Die globale Bourgeoisie

Laut AfD soll sich Leistung wieder lohnen und gleichzeitig sollen Vermögende entlasten werden. Was haben die Reichen denn geleistet? Was hat Trump geleistet? Er hatte einen reichen Vater, der das Unternehmen vorher aufgebaut hat und selbst einen vermögenden Vater hatte. Donald Trump hat das Unternehmen übernommen und weitergeführt. Die Kennedys – eine schwerreiche Familiendynastie bestehend aus Spitzenpolitikern. John Fitzgerald Kennedy hatte schlicht das Glück, im reichsten Land der Welt geboren worden zu sein und dazu noch in einer Familie, die in deine Bildung und dein Leben dermaßen investiert, dass du zur wirtschaftlichen und politischen Elite gehören wirst und in der finanziellen Oberschicht bleibst. Bushs Vorfahren waren bereits Politiker, Anwälte, Industrielle und Senatoren. Der Schritt zum Präsidenten ist da nicht weit. Dass der Sohn des Präsidenten wieder Präsident wird, ist wahrscheinlich. Die Geschwister von George H. W. Bush sind Banker, Moderatoren, Geschäftsmänner, die Kinder Gouverneure, Investoren, Immobilienentwickler, Geschäftsmänner, Autoren, Models und Modedesigner. Der Sohn des zweiten US-amerikanischen Präsidenten wurde wiederum Präsident. Theodore Roosevelt und Franklin D. Roosevelt waren Cousins und weitläufig mit zehn weiteren Präsidenten verwandt, darunter George Washington und die Präsidenten der Harrison- und Adams-Familie.

Kennedys Vater war Geschäftsmann, Diplomat und Wahlkampfveranstalter. Seine Familie besteht aus Präsidenten, Senatoren, Justizministern, Gründern von Sportorganisationen, Diplomaten, Botschaftern, Juristen, Verlegern, Journalisten, Autoren, Schauspielern, Anwälten, Aktivisten, Regisseuren, Medizinern und Parlamentariern. Die Wahrscheinlichkeit, in dieser Familie ein erfolgreiches wirtschaftliches oder politisches Leben zu führen, ist extrem hoch, weil die Familie (1) das nötige Vermögen, (2) einen extrem guten Ruf und (3) eine Erwartungshaltung an ihre Nachkommen hat.

Schon die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika waren reich. Der erste US-Präsident gehörte zu den vermögendsten Männern der Nation. Einige waren superreich. Es gab keinen, der nicht mindestens wohlhabend war. Die Mehrheit ist in führenden Familien geboren worden und eine kleine Minderheit hat sich aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet. Nach ihrer Karriere als Delegierte waren die meisten erfolgreich. Sie wurden Präsidenten, Vize-Präsidenten, Präsidentschaftskandidaten, Senatoren, im Kabinett oder im Repräsentantenhaus, Bundesrichter oder sogar am obersten Bundesgericht, Gouverneure oder Diplomaten. Da wundert es niemanden, dass ihre Söhne hohe Positionen im politischen Leben errungen haben. Diese Menschen haben Connections. Sie wollen erfolgreiche Nachkommen und ihren Namen zu einer Marke etablieren.

In anderen Ländern ist die Chancengerechtigkeit nicht besser. Auch in Deutschland gilt: Du bleibst, was du bist. Wer aus einem hochschulfernen Elternhaus mit Migrationshintergrund kommt, hat schlechtere Karten als ein Kind aus einer wohlhabenden Akademikerfamilie. Der Start bestimmt das Ziel mit. Die wirtschaftliche und politische Elite entsprang aus Familien, die wiederum ausgezeichnete Startbedingungen hatte. Nur die wenigsten haben sich aus eigener Kraft emporgearbeitet. Der amerikanische Traum heißt Traum, weil man schlafen muss, um an ihn zu glauben. Diese Oberschicht wird ihre Macht nicht freiwillig zurückgeben, denn wer will schon den Ast, auf den er sitzt, absägen? Geld ist Macht. Einflussreiche, wohlhabende Lobbyisten dienen nicht den Interessen des Allgemeinwohls wie Umwelt- und Tierschutz oder Sozialstaatlichkeit. In der neoliberalen Ideologie heißt es: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“ Aber nicht jeder ist Schmied. Jeder ist seines Glückes Schmied, dessen Eltern Schmiede sind oder dessen Eltern genug Geld haben, um sich das Glück schmieden zu lassen.

Wir brauchen eine Ökonomie für die 99 %. Nicht nur auf nationaler, sondern auf globaler Ebene. Der Westen gehört zur globalen Bourgeoisie, dessen Vermögen das globale Proletariat ermöglicht, weswegen der amerikanische Traum ein Alptraum ist. Durch die Digitalisierung haben die Menschen der Entwicklungsländer Einblicke in unseren privilegierten Lebensstil bekommen. Sie stellen uns Fragen über soziale Gerechtigkeit, die wir nicht beantworten wollen. Sie wollen leben wie wir. Es gibt auch „Wirtschaftsflüchtlinge“, aber das sind keine verachtenswerten Menschen. Ihre Fluchtursachen müssen genauso respektiert werden wie die von Kriegsflüchtlingen. Wirtschaftsflüchtlinge sind die Verlierer der Globalisierung, versuchen am Freihandel teilzunehmen und unseren Lebensstil zu erreichen. Wenn die Schere zwischen Arm und Reich derart dramatisch auseinandergeht wie bisher und wir nichts dagegen unternehmen, müssen wir mehr Wirtschaftsflüchtlinge erwarten. Deutsche Unternehmen exportieren beispielsweise ihre Arbeitskraft in Form von Produkten, die in aller Welt zu finden sind. Sogenannte Wirtschaftsflüchtinge versuchen ebenfalls, ihre Arbeitskraft dort zu exportieren, wo sie eine Nachfrage vermuten. Nico Beckert führt dies im Wesentlichen auf zwei Gründe zurück: Zum einen stoppen korrupte Herrscher (in ehemaligen Kolonien) jede Entwicklung und tragen zur Aussichtslosigkeit der Bevölkerung bei, zum anderen stehen Entwicklungsländer durch den weltweiten Handel unter Wettbewerbsdruck, gegen den sie aufgrund von billigen Import nicht bestehen können. Die Folgen sind Staatspleiten und -versagen, was Orientierungslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit vorantreibt. Schlussfolgerung: Wirtschaftsflüchtlinge fliehen vor Perspektivlosigkeit, die Europa mitzuverantworten hat, um anschließend in Europa als illegale Wirtschaftsflüchtlinge gebrandmarkt zu werden. Kaum ein Industrieland hat sich in einem Freihandelssystem entwickelt.

Nicht nur Wirtschaftsflüchtlinge, sondern auch Klimaflüchtlinge. Unser Lebensstil hat dramatische ökologische Konsequenzen nach sich gezogen. Wir merken davon vergleichsweise wenig, die Entwicklungsländer hat es knallhart erwischt. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte werden diese Menschen nach Europa und Nordamerika flüchten. Zudem gehören diese Flüchtlinge nicht einmal dem nationalen Proletariat an, denn diese sterben an Elend, Hunger und Krankheiten. Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, haben das Geld, um die Flucht zu finanzieren. Sie sind gebildet, jung und kennen die politischen Zusammenhänge, die dazu geführt haben, dass sie fliehen mussten. Innerhalb dieser Länder haben diese Menschen wiederum die Angst, sozial abzusteigen – wie viele Deutsche aus dem Mittelstand. Deswegen kommen sie nach Europa, weil wir hier ein stabiles politisches System mit steuerfinanzierten Bildungsinstitutionen haben. Sie finden hier die Chancen auf ein besseres Leben.

Die AfD wird die hier beschriebenen Probleme nicht lösen, sondern verschärfen, denn in dieser Partei sind viele prominente Gegner des Mindestlohns [2], Befürworter von Deregulation [3], der Privatisierung von Arbeitslosengeld und Unfallversicherung [4] oder der Absenkung von Arbeitslosengeld [5]. Gemäß dem Steuermodell von Kirchhof will sie eine  flache Einkommenssteuer einführen und vor allem die Spitzensteuersätze für Vermögende [6] oder die Erbschaftssteuer komplett abschaffen [7]. Die studierte Ökonomin Katharina Nocun beschreibt die AfD daher als neoliberale Partei in blauer Verpackung. Sie ist aber nicht die einzige Partei in Europa oder Nordamerika, die eine rechtspopulistische, neoliberale Politik betreibt. Wenn rechtspopulistische Kräfte weiterhin zunehmen, wird es einen globalen Klassenkampf geben. Diese Parteien führen weder eine soziale nationale, noch internationale Wirtschaftspolitik. Außerdem will die AfD notfalls Flüchtlinge an den Grenzen erschießen und leugnet die anthropogene Erderwärmung. Das haben rechtspopulistische Parteien gemeinsam: Sie leugnen den Klimawandel, betreiben eine neoliberale Politik, während sie konservativ sind. Konservative und neoliberale Politik widersprechen allerdings einander. Das hat auch die CDU erkannt, was der Auslöser für ihren Linksruck war. Gibt man dem Markt die Macht, werden die Grenzen geöffnet und die Globalisierung in Gang gesetzt. Das führt zu nationalen und internationalen Veränderungen wie Migration oder Flucht, was konservativem Denken widerspricht. Früher hatten wir einen Ost-West-Konflikt, heute einen Nord-Süd-Konflikt.

Jetzt ist die Zeit, um unser Leben radikal zu verändern. Weg mit dem Wegwerfwahn! Vergesst den Konsum! Schafft Massentierhaltung ab! Reduziert euren Verbrauch tierischer Produkte! Wer braucht jedes Jahr das neueste Handy? Den schnellsten Laptop? Den dünnsten Fernseher? Wozu jeden Monat neue Klamotten? Wieso mehrmals jährlich in den Urlaub fliegen? Wasser in Plastikflaschen? Ohne eine drastische Änderung unseres Lebensstils haben wir keine Chance, die Welt zu retten. Es geht nicht mehr darum, die Welt zu verändern. Es geht darum, sie zu verschonen.

Menschen in Entwicklungsländern sterben an Hunger. Es gibt mehr Plastik in den Weltmeeren als Plankton. Die Gletscher schmelzen, Tierarten sterben aus. Wir verpesten die Umwelt mit unseren Fahr- und Flugzeugen. Regenwälder werden gerodet, Monokulturen überstrapazieren Böden, Treibhausgase werden gepumpt. Bodenerosion, Wassermangel, Gewässer-, Luft und Bodenverschmutzung sind die Folgen, saurer Regen, Vermüllung der Landschaften und die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen von verschiedenen Arten durch Bergbau. Deswegen ist Minimalismus nicht Verzicht, sondern intelligent. Es ist keineswegs intelligent, Rohstoffe in wenigen Jahrzehnten zu verbrauchen, für die die Erde Jahrmillionen brauchte, um sie zu entwickeln.

Der Einzelne ist nicht schuld an der Katastrophe. Niemand hat es sich ausgesucht, in einem betonierten Land zu leben, aber jeder hat einen Anteil daran. Zwar können wir als Einzelne nicht die Welt verändern, weil Veränderungen aus kollektiven Bemühungen heraus entspringen. Diese kollektiven Bemühungen entstehen aus vielen individuellen Bemühungen. Angenommen jeder würde abstreiten, dass sein Engagement einen Nutzen haben wird, dann wird die Welt bleiben, wie sie ist. Leider ist das die bittere Realität. Nur eine Minderheit glaubt wirklich daran, dass das, was sie tut, zählt. Das eigene Handeln hat nicht nur einen Nutzen, sondern auch eine Signalwirkung. Es wirkt sich positiv auf andere Menschen aus, wenn man selbst aus der Reihe tanzt und das System hinterfragt. Sie beginnen selbst, ihr Leben und das System zu hinterfragen und ihre Einstellungen zu verändern. Das führt dazu, dass sie wiederum andere zum Denken anstoßen. Es ist wie der erste Dominostein, den wir ins Rollen bringen. Frei nach Laotse: Willst du die Welt verändern, musst du zunächst dich selbst verändern, dann dein Haus, deine Straße, deine Stadt und dann dein Land. Wir müssen bei uns selbst anfangen, denn dein Kassenbon ist ein Stimmzettel. In diesem Sinne: Empört euch! Für eine gerechte Welt!

Fußnoten:

[1] Nico Beckert: „Wirtschaftsflüchtlinge Wenn Globalisierungsverlierer am Freihandel teilhaben wollen

[2, 3, 4, 5, 6, 7] Katharina Nocun, „Wie sozial ist die AfD wirklich? – Eine Expertise zu Positionenin der AfD bei der Sozial- und Steuerpolitik“, S. 15, 18, 21, 25, 29, 32

Entfesselt euch!

Wir befinden uns in der Falle. Wir arbeiten in einem Beruf, den wir satthaben, um Geld zu verdienen und für Dinge auszugeben, die wir nicht brauchen, um Menschen zu gefallen, die wir unerträglich finden. Das Haus ist kein Heim mehr, sondern eine Docking-Station, um den eigenen Akku für die Arbeit wieder aufzuladen. Weihnachten entwickelte sich von einem Fest der Nächstenliebe zu einer Möglichkeit, vor dem Chef zu fliehen. Von Kindesbeinen an leben wir in einem Klima, in der die Arbeit verhasst ist: die Eltern haben keine Zeit, in der Grundschule müssen wir uns anstrengen, um auf das Gymnasium und später auf die Universität zu kommen, nach dem Abschluss einen Beruf nachzugehen, den wir nie wollten. Wir träumen davon, reich zu werden oder nie arbeiten zu müssen und hören nicht damit auf, wenn wir die bittere Realität erkennen. In der Schule kommt ein Befehl nach den anderen und der sehnsüchtige Blick auf die Uhr ändert nichts an diesen Umständen. Je länger einer im System bleibt, je tiefer er in der Kette zum Bürosklaven steckt, desto schlimmer ist es um ihn bestellt.

Wie entkommen wir dieser Situation? Robert Wringham schreibt in seinem Buch „Ich bin raus: Wege aus der Arbeit, dem Konsum und der Verzweiflung“ über die neue Entfesselungskunst und Minimalismus. Kritiker entgegnen ihm: Was machen wir ohne Arbeit? Das System muss funktionieren! Ohne Arbeit gibt es keinen Sinn im Leben! Zu Recht haben diese Skeptiker erkannt, dass es um das höchste geht, was wir haben: das Leben! Unser Leben steht auf dem Spiel, unsere Zeit! Sollten wir sie mit unsinniger Arbeit vergeuden?

Wringham habe noch nie von einem Entfesselungskünstler gehört, der der Arbeit, der Armut, den Schulden und dem Stress entflohen ist, um das Leben in Elend und vor der Spielekonsole zu verbringen. Tatsächlich führt die Flucht vor der Arbeit wieder zur Arbeit – aber in erfüllendes und sinnvolles Schaffen, welches sich grundsätzlich von Bullshit-Jobs unterscheidet. Der Drang, zu handeln, kommt immer wieder durch. Daher plädiert Wringham für ein bedingungsloses Grundeinkommen: das Argument, dass niemand mehr bei einem Grundeinkommen arbeiten geht, entkräftet er und spricht sich dafür aus, dass kreative Menschen einen sicheren Boden unter den Füßen haben, um ihr künstlerischen Ziele zu verwirklichen – ohne Angst zu haben, auf der Straße zu landen oder einen ätzenden Beruf nachgehen zu müssen. Mehr Unternehmen könnten entstehen, da vorsichtige Gründer eine Sicherung hätten.

Selbstverständlich muss es Arbeit geben, damit unsere Wirtschaft funktionieren kann. Trotzdem sollten wir uns die Frage stellen, was uns wichtiger ist: unser Leben oder die Wirtschaft? Sollten wir leben, um zu arbeiten oder arbeiten, um zu leben? Und sollte es die Wirtschaft, wie sie momentan existiert, weiterhin geben? Nein. Wir dürfen aber nicht warten, bis die Politik die Industrie ändert oder die Industrie gar sich selbst. Dann wird es schon längst zu spät sein. Konsumenten schieben die Schuld auf die Industrie, da sich das System ändern müsse. Produzenten schieben die Schuld auf die Konsumenten, die unwillig sind, höhere Preise für nachhaltige und hochqualitative Produkte auszugeben. Politiker machen einen Spagat zwischen Konsumenten und Produzenten.

Natürlich kann ein minimalistisches Leben in der Freiheit durch edle Motive wie Umweltschutz begründet sein; der stärkste Antrieb, sich aus der Falle zu befreien, ist aber die Idee des Guten Lebens, über die antike griechische Philosophen diskutierten. Wie lebt der Mensch am besten? Wie wird er glücklich? Epikur sah die Lebensfreude als höchstes Gut an und war der Ansicht, dass wahrer Genuss und Glückseligkeit nichts mit Arbeit oder Konsum zu tun haben. Er legte vor allem Wert auf einfache Genüsse, enge Freundschaften, Freiheit und Bewusstsein. Um eine unerschütterliche Seelenruhe zu erreichen, sollen wir bedürfnislos und tugendhaft leben. Ein prominenter Vertreter der Bedürfnislosigkeit ist Diogenes von Sinope. Jorge Bucay schildert in seinem Buch „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ folgende Überlieferung:

„Eines Tages saß Diogenes auf der Schwelle irgendeines Hauses und aß einen Teller Linsen. In ganz Athen gab es kein billigeres Essen als dieses Linsengericht. Anders gesagt, einen Teller Linsen zu essen bedeutete, daß man sich in einer äußerst prekären Situation befand.

Ein Minister des Kaisers sagte zu ihm: „Wie bedauerlich für dich, Diogenes! Wenn du lernen würdest, etwas unterwürfiger zu sein und dem Kaiser ein bißchen mehr zu schmeicheln, müßtest du nicht so viele Linsen essen.“ Diogenes hörte auf zu essen, hob den Blick, sah den wohlhabenden Gesprächspartner fest an und antwortete: „Bedauerlich für dich, Bruder. Wenn du lernen würdest, ein paar Linsen zu essen, müßtest du nicht so unterwürfig sein und dem Kaiser ständig schmeicheln.“ (S.191f.) Das ist der Weg der Selbstbehauptung und der Verteidigung der eigenen Würde. Wir sollten uns eine Scheibe von Diogenes abschneiden und den Preis der Selbstaufgabe für Luxusgüter nicht mehr zahlen.

Liegen wir am Ende unseres Lebens auf dem Sterbebett, werden wir nicht bereuen, dass wir so wenig gearbeitet haben, sondern zu wenig Zeit mit unserer Familie oder Freunden verbracht, uns nicht getraut haben, in Freiheit zu leben oder versuchten, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wringham arbeitete einst in der Bibliothek eines Krebsforschungsinstituts und las sich die Tagebücher von Krebserkrankten durch. Am schlimmsten sei es gewesen, zu lesen, wie Erkrankte plötzlich feststellten, dass Karriere, harte Arbeit und Konsum nichts bedeuteten, dafür aber Familie, Freunde und Freiheit! Jedes Mal sei die Überraschung groß gewesen und mit Wut und Panik verbunden. Wir sollten nicht warten, bis Ärzte bei uns eine tödliche Krankheit diagnostizieren. Wir sollten unsere Prioritäten früher setzen. Zu diesem Zweck hatten die Bohemiens des 19. Jahrhunderts eine Vorliebe für Totenköpfe: Ein menschlicher Totenkopf auf einem Bücherregal zwischen den Büchern erinnert uns daran, dass das Leben vergänglich ist. Es vergeht zu schnell, um sich Sorgen zu machen – als Memento Mori dient es uns als Erinnerung daran, dass die eigene Sterblichkeit die Lösung für unsere Existenzangst ist.

„Aber wie realistisch ist das? Wer putzt dann noch die Flure? Wer fegt die Straße?“ – dieselben Einwürfe kamen auch, als die Sklaverei abgeschafft wurde. Die echte Beschäftigungskrise unserer Republik ist doch, dass wir trotz aller Fortschritte angeblich 40 Millionen Arbeitskräfte brauchen, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Trotzdem: Wie können wir uns aus der tödlichen Spirale des Konsumkapitalismus befreien? Der Weg führt über den Minimalismus. Wenn wir uns gegen Modewahn, Trendsetting und Kabelfernsehen wappnen, überflüssigen Besitz loswerden, brauchen wir keine große Wohnung mehr und müssen kein Vollzeit-Einkommen erzielen. Informations-, Status-, Existenzangst, das Ego und Abhängigkeiten – all das müssen wir hinter uns lassen, wenn wir ein Leben in Freiheit und Zufriedenheit genießen wollen, sagt Wringham. Wollen wir den unnötigen Bereichen der Wirtschaft schaden, müssen wir zuerst unsere Ausgaben minimieren und herausfinden, was wir für unser Leben wirklich brauchen. Wie viel bedeutet uns ein Auto oder eine Spielekonsole? So viel, dass wir weitere zehn Jahre in Lohnknechtschaft verbringen? Ist Konsum jenseits der Befriedigung der Grundbedürfnisse es wert, beträchtliche Opfer zu bringen? Wir sollten nur diejenigen Besitztümer behalten, die wir regelmäßig benutzen oder die einen besonderen ästhetischen Wert haben. Bei letzterem gilt auch: weniger ist mehr. Weniger Kunstwerke im Wohnzimmer verstärken die Bedeutung der verbleibenden. Das ist die Macht des Minimalismus.

Nach der Verringerung der Ausgaben kann eine Verringerung des Einkommens durch weniger Arbeit erfolgen. Ein Vorschlag Wringhams ist es allerdings, für den Notfall etwas zurückzulegen, da der Fluchtplan scheitern kann. Im Gegenzug hätten wir die Vergewisserung, dass wir es versucht haben. Auch mit Teilzeit- oder zeitarbeit befinden wir uns zwar nicht in der absoluten Freiheit, aber mehr Lebenszeit und -qualität haben wir dadurch allemal gewonnen. Ohne Geld können wir in diesem System nicht leben, daher müssen wir einen Weg finden, uns zu versorgen, ohne im herkömmlichen Sinn arbeiten zu müssen.

What would Kant do? Ist die Maxime, der Arbeitswelt und der Konsumwirtschaft zu entkommen, um ein Leben in Freiheit genießen zu können, verallgemeinerbar? Ja, definitiv! Laut Kant haben wir uns gegenüber eine moralische Pflicht und Verantwortung. Der Mensch ist kein Mittel zum Zweck der Erhaltung der Wirtschaft, er ist Zweck an sich und besitzt eine Würde. Natürlich würde die Wirtschaft zusammenbrechen, wenn wir aufhören würden, sinnlosen Besitz anzuhäufen – das ist ein „Opfer“, das wir bringen müssen, nicht nur der eigenen Person gegenüber, sondern auch der Menschheit als ganzes gegenüber. Bricht denn die Konsumwirtschaft zusammen, verbrauchen wir weniger Ressourcen und schonen die Umwelt, aber nicht der Welt zuliebe, sondern uns zuliebe. Die Erde hat kein Umweltproblem – wir haben es! Entweder passen wir uns an oder wir werden angepasst. Diejenigen Lebewesen, die sich nicht an steigende Temperaturen und übersäuerte Böden gewöhnen können, werden aussterben. Die Maximen der Konsumwirtschaft sind weder zukunftsfähig noch verallgemeinerbar. Wir müssen die ökologischen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Wirtschaft schaffen, denn nur diese kann weiteres Wachstum ohne existenzbedrohende Nebenwirkungen sichern.

Arbeiter aller Länder, entfesselt euch!

Philosophische Grundpfeiler des Veganismus

Machen wir ein Gedankenexperiment: Uns hoch überlegene Lebensformen besuchen unseren blauen Fleck und nehmen uns in Gefangenschaft. Sie nutzen uns für medizinische Versuche und testen an uns fremdartige Medikamente, unsere Haut für bequeme Sitze in Raumschiffen, für Schuhe und Portemonnaies. Die Haare dienen als Stoff für Schals oder Pelze.

Das ist nicht das Ende der Geschichte, denn die Außerirdischen verarbeiten die Menschen zu Fleisch, vor allem die Babys mit ihrer weichen und zarten Haut. Schließlich zwingen sie uns zum Geschlechtsverkehr, um weitere Nachkommen für die Fleischversorgung zu produzieren. Eines Tages fragt eine mutige Frau unter Qualen nach dem Grund. Die Antwort: „Ihr schmeckt uns.“

Bei aller Absurdität betrachten wir diese Geschichte als eine Metapher für die Ausbeutung von nicht-menschlichen Tieren. Allerdings wirft sie die Frage auf, ob sich die Rollen von Außerirdischen und Mensch in diesem Beispiel wirklich auf Mensch und Tier übertragen lassen. Stellt diese Metapher nicht Menschen und Tiere auf eine Stufe?

Um die Frage, ob wir Fleisch essen dürfen, beantworten zu können, müssen wir nicht die Frage klären, ob Menschen und Tiere gleichwertig sind. Wir müssen auch nicht die Frage klären, ob Tiere soziale Lebewesen sind, denken oder vorausschauend planen können, sondern ob sie leiden können. Nicht alle Lebewesen sind auch leidensfähig, aber diejenigen, die auf unseren Tellern landen, schon.

Dieser Standpunkt heißt Pathozentrismus. Dabei handelt es sich um die ethische Strömung, die empfindungsfähigen Lebewesen einen moralischen Eigenwert zuordnet. Sie stellt eine philosophische Grundlage des Veganismus dar, denn die Wahl von Eigenschaften wie Intelligenz, Größe oder Stärke sind stark von den Interessen der Spezies abhängig. Wir Menschen nehmen als Rechtfertigung für unser Verhalten gegenüber Tieren unsere Intelligenz und heben uns hervor. Würden andere Lebewesen nach Gründen suchen, sich über andere Tiere zu stellen, würden sie die Eigenschaft auswählen, die für sie charakteristisch ist. Bei Walen wäre es die Größe, bei Ameisen die Stärke im Vergleich zum Körpergewicht. Intelligenz ist keine moralisch relevante Eigenschaft und wenn doch, würde sie nicht nur Gräuel gegenüber nicht-menschlichen Tieren rechtfertigen, sondern auch gegenüber geistig Behinderten. Die meisten Mischköstler würden aber nicht für die Ausbeutung von geistig Behinderten stimmen oder einwenden, dass diese immer noch zur Spezies Mensch gehören. Die Zugehörigkeit zu einer Spezies ist allerdings ebenso wenig moralisch relevant wie die Zugehörigkeit zu einem Geschlecht oder zu einer Rasse. Speziesismus ist die Diskriminierung von Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Spezies, ähnlich wie Rassismus oder Sexismus die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Rasse oder einem Geschlecht sind.

Als eine Konsequenz der Ablehnung des Speziesismus wird der Veganismus betrachtet. Eine weitere philosophische Strömung, die den Veganismus befürwortet, ist die Umweltethik. Deren Anhänger sprechen sich für einen moralisch verantwortbaren und schonenden Umgang mit der Natur aus. Laut Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2010 erfordern tierische Produkte mehr Ressourcen wie Wasser oder Land und verursachen höhere Emissionen als pflanzenbasierte Alternativen. Die Umstellung auf eine vegane Lebensweise ist folglich ein Weg, die Umwelt zu schützen.

Fragen rund um den Transhumanismus

Sollten wir in die Evolution eingreifen?

Sollten wir so massiv in die Natur eingreifen oder gibt es eine natürliche Ordnung, die es zu bewahren gilt?

Können wir Zufriedenheit ohne Leid erkennen?

Können wir Glückseligkeit ohne Schmerzen, ohne negativen Erfahrungen überhaupt wertschätzen?

Aber was wäre, wenn der Tod eine bestimmte Funktion hat? Gehört zum Menschsein Krankheiten dazu? Der Tod? Negative Erfahrungen? Schmerzen? Brauchen wir das, um uns weiterzuentwickeln? Können wir uns ohne Leid weiterentwickeln?

Warum sollten wir mit der technologischen Entwicklung gerade am Menschen aufhören?

Wie steht es mit der Menschenwürde und den Menschenrechten, wenn der Mensch nicht mehr als gegeben betrachtet wird? Sollten die Objekte von Menschenrechte an diese Rechte durch die Zugehörigkeit einer Spezies gelangen? Sollten wir mit unserer Definition von Menschenwürde nach Kant auch Menschen mit Behinderungen ausschließen, wenn sie nicht autonom sind? Wenn wir Wesen erst Würde verleihen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen – warum sollten sie keine Würde innehaben, wenn sie ein einziges Kriterium nicht erfüllen? Haben Menschen, die nicht selbtständig handeln oder denken können, keine Würde? Darf man Menschen, die nicht leidensfähig sind, verletzen? Überhaupt, auf welche Kriterien sollte man sich festlegen und warum? Andererseits – wieso sollte man die Würde als Folge der Zugehörigkeit der menschlichen Spezies betrachten? Warum sollte man Tiere ausschließen?

Sollten wir aus moralischen Gründen Grenzen für die transhumanistische Aufrüstung setzen?

Wie wollen wir illegale Genmanipulation kontrollieren, wenn wir nicht mal Drogenhandel kontrollieren können?

Werden in einigen hundert Jahren transhumane Übermenschen auf uns herabblicken, wie wir auf die Menschen blicken, die aus Angst vor neuen Erkenntnissen das Teleskop Galileos zerbrachen?

Sollten wir Menschen nach Maßstäben von Maschinen bewerten?

Ist ein beinahe makelloser Körper wirklich besser?

In welcher Welt sollten unsere Kinder aufwachsen? Welche Weltsicht würden sie entwickeln? Welchen Grund hätten Kinder, unterlegene Kinder gleichberechtigt zu behandeln?

Würden zukünftige Menschen sich nicht verbessern, um mit sich selbst zufrieden zu sein, sondern um im Leistungskampf zu gewinnen?

Wie würden die Soldaten in einer transhumanistischen Welt aussehen? Wären sie eine körperlich allen überlegene, geistig psychopathisierte elitäre Organisation zur Unterdrückung von Aufständen und rebellischen Akten gegen den Transhumanismus?

Ist der Transhumanismus nicht der Traum des Turbokapitalismus?

Fördern wir nicht eine NS-ähnliche Eugenik? Erklären wir mit Präimplantationsdiagnostik, dass Menschen mit Behinderungen ein lebensunswertes Dasein führen?

Dürfen wir stolz auf unser Land sein?

In Zeiten von PEGIDA stellt sich immer wieder in Diskussionen die Frage, inwiefern Patriotismus berechtigt ist, ob man als Deutscher auf sein Land stolz sein darf. Ich selbst wurde nicht in Deutschland geboren, aber aufgewachsen und bin auch kein Patriot meines Heimatlandes. Jedenfalls sehe ich viele Gründe, die gegen Patriotismus sprechen.

Ein Land ist ein künstliches Gebilde. Es grenzt fast schon an Zufall, weshalb die Landesgrenzen da sind, wo sie sind. Außerdem ist es auch dem Zufall und nicht der eigenen Leistung zu verdanken, dass man in einem bestimmten Land aufgewachsen ist. Genauso ist es auch nicht der eigenen Leistung zu verdanken, dass in demselben Land vor Jahrhunderten berühmte Dichter und Denker gelebt haben, die die Welt revolutioniert haben. Keiner von uns hat einen Tintenklecks an Faust beigetragen, keiner von uns war daran beteiligt. Nur Goethe.

Zudem ist ein Besitzstatus an Land eher fragwürdig, da die Welt vom Grundsatz her erst einmal allen Menschen gehört und man sich in dem Fall das Recht herausnimmt, dieses Grundrecht einem Großteil der Menschen per Geburtsrecht zu entziehen.

Außerdem sind Länder grundsätzlich undankbar, außer man gehört zu denjenigen, die zum Fortschritt enorm beigetragen haben. Sonst interessiert es eben niemanden, was man für dieses Land getan hat. Egal ob du jetzt Soldat, Polizist oder Krankenpfleger bist.

Aber einer der Hauptpunkte ist: Wie kann man auf ein Land mit einer solch schrecklichen Vergangenheit stolz sein? Weshalb sollte man dann stolz darauf sein, dass man durch Zufall in diesem Land geboren wurde? Das bezieht sich nicht nur auf Deutschland, denn andere Länder sind auch kaum besser. Patriotismus geht oft mit Nationalismus Hand in Hand. Das fördert nur den Chauvinismus, der festen Überzeugung der Überlegenheit der eigenen Nation. Diese Form von Gruppennarzissmus ist die wichtigste Voraussetzung für einen Krieg. Die heutige Gesellschaft fördert wiederum den Narzissmus unter anderem durch Isolierung und Konkurrenzdenken, somit ist ein Gruppennarzissmus fast unvermeidlich. Wenn es uns nur gelänge den Gruppennarzissmus auf die gesamte Menschheit auszudehnen, wenn jeder sich als Weltbürger erleben würde und auf die Menschheit sowie auf ihre Leistungen stolz sein könnte, könnte dies den Weg in eine glorreiche Zukunft ebnen.

Darf man Menschen klonen?

Aus Film und Fernsehen, Populärkultur und Medien kennt man dieses häufig erscheinende Phänomen: das Klonen. Aber nicht nur die Medien greifen diese Thematik in unregelmäßigen Abständen auf, auch die Wissenschaft, die Philosophie und die Medizin haben sich mit diesem Gebiet ausführlich befasst. Ein Blick ins Detail verrät uns, dass Gentechniker diesbezüglich zwischen zwei Begriffen unterscheiden: das reproduktive und therapeutische Klonen.
Das reproduktive Klonen basiert auf einen sogenannten Nukleustransfer. Dabei wird das Erbmaterial einer Zelle des zu klonenden Organismus entnommen und daraus der Zellkern isoliert. Dieser Zellkern wird in eine unbefruchtete Eizelle eingesetzt, deren Zellkern vorher entnommen wurde. Im Anschluss der folgenden Entwicklung wird die Eizelle einem elektrischen oder chemischen Stimulus ausgesetzt. Bisher hat man das beispielsweise bei Mäusen oder Schafen getestet, so gab es das Klonschaf Dolly, welches im Jahr 2003 an einer starken Lungenentzündung starb. Sie litt an Arthritis, außerdem war ihr Erbgut stark beschädigt. Ist also das Klonen von Menschen oder generell von Tieren ethisch vertretbar?

Die meisten Menschen wollen keine Herstellung von erbidentischen Personen, aber wenn man beim Klonen von Tieren keine Bedenken hat, wieso dann beim Menschen? Immerhin ist der Mensch auch nur ein Tier wie jedes andere auch, welches sich allerdings gern von den anderen Tieren abgrenzt, um sich zu erhöhen.
Ganz intuitiv würden wohl die meisten sagen, dass man bei geklonten Mensch ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend hätte. In Medien werden wir mit diesem Thema im Zusammenhang mit Horrorfiktionen konfrontiert, insofern sind die Medien nicht ganz unschuldig. Sicherlich leistet der tief empfundene Wert, dass jeder Mensch einzigartig ist, hier einen großen Beitrag, denn für uns ist er eine zumindest gefühlte Wahrheit, die in Konflikt mit dem Klonen von Individuen gerät. Leider ist dieser Wert nur für exklusives Leben reserviert, deshalb empfinden wir zu Haustieren eine größere Verbundenheit als zu Nutztieren, die wir gut und gerne mal abschlachten. Immanuel Kant würde dem wohl teilweise zustimmen, und noch einbringen, dass der Mensch nicht verzweckt werden darf und das Klonen seine Würde degradiert, wobei man diskutieren kann, inwiefern Eizellen würdevoll sind. Damit widerspricht er bereits dem therapeutischen Klonen, die eine enorme Bandbreite an theoretischen Möglichkeiten verspricht und der Medizin erträumte Visionen verwirklichen könnte. Denn mithilfe von Embryonen könnte man Gewebe züchten und diese in bedürftige Menschen einpflanzen, doch dafür müsste man die Embryonen spätestens nach wenigen Zellteilungen zerstören.  In diesem Stadium haben Embryonen kein Bewusstsein und folglich keine Leidfähigkeit. Zweifelsohne ist ein Embryo ein Mensch am Anfang seiner Entwicklung, doch dagegen stehen Menschen, die mitten im Leben an Krankheiten wie Alzheimer leiden. Natürlich können Embryone mit genug Zeit Menschen werden, aber Potenzialität ist keineswegs ein ethisches Kriterium.

Doch inwieweit verzweckt man den Menschen dabei? Der Mensch will sich einzigartig und besonders fühlen, und nicht als kleines Etwas in einer großen, grauen Masse. Unsere gesamte Kultur basiert auf Individualismus – und hier liegt das Problem, da ein Klon eine Kopie wäre, keine einzigartige, nie dagewesene Kreatur, kein Original. Ein Klon könnte sich niemals als Individuum verstehen, zumindest, wenn es das Original schon kennengelernt hat oder über seinen medizinischen Status weiß. Falls einige neugierige Forscher einen Menschen klonen, gehen sie ein hohes Risiko ein, da der Klon psychisch verunglücken könnte. Damit positioniere ich mich gegen reproduktives Klonen von Individuen aller Art, doch für das therapeutische Klonen zu medizinischen Zwecken. Dabei sollte man sich selbstverständlich fragen, inwiefern das Klonen die beste Lösung ist. Schließlich haben auch erwachsene Menschen beispielsweise in der Leber Stammzellen, die aber anders als Stammzellen von Embryonen nur zu Lebergewebe werden können. Mit den Stammzellen von Embryonen kann man allerdings auch neuronales Gewebe wachsen lassen, wenn es sein muss, oder neue Haut. Mich würden eure Ansichten zu diesem Thema interessieren: Befürwortet ihr reproduktives Klonen? Und warum?

Argumente gegen Homo-Ehe und Homosexualität – widerlegt

Argumente gegen Homo-Ehe

Die Ehe dient der Fortpflanzung darf demnach nur Mann und Frau offenstehen!

Dies ist eines der beliebtesten Argumente gegen das Eherecht für gleichgeschlechtliche Paare. Es wird ausgeführt, Ziel und Zweck der Ehe sei die Zeugung von Kindern, dabei wird jedoch negiert, dass die Zeugungsfähigkeit kein Kriterium für die Eheschließung von heterosexuellen Paaren ist. Viele Ehepaare bleiben, ob gewollt oder nicht, kinderlos. Im Übrigen werden etwa 33 Prozent der Kinder in nicht ehelichen Familien geboren. Außerdem heiraten viele nicht, um ein Kind zu zeugen, sondern aus Liebe, Fürsorge und zur Übernahme von Verantwortung.

Die Ehe ist traditionell die Verbindung zwischen Mann und Frau!

Inwiefern sind Traditionen relevant? Ich möchte mir zum einen nicht ausmalen, wie unsere Welt aussehen würde, hätte die Menschheit sich an alle überlieferten Traditionen gehalten und zum anderen, inwiefern „Das war schon immer so!“ die Schlussfolgerung zulässt, dass man die Homo-Ehe nicht erlauben sollte.
Es mag sein, dass die Ehe schon immer ein Bund zwischen Mann und Frau war und daher eine Neudefinition des Ehebegriffs verhindert werden müsse. Doch hat die Ehe öfters Neudefinitionen erfahren, mit verschiedenen Zuschreibungen für die Geschlechter oder den Zustand, dass bei früheren Definitionen die Frau als das Eigentum des Mannes angesehen wurde. Auch war im historischen Kontext die Ehe zwischen verschiedenen Ethnien oder Eheschließungen von SklavInnen verboten, so zum Beispiel in den USA, bis dieses Verbot im Bürgerrechtskampf, oder in den USA durch den US Supreme Court, gekippt wurde.

Die Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts ist wider den Willen Gottes!

Ich kenne verschiedene Gegenargumente aus unterschiedlichen Perspektiven. Dieses Bekenntnis lässt sich folgendermaßen kontern:

  1. die atheistische Sicht: Gott existiert nicht, folglich ist das Argument nicht besonders wichtig.
  2. die theistische Sicht: Das Argument zeugt von geringem Wissen der Religionshistorie, der heiligen Schrift, der religiösen Debatten überhaupt. Denn die Meinung, dass Homosexualität gegen den Willen Gottes ist, ist bei weitem nicht die alleinige Sichtweise innerhalb der Religionsgemeinschaften.
  3. die liberale Sicht: Aus dem Glauben, dass Gott gegen Homosexualität ist, folgt nicht das Recht, diesen Glauben in staatliche Gesetze zu verwirklichen.
  4. meine eigene Sicht: Zum einen können wir nicht wissen, ob irgendein Gott gegen Homosexualität oder die Homo-Ehe ist. Darüber hinaus ist ein Gott, der Liebe bestraft, kein guter Charakter und sollte nicht in einer Religion zelebriert werden. Das religiöse Argument bietet keine Diskussionsgrundlage, „Gott will es nicht!“ ist meiner Ansicht nicht sehr aussagekräftig, da man wirklich alles damit begründen möchte.

Es ist gegen meine Religion!

Bei jeder Debatte um das Eherecht von gleichgeschlechtlichen Paaren treten die großen anerkannten Glaubensgemeinschaften sofort auf und wettern dagegen. Die Homosexualität soll in der Bibel, in der Tora oder im Koran als Sünde festgeschrieben sein. Dabei wird jedoch verneint, dass es vielfältige Auslegungen dieser Glaubensbücher gibt und bei wortwörtlicher Auslegung bestimmte Vorgaben aufgrund sozialer Normen nicht mehr wortwörtlich genommen werden. Außerdem bestreiten gläubige GegnerInnen, dass in säkularen Staaten die Glaubensgemeinschaften keinen Anspruch auf die Definition der zivilrechtlichen Ehe haben. Die Eheinstitutuion der Glaubensgemeinschaften wird durch eine Neudefinition der zivilrechtlichen Ehe nicht berührt. Religiöse Ehedefinitionen dürfen niemals das zivilrechtliche Eherecht anderer beschneiden.

Die Homo-Ehe ist nicht natürlich!

No shit, Sherlock! Vielleicht liegt das daran, dass die Ehe an sich unnatürlich ist? Die Ehe ist ein soziales Konstrukt, also eine eingeführte und gesellschaftlich anerkannte Institution. Sollten wir deswegen die Ehe von gegenschlechtlichen Paaren verbieten, weil es unnatürlich ist?

Gleichgeschlechtliche Ehen sind eine Gefahr für die heilige heterosexuelle Ehe!

Hier wird die Institution Ehe der Glaubensgemeinschaft mit der zivilrechtlichen Ehe vermischt und fordern deren Definition auch für die zivilrechtliche Ehe ein. Des Weiteren wird in den Raum gestellt, dass die heterosexuelle Ehe in Gefahr ist, wenn gleichgeschlechtliche Partner das Eherecht erhalten. So, als ob verschiedengeschlechtliche Eheleute sich scheiden lassen, um nun eine gleichgeschlechtliche Ehe zu schließen. Und ob nebenan ein gleichgeschlechtliches Ehepaar wohnt, ist nicht von Belangen.

Denkt doch einer an die Kinder!

Zwar belegen sämtliche wissenschaftlich anerkannte, unabhängige und methodisch korrekt durchgeführte Studien und Untersuchen das Gegenteil, aber GegnerInnen berufen sich dennoch auf Studien, die nachweislich nicht wissenschaftlich korrekt durchgeführt wurden und anscheinend Auftragsstudien sind. So wird auch das Argument ausgeführt, dass Kinder für eine gesunde Entwicklung Mutter und Vater brauchen. Jedoch ist das Kindeswohl und die psychosoziale Entwicklung des Kindes nicht von der Familienzusammensetzung, sondern von Liebe, Fürsorge, Geborgenheit und Achtung abhängig.

Außerdem wird ein Kind nicht schwul, wenn es weiß, dass Homosexualität gibt oder wenn es ein schwules Pärchen sieht, welches sich gerade küsst. Sexuelle Orientierungen sind sozusagen psychologische Skripte, die in der frühen Kindheit angelegt werden und in der Pubertät entdeckt werden. Ein Versuch, eine Neigung zu ändern, ändert meist in hohen Selbstmordraten und Depressionen – ist grausam.

Das diskriminiert die Gläubigen!

Seems legit, bro. Durch die Homo-Ehe sollen also Gläubige diskriminiert werden, da ihnen die zivilrechtliche Ehedefinition aufgedrängt wird, obwohl die religiöse Ehedefinition davon nicht berührt wird. Keine Glaubensgemeinschaft wird dazu verpflichtet, gleichgeschlechtliche Eheschließungen durchzuführen.

Irgendwann gibt es auch Ehen mit Tieren oder Kindern!

Von der Queer-Community wird nicht gefordert, dass man mit Kindern oder Tieren die Ehe schließen darf und in allen Staaten, in denen die Homo-Ehe geöffnet wurde, folgte keine Tier-Mensch-Ehe oder Erwachsener-Kind-Ehe. Dieses Argument basiert des Weiteren auf einen Denkfehler, dem Dammbruch-Argument. Ein Aspekt der Ehe ist, dass die beteiligten Personen diesen Bund bewusst und freiwillig eingehen und zu diesem Zweck eine Willensbekundung abgeben. Tiere und Objekte können keinen Willen bekunden, wobei bei Tieren unklar ist, wie man ihnen das Konzept der Ehe erklären soll und wie deren Willensbekundung aussehen soll. Kinder können – dies habe ich im Text über Pädophilie bereits angesprochen – zwar willentlich ihren Willen bekunden, aber nicht unbedingt wissentlich.

Die eingetragene Partnerschaft ist ausreichend.

Gleichgeschlechtliche Paare sollen eheähnliche Rechte und Pflichten erhalten, aber nicht die exakt gleichen Rechte. Zwei verschiedene Rechtsinstitute können nie die Gleichstellung bringen, die die Liebe von zwei Personen, unabhängig von Orientierung und Identität verdient. Die Trennung von Gruppen in verschiedene Institute zeigt, dass diese Gruppen nicht gleichwertig sind und daher verschieden zu behandeln sind.

Argumente gegen das Adoptionsrecht

Jedes Kind hat ein Recht auf Mutter und Vater. In der Struktur einer homosexuellen „Familie“ wird dieses Recht dem Kind geplant und bewusst verwehrt. Das ist eine grundlegende Verletzung des Kindesrechts.

Ein Recht auf Mutter und Vater existiert nicht, aber in der UN-Kinderrechtskonvention gibt es ein Recht auf Eltern, ein Recht seine Eltern zu kennen und von ihnen betreut zu werden. Folglich ist die Schlussfolgerung ungültig, eine „homosexuelle Familie“ wäre eine Verletzung des Kindesrechts.

Ein Kind, das in dem Bewusstsein aufwächst, seine beiden Eltern seien zwei Frauen oder zwei Männer, wird in seinem Wissen um seinen zweigeschlechtlichen Ursprung manipuliert. Das wird sich negativ auf seine Identitätsbildung auswirken, auch weil in der Geburtsurkunde zwei Frauen-/Männernamen stehen.

Das ist auch falsch, da das Kind, spätestens wenn es aufgeklärt wird, weiß beziehungsweise wissen wird, dass es von einer biologischen Frau und einem biologischen Mann stammt. Eine negative Auswirkung auf die Identitätsbildung ist nicht belegt.

Homosexuelle Paare können so oder so im Grunde nur Kinder adoptieren, falls nicht  ein Mann eine Beziehung zu einer Frau hatte und er das gemeinsame Kind in die neue Partnerschaft einbringt oder umgekehrt. Adoptiere Kinder kommen meistens von Familien, die ihre Kinder nicht wollen und welche, falls sie nicht adoptiert werden würden, in ein Heim kommen. Ist es dann nicht sowieso besser, wenn man diesen Kindern eine Familie bietet, die sich bewusst dazu entschieden hat und sich um diese Kinder kümmern möchte – obgleich welcher sexuellen Orientierung.

Argumente gegen Homosexualität

Homosexualität ist unnatürlich!

Auch dieses Argument basiert auf einen Denkfehler: den naturalistischen Fehlschluss. Aus mehreren Gründen ist dieses „Argument“ nicht besonders glücklich.

Das Gegenteil von natürlich ist künstlich. Ist alles Natürliche immer gut und alles Künstliche immer schlecht? Wenn man an natürlichem Schlangengift, einer natürlichen Naturkatastrophe oder einem natürlichen Löwenbiss stirbt, dann ist das gut, aber künstliche Medikamente, künstliche Schulen und künstliches fließendes Wasser sind immer schlecht? Wir Menschen ragen durch unsere Denkfähigkeit heraus, das macht uns besonders. Wir verändern die Natur so, dass wir überleben und deshalb entwerfen wir künstliche Dinge, die uns schützen und uns ein besseres Leben bereiten sollen. Sind diese Dinge schlecht, weil sie nicht natürlich sind?

Darüber hinaus ist bei mindestens 1500 Tierarten homosexuelles Verhalten beobachtet worden. Diese Befunde sind gut dokumentiert und nur die Spitze des Eisbergs. Homophobie ist lediglich bei einer Spezies dokumentiert worden. Außerdem sind 80 Prozent der Zwergschimpansen bisexuell. Unter Pinguinen konnte man zehn Prozent homosexueller Paare ausmachen, die auch kleine Pinguin-Waisen adoptieren. Bei Vaterschaftstests in einer Möwenkolonie ermittelten verblüffte Zoologen eher zufällig, dass 20 Prozent der Paare dasselbe Geschlecht hatten. Bei Zwergkakadus soll die Homosexuellen-Quote 40 Prozent sein.

Homosexualität ist wider Gottes Willen!

Ein ähnliches Argument hatten wir bereits bei der gleichgeschlechtlichen Ehe. Angenommen, der christliche Gott existiert. Dieser schuf Mann und Frau, um deren Fortpflanzung zu sichern, damit sie sich vermehren, was Homosexualität in keinster Weise ausschließt. Wenn Gott gewollt hätte, dass nur Mann und Frau untereinander eine Partnerschaft eingehen, hätte er bei der Schöpfung unterbunden, dass Menschen unterschiedliche Sexualitäten entwickeln. Das Argument, Homosexualität sei wider Gottes Willen, ist ein Eigentor, denn wer behauptet, diese Neigung sei Gott ein Gräuel, wer diese Ansichten vertritt, unterstellt Gott indirekt Fehler bei der Schöpfung der Menschen, seinem Abbild. Wer dies tut, zweifelt an der Schöpfung und folglich an Gott selbst.

Quellen, verwendetes Material und weiterführende Links:
Teilzeitnerd: „5 Gründe für die Homoehe! | Teilzeitnerd“ (28.08.2014)
Teilzeitnerd: „Wir machen die ganze Welt schwul | Reaktionen auf homophobe Vorurteile | Teilzeitnerd“ (10.07.2014)
Teilzeitnerd: „Ireland says »YES«! Homophobie in Medienberichten! | Teilzeitnerd“ (28.05.2015)
Teilzeitnerd: „HOMOEHE?! — Ist doch egal..“ (13.02.2014)
Teilzeitnerd: „Stell dir vor, die Homoehe wäre erlaubt! | Teilzeitnerd“ (25.01.2015)
Anand Buchwald: „Natur, Evolution und Homosexualität“ (11.10.1999)
ZeitOnline: „Ich bin es leid“ (24.08.2012)
ZeitOnline: „So. Und nicht anders“ (19.03.2012)
ZeitOnline: „Bestraft doch gleich die Kinderlosen“ (08.08.2012)
ZeitOnline: „Das Adoptionsverbot für Homosexuelle ist absurd“ (16.08.2012)
ZeitOnline: „Kinder brauchen keine Hetero-Eltern“ (04.09.2009)
ZeitOnline: „Öffnet die Homo-Ehe für alle“ (27.05.2015)
ZeitOnline: „Passt das noch unter einen Hut?“ (27.05.2015)
Nachdenken… bitte: „Homosexualität“ (04.10.2012)
SpiegelOnline: „Homosexualität bei Tieren: Männchen mit Männchen, Weibchen mit Weibchen“ (25.10.2006)
SpiegelOnline: „Hier ist die Homo-Ehe erlaubt“ (28.05.2015)
Die Welt: „Homosexuelle Paare – Studie entkräftet Vorurteile“ (23.07.09)
n-tv.de: „Wider die Natur“ (07.05.2007)
hartaberfairTV: „Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?“ (05.12.2012)
Universität Bamberg: „Nicht von schlechten Eltern“ (02.10.09)
Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft: „Das Recht des Kinder auf Vater und Mutter
der Freitag: „Falsche Gründe gegen die Homo-Ehe“ (06.12.2012)
Süddeutsche Zeitung: „Wie sich die Homo-Ehe auf die Lebenserwartung auswirkt“ (12.03.2013)
rp online: „Homo-Ehe – Streit ums Kindeswohl“ (13.06.2013)

Die Philosophie hinter Matrix

Matrix ist ein Science-Fiction-Film der Brüder Larry und Andy Wachowski aus dem Jahr 1999. Ein genialer Film, um einen Einstieg in die Philosophie diverser Denker zu erhalten, sofern man sich nicht von den spektakulären Action-Sequenzen blenden lässt.

Der Programmierer Thomas Anderson, bekannt in der Cyberszene als der Hacker Neo, gerät durch seine Bekanntschaft Trinity in eine Untergrundbewegung, von er erfährt, dass die Realität nicht das Jahr 1999, sondern eine postapokalyptische Welt des 23. Jahrhunderts ist. Die einst von den Menschen erschaffene künstliche Intelligenz hat sich rasant entwickelt und begannen einen Krieg gegen die Menschen, die versuchten, indem sie den Himmel verdunkelten, den Maschinen, die auf Solarenergie angewiesen waren, ihre wichtigste Energiequelle zu nehmen. Anschließend übernahmen die Kontrolle und züchten nun Menschen in Brutkästen, die sie als alternative Energiequelle nutzen. Den gefangenen Menschen täuschten sie weiterhin vor, sie würden normal vor sich hin leben – mithilfe einer interaktiven neuronalen Simulation – der Matrix. Intelligente Programme, Agent Smith, Jones und Brown, beschützen die Matrix vor gefährlichen Viren. Jedoch konnten sich einige Menschen aus der virtuellen Kollektiv lösen und leben abgekoppelt in Zion, der letzten freien Stadt der Menschheit. Diese widerständige Gruppe um den philosophisch-orientierten Anführer Morpheus auf dem Schiff Nebukadnezar hat sich das Ziel gesetzt, den Auserwählten zu finden, der die Menschheit erlösen soll: Neo, der von den Agenten eingestuften sowie gesuchten Terroristen Morpheus kontaktiert wird. Er weiht Neo in die Wahrheit über die Matrix ein und befreit ihn ihm Glauben, er sei der Auserwählte, mit dessen Hilfe man die Matrix zerstören kann. Im weiteren Verlauf des Films hacken sich die Befreite über Computer in die Matrix oder klinken sich ein, um den Krieg gegen die Maschinen aufzunehmen.

Der Film spielt mit einer Vielzahl impliziter, aber auch expliziter philosophischer sowie theologischer Andeutungen. Einerseits geht es um die Suche nach Wahrheit und Freiheit, um die Frage, wie man zu Erkenntnis und Wissen gelangt. Doch was genau ist an diesem Film philosophisch?

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Sterbehilfe

Wie die Legalisierung von Cannabis ist auch die Sterbehilfe eine kontroverse Debatte, deren Befürworter und Gegner gute, schwer widerlegbare Argumente haben. Sowohl auf philosophischer Ebene, als auch die politische Komponente sind äußerst komplex. Haben wir die Pflicht zum Leben? Wenn ja, soll die Pflicht zum Leben zugunsten der Freiheit zum Tod eingeschränkt werden? Wir haben uns nicht ausgewählt, ob wir auf die Welt kommen oder nicht, dürfen wir aber entscheiden, ob wir hier bleiben? Die Antwort auf diese Fragen zeigt natürlich, wie wir als Gesellschaft den Tod sehen.

Gewiss haben Patienten, die unheilbare Krankheiten und an zahlreichen Schmerzen leiden, den Wunsch zum Tod. Unter gewissen Umständen kann dieser Wunsch auch erfüllt werden. In der Schweiz können Patienten, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, den Antrag stellen, aber eben nur, wenn es medizinisch nachvollziehbar ist. Bei Depressionen wird davon nicht nur abgeraten, der Antrag wird abgelehnt, da Depressionen heilbar sind und es keinen richtigen Grund zum Suizid gibt. Man sollte darüber hinaus Depressionen weder verschweigen noch unterschätzen.

Die Gegner der Sterbehilfe meinen, dass man damit ein Geschäft machen kann, denn die Vereine verdienen Geld mit dem Tod ihrer Patienten, das kann schief gehen. Der Umgang mit todgeweihten Patienten ermöglicht Gefährdungen der Bedingungen unseres Zusammenlebens. Aus dem Tod wird ein Geschäft, das Leben basiert aus einem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Meistens fällt dann das Urteil nicht zugunsten des Patienten. Es könnte beinahe schon ein indirekter Zwang bestehen, dass Patienten ihre egoistischen Angehörigen zufriedenstellen, um die Krankenkasse nicht weiterhin zu belasten. Man muss das Leben des Patienten abwägen gegen materiellen und persönlichen Aufwand, Sterbende müssen dafür kämpfen, dass ihr Leben noch als erhaltenswert angesehen wird und der Druck wird dabei immer größer. Vielleicht liegt die Würde sogar darin, dass man sich nicht entscheiden muss. Der Wunsch nach der aktiven Sterbehilfe sollte gar nicht erst aufkeimen.
Das Problem kann nicht nur mit Angehörigen bestehen, sondern auch das Vertrauensverhältnis zwischen dem Patienten und dem Arzt schädigen. Was ist, wenn der baldige Tod immer mehr Gesprächsthema mit dem Patienten wird? Wie fühlt sich ein Betroffener, wenn ein Arzt den Tod als Möglichkeit ansieht?

Andererseits sollten wir ein Recht auf Autonomie haben. Zwar sind wir ungefragt auf die Welt gekommen, sollten aber trotzdem ein Recht darauf haben, den Zeitpunkt des Endes unseres Daseins mitbestimmen zu können. Schließlich handelt der Arzt im Interesse des Betroffenen.
Gegner bringen mitunter ein, dass der Mensch nicht mehr über sich selbst verfügt, weil er den Arzt zum Töten ermächtigt. Diese Argumentation ist in meinen Augen nicht besonders stichhaltig, weil der Mensch frei ist und nicht verzweckt wird, indem er in seinem Interesse umgebracht wird. Die Verzweckung wäre eher, wenn man gegen seinen Willen ihn am Leben lassen würde. Darüber hinaus entzieht man dem Menschen seine Würde, wenn man seine Autonomie beschränkt.

Ich persönlich würde gerne im Alter die Wahl haben, die Argumente der Gegenseite kann ich zwar verstehen, aber die begründeten Annahmen können dennoch durch entsprechende Präventivmaßnahmen beseitigt werden. Neben der Sterbehilfe gibt es auch die Palliativmedizin, die schmerzlindernde Methoden einsetzt.
Darüber hinaus denke ich, dass niemand zum Sterben zurückgelassen werden soll. Das wäre alles andere als würdevoll. Wenn möglich, sollte der Patient im Kreis der Familie mit dem Tod konfrontiert werden. Dann kann er von seiner Familie Abschied nehmen.

Was ist Freiheit?

Für unsere Jugend ist Freiheit ein Wort, welches großgeschrieben wird, deswegen ist beispielsweise die Punk-Bewegung groß, die sich frei von den Meinungen anderer machen und auf sich hören, aber Meinungs- oder Religionsfreiheit sind sehr wichtig, ebenso wie die Freiheit der Partner- oder Berufswahl. Wir können unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. Doch das klärt nicht die elementare Frage, was Freiheit ist. Denn je nach dem, wie wir Freiheit sehen, sind wir auch unterschiedlich zufrieden mit unserem Leben und der Welt. So sind Anarchisten erst zufrieden mit der Welt, wenn sich der Staat in einem Zustand voller Herrschaftslosigkeit befindet. Diese Anarchie könnte durch radikale Selbstverwirklichung realisiert werden, die die Freiheit rechtfertigt, wenn wir sie allgemein hin als gut sehen. Das könnte dazu führen, dass Menschen ihre Gewaltphantasien ausleben und zu Serientätern mutieren, dies wäre freilich keine wünschenswerte Entwicklung. Äußere Zwänge sorgen für Sicherheit und Stabilität, meistens reichen uns schon die inneren Zwänge, unsere Moral, die Skrupel hervorruft. Auch machen emotionale Bindungen unser Dasein lebenswert, auch wenn sie uns einschränken, weil wir unter anderem bestimmte Phantasien, die schädlich für Beziehungen wären, nicht realisieren können.

Erfahrung, Erziehung und Bildung führen uns zu sozialer Unfreiheit, denn wer mit den negativen Konsequenzen einer Handlung konfrontiert werden, unterlassen wir sie; wenn unsere Eltern uns Regeln eintrichtern, entwickeln wir Hemmungen, sie zu brechen; und Bildung hält uns davon ab, Unsinn anzustellen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, inwiefern wir über unsere Bedürfnisse verfügen. Wer kann sein Hungergefühl ohne Essen in Schach halten? Das erweist sich als eine schwierige Aufgabe. Genauso verhält es sich mit Schlaf, Lust oder Durst. Letztendlich kommen wir zu dem Schluss, dass unsere Bedürfnisse und Triebe über uns verfügen,womit wir mit den Ansichten vieler Hirnforscher und Sigmund Freud übereinstimmen, die Sartres Meinung, wir wären sogar Herr unserer Triebe, wiederlegten.

Doch was ist für euch Freiheit? Wie erlebt ihr es?