutet. Wie können dann Gerechtigkeit, Allwissenheit und ein freier Wille des Menschen logisch nebeneinander stehen? Gottes Allwissenheit ist unvereinbar mit dem freien Willen. Die Abläufe der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Gott bekannt. Daher ist die Zukunft festgelegt. Unsere Zukunft, unser Wille, unsere Taten und Träume. Dieser Logik nach halten wir nicht die Zukunft in unseren Händen. Wir sind wegen des Determinismus nicht verantwortlich für unsere Handlungen. Inwiefern ergeben Strafen für menschliches Fehlverhalten noch Sinn, wenn sie in Gottes Plan vorgesehen wurden?

Auch Gottes Allwissenheit enthält Schwachpunkte, denn die Möglichkeit, dass ein ihm übergeordneter Schöpfer ihn erschuf und Gott dazu verleitete, zu glauben, er sei allwissend, besteht. Gott kann daher nicht absolut wissen, ob er allwissend ist – was seine Allwissenheit einschränkt. Theisten können auch die Allwissenheit aufgeben, um die Theodizee-Frage zu lösen, denn die Gnosis sieht den Menschen als für eine vollkommene Gottesbeziehung gedacht. Da die Schöpfung durch den Sündenfall unvollkommen wurde, wurde die Beziehung des Menschen zu seinem Ursprung gebrochen. Gott entfernte sich vom Menschen, gibt ihm damit die Freiheit, in Sünde zu leben und Leid zu schaffen.

Gottes Allmächtigkeit lässt sich dagegen wie folgt angreifen: Ist ein omnipotentes Wesen dazu fähig, ihre Allmacht einzuschränken? Oder spezieller: Kann Gott einen Stein erschaffen, der so schwer und unveränderbar ist, dass er weder seine Masse reduzieren noch ihn heben kann? Wenn er diesen Stein erschaffen kann, kann er ihn nicht heben. Wenn er ihn nicht erschaffen kann, ist er nicht allmächtig.

Die Voraussetzungen schränken Gottes Willen drastisch ein, aber das ist unwichtig. Per Definition muss ein allmächtiges Wesen alles tun können. Aus physikalischer Perspektive ist dieses Beispiel schlecht gewählt, da es auf dem überholten aristotelischem Weltbild beruht.

Wir erhalten aufgrund von verschiedenen Arten von Allmacht unterschiedliche Lösungen: Ein abdingbar allmächtiges Geschöpf kann ihre Allmacht durch das Erschaffen des Objekts oder durch die Unfähigkeit zur Schöpfung verlieren. Ist die Allmacht dagegen essenziell, verliert Gott seine Omnipotenz nicht, auch wenn er nicht fähig ist, diesen Stein zu erschaffen oder dieser Stein kann nicht existieren, weil er logisch unmöglich ist und Gott nur logisch Mögliches verrichten kann (bedingte Allmacht).

Für ein vollkommenes Wesen erscheint nur eine unabdingbare, absolute Allmacht als sinnvoll, doch bei diesem Allmachtsverständnis entstünde das Paradoxon erst gar nicht. Nach dieser Auffassung könnte Gott uneingeschränkt handeln; auch einen unhebbaren Stein könnte er trotz weiterbestehender Allmacht schaffen. Ein solcher Gott kann nicht nur weder erkannt noch verstanden werden, auch weitere vernünftige Aussagen sind damit unmöglich. Vor allem folgen dieser Interpretation beliebige Möglichkeiten: Unmöglichkeit gäbe es nicht mehr, aber auch, dass alles möglich sei, wäre falsch, da es sich hierbei um eine Schlussfolgerung handelt und die Ungültigkeit der Logik im Sinne der absoluten, unabdingbaren Allmacht steht. Für den Menschen ist es sinnlos, über etwas zu spekulieren, das er nicht mit nachvollziehbaren Mitteln erkennen kann.

Allwissenheit und Allmacht stehen sich ebenfalls in einem Spannungsverhältnis gegenüber. Wenn Gott allwissend ist, weiß er, wie er eingreifen muss, um den Lauf der Zukunft zu verändern. Letztere ist durch seine Allwissenheit determiniert. Gott kann es nicht anders mit seinem Eingriff überlegen. Daher ist er nicht allmächtig.

Schwierig ist es, Schwachstellen in der Zeitlosigkeit Gottes zu sehen, denn unser Zeitverständnis ist linear. Erst tritt A ein, dann B. Alle Szenen der Weltgeschichte sieht Gott dagegen simultan; jede Handlung in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sieht er gleichzeitig. Würde dies nicht seine Allmacht einschränken? Ist es noch möglich, dass er überhaupt handeln kann?

Vor Gottes Schöpfung soll es weder Zeit noch Materie gegeben haben. Laut Einsteins Relativitätstheorie sind Materie und Energie äquivalent, Raum und Zeit Seiten einer Medaille. Ohne Raum keine Zeit, ohne Zeit keinen Raum. Ohne Materie keinen Raum, ohne Raum keine Materie. Ohne Zeit keine Materie, ohne Materie keine Zeit. Denn Materie braucht Raum, und Zeit vergeht, wenn Materie sich im Raum bewegt. Kurzum, Materie, Energie und Raumzeit bilden eine Einheit.

Demnach benötigte Gott Zeit, um die Zeit zu erschaffen, um die Materie zu erschaffen benötigte er Materie. Erschaffung ist ein Prozess, der Zeit voraussetzt, das gilt, wenn er die Naturgesetze, nach denen Zeit vergeht, geschaffen haben soll. Aus dem Nichts etwas zu erschaffen, ist nicht möglich. Somit ist Akt der Schöpfung irrational und kann nicht stattgefunden haben. Selbst Gott bräuchte einen Schöpfer, was letztlich zu einem infiniten Regress führt. Die Frage, woher die Welt kommt, bleibt also unlösbar. Weder Gott noch der Urknall können die Entstehung der Welt vollständig erklären. Auch die Regel „von Nichts kommt nichts“ setzen wir voraus: Falls die Regel nicht galt, war die Entstehung des Universums ohne Schöpfer möglich. Hier befinden wir uns aber im Bereich der Spekulation; ja, wir wissen nicht einmal, ob Naturgesetze und -konstanten statisch oder variabel sind.

Religion ist unvereinbar mit Wissenschaft, denn sie beansprucht die absolute Wahrheit für sich – Wissenschaft auf der anderen Seite übt Selbstkritik. Religion ist das Akzeptieren von Tatsachenbehauptungen ohne starke Indizien, sondern mit Einzelerzählungen, Offenbarungen und Erweckungserlebnissen, überliefert durch historische Autoritäten und dokumentiert durch heilige Schriften mit als absolut deklariertem Wahrheitswert. Der Erkenntnisprozess ist nicht wiederholbar, nicht reproduzierbar: nicht verifizierbar, nicht falsifizierbar. Wissenschaft ist das Akzeptieren von Tatsachenbehauptungen aufgrund von schlüssigen und starken Indizien. Erkenntnisprozess ist wiederholbar, reproduzierbar: verifizierbar, falsifizierbar. Jede Untersuchung muss strenge Kriterien einhalten. Wissenschaftler reißen Theoriegebäuden nieder, wenn stärkere Belege gegen sie sprechen. Religion dreht sich um Autoritäten: Mohammed, Jesus, Zarathustra. Wissenschaft dreht sich um Themen: Evolution, Quantenverschränkung, Wasserstoffbrückenbindung. Eine Gemeinsamkeit gibt es: Beide unterscheiden sich abhängig von Ort und Zeit. Religionen entwickeln sich weiter: Vom Judentum zum Christentum bis hin zum Islam. Vom aristotelischem Weltbild zu Newtons Gesetzen bis hin zur Relativitätstheorie. Die Wege zur Veränderung sind grundverschieden. Logische Lehrsätze gelten überall, zu jeder Zeit, denn Wahrheit ist weder zeit- noch ortsabhängig. Die Gültigkeit religiöser Lehrsätze dagegen ist abhängig von Ort und Zeit.

Praktisch sehen wir das in den heiligen Schriften von Religionen, die auf Gotteserfahrungen und spirituellen Erlebnissen aufbauen. Eine persönliche Erfahrung gilt nicht als wissenschaftliche Evidenz, da die Wissenschaft ihre Phänomenologie durch reproduzierbare Belege und Untersuchungen untermauert. Der Kognitionswissenschaftler Michael Persinger vertrat die Auffassung, dass transzendentale Erfahrungen auf kurzzeitige elektrische Entladungen im Präfrontalkortex zurückzuführen sind. In zahlreichen Versuchsreihen befestigte der Forscher stimulierende Elektroden an den Köpfen der Probanden. Dabei beobachtete er spirituelle Erlebnisse wie Nahtoderfahrungen, religiöse Ekstase oder Engelserscheinungen bei den Versuchspersonen.

Bei Heiligen und biblischen Gestalten finden sich Zusammenhänge zwischen religiösen Erfahrungen und Epilepsie. Der alttestamentarische Prophet Ezechiel hat alle Züge eines Konvertiten, der durch epileptische Schübe zu Gott fand. Saulus‘ folgenreicher Glaubenswechsel zum Apostel Paulus liest sich auch als Krankengeschichte eines Epileptikers. Andere Hirnforscher wie Gerhard Roth bringen spirituelle Erlebnisse mit Abfall des Blutzuckers, Sauerstoff- oder Schlafmangel, Angstzustände und Depressionen in Verbindung.

Dieser Text bezieht sich nur auf eine einzige, aber verbreitete Gottesvorstellung. Es wäre eine Herkulesarbeit, alle Gottesvorstellungen anzugreifen. Ohne eine Definition des Wortes „Gott“ ist der Begriff substanz- und inhaltslos. Eine einzige Gottesvorstellung anzugreifen, ist mir nur unvollständig gelungen. Ich schließe Irrtümer nicht aus, daher bin ich Agnostiker. Belege und Beweise bleiben nach 2.000 Jahren aus. Gibt es einen Gott? Ich weiß es nicht. Können wir wissen, ob es einen Gott gibt? Nein. Bis es dazu keine starken Indizien oder Belege gibt, wird ein Gott in meinem Leben keine Rolle spielen.

Kritische Reflexionen eines ehemaligen Veganers

Vegan zu leben, heißt nicht, auch gesund zu leben. Einigen Veganern geht es mehr um Ethik als Gesundheit. So ging es mir auch. Anstatt meine Ernährung gut zu planen, stieg ich auf Fertig- und Ersatzprodukte um, die gemieden werden sollten. Üblicherweise enthalten diese Produkte nicht nur Unmengen an Salz, Zucker und Fett, sondern auch künstliche Aromen und unaussprechbare Zusatzstoffe. Getreideprodukte gab es auf meinem Speiseplan in Hülle und Fülle. Kurzum: Folgen waren Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit, Blässe und unreine Haut. Daher entschied ich mich, Vegetarier zu werden und mich mit Ernährungswissenschaften zu beschäftigen.

Moralische Bedenken plagten mich bei der Umstellung: Das erste Glas Milch trank ich mit Widerwillen. Schließlich hatte ich genug Gründe, um vegan zu leben. Auf der anderen Seite ergänzte ich diese Gedanken um eine weitere Überlegung: Sollen setzt Können voraus. Ich konnte mich mangels lebensmittelkundlicher Kenntnisse nicht gesund und vegan ernähren – sofern dies möglich ist -, daher war der Abbruch meines Projekts berechtigt. Denn: ein ethisch erfülltes Leben bedeutet nicht, ein selbstaufgebendes Leben, sondern ein selbsterfüllendes Leben zu führen. Für das Wohl der Tiere habe ich meine Gesundheit gefährdet.

Obendrein würde die vegane Ernährungsweise als Standardkost die Nachfrage für tierische Produkte derart senken, dass deren Produktion nicht mehr profitabel wäre. Damit wäre die Tierhaltung abgeschafft, dachte ich. Ein unmöglich zu erreichendes Ziel. Tatsächlich sind Menschen auf tierische Produkte angewiesen, vor allem Stillende, Schwangere, Babys, Kinder und Jugendlichen. Die geistigen und körperlichen Schäden für Babys können bis hin zu Behinderungen oder Hirnatrophie reichen. [1, 2, 3, 4] Hier stellt sich die Frage: Was ist uns wichtiger? Unser Leben oder das Leben vieler Tiere? Da ich beidem eine hohe Bedeutung beimesse, wäge ich ungern ab. Daher muss ich mich mit einem Kompromiss zufrieden geben. Seit einigen Monaten esse ich wieder Milchprodukte und Eier aus tierfreundlichen Betrieben, zugunsten meines Wohlbefindens.

Für Veganer bleiben Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Samen, Getreide und Schließ- wie Schalenfrüchte, heißt Kerne und Nüsse, übrig. Hülsenfrüchte, Getreide, Samen und Schalen- wie Schließfrüchte sind gesundheitlich aus mehreren Gründen bedenklich. Die antinutritiven Inhaltsstoffe der Hülsenfrüchte, Schalen- wie Schließfrüchte und Getreide wie Gluten, Lektine, Phytinsäure wirken unverarbeitet toxisch und hemmen die Nährstoffaufnahme sowie die Proteinbiosynthese. [5] Traditionelle Verarbeitungsmethoden wie Fermentieren, Quellen, Wässern oder Keimen bauen diese Substanzen ab. Leider sind diese für ein „modernes Großstadtleben“ oft viel zu aufwändig und zeitintensiv. [6] Proteine stellen kein Problem darf. Die Deckung des Eiweißbedarfs bei einer rein pflanzlichen Ernährung ist trotz weniger Schwierigkeiten möglich. Denn die vorhin genannten Lebensmittel dienen oft als Eiweißquellen, da sie aber ein unvollständiges Aminosäurenprofil aufweisen, leidet die biologische Wertigkeit und damit die Proteinaufnahme des Körpers. Glücklicherweise erhöht sich diese durch kluge Kombination.

Auch die typisch kohlenhydratlastige Kost weist Schwierigkeiten auf. Jede Nahrung gelangt über den Mund durch die Speiseröhre in den Magen, in der sie in dosierten Portionen in den Dünndarm zur Verdauung und Nährstoffaufnahme gegeben wird. Die Zellen im Darmwand können allerdings nur Einfachzucker aufnehmen. Daher wird Stärke von Enzymen in Glucose aufgespalten. Anschließend wird der Traubenzucker an das Blut weitergegeben. Je schneller die Stärke in Glucose zerlegt wird, desto höher steigt auch Blutzuckerspiegel. Ballaststoffe dagegen verlangsamen den Glucoseanstieg. Der Körper schüttet nach dem Anstieg des Blutzuckerspiegels das Proteohormon Insulin aus, um die Aufnahme von Glucose in den Zellen zu ermöglichen. Leber und Muskeln nehmen den Großteil als Glykogen, langkettige Glucose-Einheiten, auf, da nur diese fähig sind, Traubenzucker zu speichern. Der Blutzuckerspiegel sinkt wieder.

Sowohl ein zu niedriger, als auch ein zu hoher Blutzuckerspiegel sind gesundheitlich bedenklich. Auf der einen Seite sind wir mit Müdigkeit, Heißhungerattacken, Nervosität und schlimmstenfalls Bewusstseinsverlust konfrontiert, auf der anderen Seite mit Schädigungen der Blutgefäße, Insulinresistenz und Diabetes. Allerdings nehmen wir nicht nur Kohlenhydrate auf, sondern auch Fett und Eiweiß. Insulin sorgt einerseits für eine Verstärkung der Aminosäuren in den Zellen und treibt den Aufbau von Eiweißen an, andererseits regt Insulin Körperzellen dazu an, Glucose aus dem Blut und Fett zu speichern. Wenn der Insulinspiegel dauerhaft zu hoch ist, hören die Zellen nicht mehr auf, Fett zu speichern. Ein großer Teil der Nahrungsenergie wird in den Fettzellen gelagert, sodass Hunger und Müdigkeit die Folgen sind. Außerdem führt dies auch zur Insulinresistenz, der Vorstufe der Diabetes, da die Bauchspeicheldrüse nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit einen rapiden Anstieg des Blutzuckerspiegels registriert und weiterhin Insulin ausschüttet, bis eine Notlösung der Niere in Kraft tritt: Ab einer bestimmten Schwelle filtern die Nieren den Traubenzucker aus dem Blut und scheiden ihn aus. Man nennt das Diabetes. Insulinresistenz hat wiederum einen ungünstigen Einfluss auf den Triglyceridspiegel und auf die Lipoproteine, da die Leber bei einem Überangebot von Glucose diese in Fettsäuren umwandelt, die als Triglyceride ins Blut gegeben werden, was die Qualität der Lipoproteine niedriger Dichte verschlechtert. Mit einer kohlenhydratlastigen Kost läuft man Gefahr, das Risikoprofil für Arteriosklerose zu entwickeln, aber auch eine Verfettung der Leber lässt sich herbeiführen. Auch Fructose kann Schaden anrichten, da nur die Leber Fruchtzucker verarbeiten kann und es bevorzugt in Fett umwandelt. Dies hat eine Leberverfettung und den Anstieg der Blutfette zur Folge. Daher ist es ratsam, auf stärke- und zuckerreiche Lebensmittel zu verzichten, nicht nur bei veganer, sondern auch bei gemischter Kost. Andererseits: Insulinresistenz wird durch eine ballaststoffreiche, fettarme (und vegane) Ernährung vorgebeugt [7, 8]. Ansonsten haben Veganer ein vermindertes Risiko, an koronaren Herzkrankheiten zu erkranken. [9]

Das nächste Problem ist die unzureichende oder unausgewogene Nährstoffversorgung: Calcium, Eisen, Jod, Kreatin, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B12 und oft auch Zink. [10, 11, 12, 13, 14, 15, 16] Zwar enthalten auch pflanzliche Quellen beispielsweise Omega-3-Fettsäuren, oder Zink, Calcium und Eisen, aber bei ersterem sind die geringen Umwandlungsraten von α-Linolensäure (ALA) zu Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) ein Problem [17, 18], und bei letzterem ist die niedrigere Bioverfügbarkeit eine Schwierigkeit [19, 20, 21]. Offensichtlich lautet die pragmatische Lösung, diese Nährstoffe zu supplementieren. Der umweltschonende Aspekt des Veganismus wird wegen der energieintensiven Produktion und der Verpackung aus Plastik und Aluminium ad absurdum geführt, besonders wenn zusätzlich Importprodukte wie Quinoa, Bananen oder Kaffee konsumiert werden. Präparate mit isolierten Nährstoffen können keine vollwertige Ernährung ersetzen. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel mit einem einzigen, hoch dosierten Inhaltsstoff kann die Balance der Nährstoffe im Körper stören. Zu viel Eisen setzt beispielshalber die Verwertung von Zink herab und begünstigt Infektionen sowie Arteriosklerose. [22] Wegen der Mengen an Präparaten kann keine pauschale Aussage getroffen werden; und dass Supplemente nicht als Ersatz für eine ausgewogene und gesunde Ernährung dienen sollten, ist ethisch unbedeutend. Wenn ich zwei Möglichkeiten habe, von denen eine Option weniger Leid erzeugt als die andere und genauso effektiv sein kann, weshalb sollte ich mich für die andere entscheiden? In der Tat könnten finanzielle Gründe dagegen sprechen. Effekte, hochwertige Supplemente für essenzielle Fettsäuren, Vitamine und Kreatin sind nicht gerade günstig. Letztlich bleibt eine vegane und gesunde Ernährung ein Privileg. Das sollte es nicht sein.

Es ist wahr, dass viele Veganer positive Erfahrungen mit ihrer Ernährungsumstellung erlebten. Wissenschaftlich gesehen haben diese Aussagen keine Relevanz, da sie keine seriösen Untersuchungen ersetzen können. Aber man kann zu Recht mutmaßen, dass Veganer sich mehr mit Ernährung beschäftigen, auf Inhaltsstoffe und Zutaten von Fertigprodukten achten und gegebenenfalls auf sie verzichten oder selbst kochen müssen. Gesunde, vegane Ernährung ist abhängig von der Umsetzung. Von daher haben einige Veganer sicherlich mehr Nährstoffe zu sich genommen als mit ihrer Mischkost.

Dass der Veganismus nicht praktikabel ist, ist mein vorläufiges Urteil. Selbstverständlich kann ich die Argumente für den Veganismus nachvollziehen, da ich sensibilisiert bin. Dahingegen bin ich offener und undogmatisch geworden, was eine intensivere, kritische Auseinandersetzung zur Folge hat. Ich bleibe Vegetarier. Da ich einen niedrigen Omega-3-Index haben könnte, kann sich das ändern. Eins hat mich der Veganismus gelehrt: Ernährung sollte kein Spagat zwischen Gesundheit und Ethik sein.

Quellen:

[1] Ausgewogene Substratversorgung durch Fleischverzehr, Franziska Feldl, Berthold Koletzko

[2] Maternal vegan diet causing a serious infantile neurological disorder due to vitamin B12 deficiency, T. Kühne, R. Bubl, R. Baumgartner

[3] Mütterlicher Vitamin-B12-Mangel: Ursache neurologischer Symptomatik im Säuglingsalter, T. Lücke et al.

[4] Nutritiv bedingter konnataler Vitamin B12-Mangel als Ursache von Krampfanfällen und Myoklonien im Neugeborenenalter, F. Karakaya

[5] III. Nutritive und antinutritive Inhaltsstoffe der Leguminosen, R. Marquard

[6] Traditional Preparation Methods Improve Grains‘ Nutritive Value, Stephan Guyenet

[7] Gesundheitliche Effekte von Ballaststoffen, Deutsche Apotheker-Zeitung

[8] A low-fat vegan diet improves glycemic control and cardiovascular risk factors in a randomized clinical trial in individuals with type 2 diabetes, Barnard et al.

[9] Mortality in vegetarians and nonvegetarians: detailed findings from a collaborative analysis of 5 prospective studies.

[10] Dietary calcium: adequacy of a vegetarian diet.C. M. Weaver, K. L. Plawecki

[11] EPIC–Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK., Davey et al.

[12] Iodine intake and iodine deficiency in vegans as assessed by the duplicate-portion technique and urinary iodine excretion., H. J. Lightowler, G. J. Davies

[13] Vegetarian diets : nutritional considerations for athletes., A. M. Venderley, W. W. Campbell

[14] Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets., W. J. Craig, A. R. Mangels

[15] Vitamin B12 and homocysteine status among vegetarians: a global perspective., Ibrahim Elmadfa, Ingrid Singer

[16] EPIC–Oxford: lifestyle characteristics and nutrient intakes in a cohort of 33 883 meat-eaters and 31 546 non meat-eaters in the UK., Davey et al.

[17] Increase in dietary n-3 fatty acids decreases a marker of bone resorption in humans, Amy E. Griel et al.

[18] alpha-Linolenic acid supplementation and conversion to n-3 long-chain polyunsaturated fatty acids in humans, J. T. Brenna, N. Salem, A. J. Sinclair, S. C. Cunnane

[19] Choices for achieving adequate dietary calcium with a vegetarian diet, C. M. Weaver, W. R. Proulx, R. Heaney

[20] Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets., W. J. Craig, A. R. Mangels

[21] Position of the American Dietetic Association: vegetarian diets., W. J. Craig, A. R. Mangels

[22] Nährstoffe in Pillenform, UGB Gesundheitsberatung

Vorgehensweise bei der psychologischen Untersuchung

Nicht nur in Film und Fernsehen, sondern auch im Alltag begegne ich Menschen, deren Persönlichkeit ich erfassen möchte. Wie kann ich also andere Personen verstehen?

Dafür ist es wichtig, allgemeine Zusammenhänge zwischen Charaktereigenschaften zu kennen. Machen wir ein Beispiel. So hängt Arroganz mit Eigenschaften wie Egoismus oder Egozentrik zusammen. Warum? Arroganz ist die unrealistisch hohe Einschätzung des eigenen Wertes, Ranges oder der eigenen Fähigkeiten. Stelle dir also vor, dass du fest von deiner Überlegenheit überzeugt bist. Weshalb solltest du anderen Menschen dieselben Freiheiten eingestehen wie dir? Du bist mehr wert. Du hast demnach auch etwas Besseres verdient. Das heißt folglich auch, dass du mehr haben darfst als andere, und dass du dir deine eigenen Regeln machst. Weshalb solltest du anderen Menschen überhaupt Aufmerksamkeit widmen? Dir allein sollten sie ihre Aufmerksamkeit widmen. Nun stell dir vor, dich unterbricht jemand! Oder dir hört jemand nicht zu! Wie kann es derjenige wagen, dir nicht zuzuhören? Es gibt schließlich nichts Besseres als dich! Es gibt keinen Grund, weshalb du dich mit anderen Menschen beschäftigen solltest – doch, einen: Wenn sie dir nützen. Dabei ist es gleich, ob du dich als dankbar erweist – du machst die Regeln. Moralisch ist, was dir nützt. Andere mögen denken, dass deine Erwartungen auf eine besonders günstige Behandlung übertrieben seien; du dagegen findest sie berechtigt, schließlich sollten deine Mitmenschen erkennen, dass du Priorität hast. Entsprechend ist dein Zorn, wenn auf deine Erwartungen nicht automatisch eingegangen wird; dein Schmerz, wenn andere bevorzugt werden; deine Missgunst, wenn andere dir gegenüber ihre faktische Überlegenheit demonstrieren; deine Habgier, wenn du erkennst, dass du vergleichsweise weniger Materielles angehäuft hast als ein anderer.

Zwar habe ich diese Zusammenhänge als Kausalitäten dargestellt, tatsächlich sind es statistische Korrelationen: Eine Charaktereigenschaften kommt überdurchschnittlich häufig mit einer anderen auf. Dass die Ursprünge dieser Merkmale ähnlich sind oder oft gemeinsam auftauchen, ist zu vermuten. Um beim Beispiel des Narzissmus zu bleiben: Die Quelle von Arroganz kann in mangelnder Bestätigung seitens der Eltern liegen, weshalb ein gesundes Selbstwertgefühl nicht entwickelt wird. Eltern, die diese Verhaltensweise zeigen, misshandeln oder vernachlässigen ihre Kinder oft, was dazu führt, dass das Kind kein Urvertrauen entwickeln kann. Daraus entstehen wiederum Beziehungs- und Bindungsprobleme, sogar Bindungsstörungen, auch Gefühlskälte gegenüber anderen, weil sie weder Wärme noch Zärtlichkeit erleben durften. Das alles sind Merkmale der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Entdeckt hat diese Charakterneurose dadurch, dass ihre Merke überdurchschnittlich oft an einigen Menschen erkannt hat. Anschließend wurden die Biographien der Betroffenen studiert und immer wieder wurden dieselben Muster erkannt. Um je die Kriterien für eine solche Störung zu erfüllen, muss nicht alle Symptome erfüllen, sondern drei von sieben. Tatsächlich zeigen nicht alle Betroffene alle Merke, was die These der statistischen Korrelation bestätigt.

Vorsicht ist dagegen bei Schnellschlüssen geboten. Charaktereigenschaften lassen sich gut aus dem Verhalten eines Menschen erschließen. Wenn jemand wegen Kritik gekränkt reagiert und anschließend wütend wird, ist festzustellen, dass.. er durch Kritik gekränkt wurde. Wenn jemand übermäßig häufig auf berechtigte, konstruktive Kritik gekränkt und wütend wird, dann ist ein Verhaltensmuster feststellbar. In diesem Fall ist auch vorhersehbar, dass diese Person wieder dieses Verhaltensmuster zeigt. Kränkbarkeit wäre ferner das passende Wesensmerkmal.

Hier hört es nicht auf. Nun gilt es zu hinterfragen, weshalb er kränkbar ist. Welche Geschehnisse in seiner Kindheit verursachten diese Eigenschaft? Wurde er von seinen Eltern vernachlässigt, gedemütigt und lächerlich gemacht? Oder wurde er von seinen Eltern verwöhnt, sahen sie in ihm einen perfekten Prinzen? Lässt sich seine Kindheit in Teilen rekonstruieren, ist die Untersuchung fortzusetzen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Für eine Charakterstudie ist psychologisches, aber auch psychiatrisches Wissen über seelische Erkrankungen sowie allgemeine Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitseigenschaften und vor allem die Beobachtung von Verhaltensmustern bedeutend.

Zur Menschenwürde

Wie begründet man die Menschenwürde? Sollten die Wesen, denen Würde zugesprochen wird, diese durch die Zugehörigkeit zu einer Spezies erlangen? Wenn aber die Würde durch das Erfüllen eines Kriteriums zugesprochen wird, verlieren diese Wesen mit dem Fehlen dieser Bedingung die Würde. Wählt man die Vernunft oder zumindest den Verstand als Bedingung, verlieren beispielsweise Menschen mit geistigen Behinderungen ihre Würde, Kleinkinder, Embryos oder uns geistig unterlegene Tiere. Wie viel von der Vernunft muss man haben, um Würde zu haben? Wie bestimmt man dies? Wählt man den freien Willen als Bedingung, verlieren beispielsweise unzurechnungsfähige Menschen ihre Würde, zudem ist strittig, ob es einen freien Willen gibt. Die Leidensfähigkeit kann deswegen auch nicht die Bedingung für Würde sein, da es Menschen gibt, die sich schwer emotional oder körperlich verletzen lassen, in seltenen Fällen überhaupt nicht.  Aus der Zugehörigkeit zu einer Spezies als Voraussetzung für Würde folgt Speziesismus, aus der Zugehörigkeit zu einer Rasse oder Ethnie als Voraussetzung folgt Sozialdarwinismus und Eugenik. Als Gegner dieser Praktiken ist mir die Lebendigkeit als Kriterium eingefallen, da unbelebte Objekte nicht leidensfähig und nicht zu töten sind, da in ihnen kein Leben innewohnt, doch zu Schmerzen unfähige Menschen können durch Verletzungen zu Schäden kommen, die sie beeinträchtigen oder ihren Tod verursachen. Doch der Unterschied zwischen Leben und Tod ist kein dualistischer, sondern ein gradueller Verlauf – das Sterben. Im Sterben liegenden Menschen wären Träger von minderer Würde. Wenn man argumentiert, dass diese Wesen bereits Träger von Würde waren, und sie aus diesem Grunde genauso zu behandeln seien wie alle anderen Wesen, wären Organspenden verwerflich; wenn man argumentiert, dass diese Wesen potentiell ihre Würde (wieder)erlangen können, wären Verhütungsmittel und Abtreibung verwerflich.

Natürlich basieren diese ersten Gedanken auf dem Versuch, allen existierenden Lebewesen eine Würde zuzuschreiben, wie es in unserer Verfassung zumindest für die Menschen verankert ist. Scheitert der Versuch, die Würde überzeugend zu begründen, wäre die Würde lediglich eine idealistische Träumerei. Selbstverständlich könne man von unterschiedlichen Arten oder Abstufungen von Würde ausgehen, doch daraus folgt unweigerlich Rassismus oder Speziesismus, die beide Sozialdarwinismus oder Eugenik legitimieren – Diskriminierung sei aber zu verhindern. Denn die Würde ist ein zentrales Axiom moderner Gesellschaften. Verliert sie ihren Boden, fallen wir in ein tiefes Loch der Dekadenz.

Fragen rund um den Transhumanismus

Sollten wir in die Evolution eingreifen?

Sollten wir so massiv in die Natur eingreifen oder gibt es eine natürliche Ordnung, die es zu bewahren gilt?

Können wir Zufriedenheit ohne Leid erkennen?

Können wir Glückseligkeit ohne Schmerzen, ohne negativen Erfahrungen überhaupt wertschätzen?

Aber was wäre, wenn der Tod eine bestimmte Funktion hat? Gehört zum Menschsein Krankheiten dazu? Der Tod? Negative Erfahrungen? Schmerzen? Brauchen wir das, um uns weiterzuentwickeln? Können wir uns ohne Leid weiterentwickeln?

Warum sollten wir mit der technologischen Entwicklung gerade am Menschen aufhören?

Wie steht es mit der Menschenwürde und den Menschenrechten, wenn der Mensch nicht mehr als gegeben betrachtet wird? Sollten die Objekte von Menschenrechte an diese Rechte durch die Zugehörigkeit einer Spezies gelangen? Sollten wir mit unserer Definition von Menschenwürde nach Kant auch Menschen mit Behinderungen ausschließen, wenn sie nicht autonom sind? Wenn wir Wesen erst Würde verleihen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen – warum sollten sie keine Würde innehaben, wenn sie ein einziges Kriterium nicht erfüllen? Haben Menschen, die nicht selbtständig handeln oder denken können, keine Würde? Darf man Menschen, die nicht leidensfähig sind, verletzen? Überhaupt, auf welche Kriterien sollte man sich festlegen und warum? Andererseits – wieso sollte man die Würde als Folge der Zugehörigkeit der menschlichen Spezies betrachten? Warum sollte man Tiere ausschließen?

Sollten wir aus moralischen Gründen Grenzen für die transhumanistische Aufrüstung setzen?

Wie wollen wir illegale Genmanipulation kontrollieren, wenn wir nicht mal Drogenhandel kontrollieren können?

Werden in einigen hundert Jahren transhumane Übermenschen auf uns herabblicken, wie wir auf die Menschen blicken, die aus Angst vor neuen Erkenntnissen das Teleskop Galileos zerbrachen?

Sollten wir Menschen nach Maßstäben von Maschinen bewerten?

Ist ein beinahe makelloser Körper wirklich besser?

In welcher Welt sollten unsere Kinder aufwachsen? Welche Weltsicht würden sie entwickeln? Welchen Grund hätten Kinder, unterlegene Kinder gleichberechtigt zu behandeln?

Würden zukünftige Menschen sich nicht verbessern, um mit sich selbst zufrieden zu sein, sondern um im Leistungskampf zu gewinnen?

Wie würden die Soldaten in einer transhumanistischen Welt aussehen? Wären sie eine körperlich allen überlegene, geistig psychopathisierte elitäre Organisation zur Unterdrückung von Aufständen und rebellischen Akten gegen den Transhumanismus?

Ist der Transhumanismus nicht der Traum des Turbokapitalismus?

Fördern wir nicht eine NS-ähnliche Eugenik? Erklären wir mit Präimplantationsdiagnostik, dass Menschen mit Behinderungen ein lebensunswertes Dasein führen?

Schulstress

Verflucht sei doch das deutsche Bildungssystem! Wie soll man seine Freizeitinteressen, Familie, Freunde ausleben oder treffen können, wenn man von morgens bis abends in der Schule sitzt und daheim einen Berg von Hausaufgaben abarbeiten muss, bevor man für wichtige Klausuren lernt? Wie soll man sich entspannen können? Ruhig schlafen? Sport treiben? Motiviert bleiben? Nicht ausbrennen? Zeit für Musik haben, Poesie, Prosa, das Lesen von Büchern? Wanderungen oder Spaziergängen? Wenn Wellen von Klausuren sich wie Tsunamis aufbauen? Wie soll man denn noch leben? Wofür?