Ernährung ist eine Investition

Unser Essen wird ein Teil von uns sein: Molekül für Molekül! Unser Essen geht nicht bloß rein und raus. Die Zellen des Essens werden dafür gebraucht, um den Körper aufzubauen, da der Körper sich ständig ändert. Alte Zellen sterben, neue Zellen kommen. Dafür braucht der Körper stabiles Baumaterial aus hochwertigen Proteinen und zahlreichen Nährstoffen. Jeden Tag können wir uns zwischen morschem Holz und festem Beton entscheiden.

Essen ist Energie. Unser Auto würden wir nicht mit Urin tanken. Wieso sind wir darauf besessen, das teuerste Auto, das neueste Smartphone oder die schickesten Klamotten zu haben, während wir uns zugrunde richten? Es liegen Welten zwischen dem Weißbrot aus dem Discounter und dem Vollkornbrot mit Sauerteig vom Handwerksbäcker. Diese Welten drücken sich nicht nur in der Gesundheit aus, sondern vor allem am Geschmack, an der Konsistenz und der Textur. Es ist ein völlig anderes Gefühl, ein wirklich gutes Sauerteigbrot zu genießen als das Weißbrot aus dem Discounter mal eben beim Autofahren herunterzuwürgen.

Solche Fertig-Produkte bestehen nicht aus frischen Zutaten, aber dafür aus Salz, Zucker und billigen Pflanzenölen – in Plastik verpackt und mit Konservierungsstoffen haltbar gemacht. Künstliche Aromen sorgen dafür, dass das „Essen“ nicht fade schmeckt. Die Industrie hat uns in den Bann gezogen, mit fatalen Folgen: Wir verlieren die Wertschätzung für und den Bezug zum Essen. Immer weniger Kinder und Erwachsene wissen, woher ihr Essen kommt, wer dafür arbeiten musste und wie es angebaut wurde.

Wie können wir das ändern? Und was ist denn gesunde Ernährung? Um diese Frage zu beantworten, muss man kein Ernährungswissenschaftler sein. Michael Pollan hat das auf den Punkt gebracht: „Eat food. Not too much. Mostly plants“ Mit Food meint er dabei echte Lebensmittel; frisch, unverarbeitet und regional. Mischtköstler und Vegetarier sind mit Weidehaltung und biologisch-dynamischer Landwirtschaft gut beraten: Die Rinder stehen den ganzen Tag auf der Weide, essen Gras und Heu, haben unheimlich viel Freiraum und die Artenvielfalt wird bewahrt. Weidefleisch hat seinen Preis, schmeckt dafür besser und enthält wertvolle Nährstoffe und Weidemilch ist nicht mit dem weißen Wasser aus dem Supermarkt vergleichbar; im Gegensatz zur Discountermilch lebt die Kuh wirklich auf einer grünen Weide, wie Verpackungen sonst suggerieren.

Wertschätzung bedingt Liebe und Liebe braucht Arbeit und Zeit. Wollen wir Essen wieder wertschätzen, müssen wir mehr Zeit mit ihr verbringen, indem wir kochen. Kochen bedeutet nicht, stundenlang in der Küche herumstehen, mit teuren Geräten hantieren, exotische Zutaten zu nehmen und anschließend ein schickes Foto auf Instagram zu posten. Was im Kochbuch überzeugt, sieht auf dem Teller lahm aus. Wir können es den Berufsköchen überlassen, aus vielen, uns unbekannten Zutaten aufwändig ein Meisterwerk zu schaffen. Echtes Kochen ist viel einfacher. Schnelle Rezepte aus drei Grundzutaten und einfachen Gewürzen sind ein guter Anfang.

Gesunde Ernährung ist weder genuss- noch lustfeindlich. Im Gegenteil! Wenn wir den kräftigsten Geschmack haben wollen, müssen wir auf Zutaten aus der Region zurückgreifen, da der Geschmack unter dem Transport leidet. Genau diese Zutaten sind aber auch die, die uns die meisten Nährstoffe liefern. Genuss, Gesundheit und Nachhaltigkeit bedingen sich gegenseitig. Wer braucht schon Goji-Beeren oder Chia-Samen, wenn es hier Heidelbeeren und Leinsamen gibt? Wozu das ganze Jahr über Tomaten und Gurken, wenn großartige Gemüse wie Pastinaken und Porree, Rettich und Radieschen dafür in Vergessenheit geraten?

Genuss ist das A und O. Unsere Ernährung kann langfristig nur funktionieren, wenn sie uns auch zufriedenstellt. Süßes befriedigt, ist aber nicht immer gesund. Dabei muss man nicht auf Süßes verzichten, wenn man in sich investieren will. Bratäpfel mit Zimt, eine Chocolate Cream aus Avocado, Banane und Kakao oder Beerenquark – für jeden ist etwas dabei. Genuss bedeutet aber auch, dass wir unsere Mahlzeit erleben, als wäre es die letzte. Anstatt zu fahren, fernzusehen, auf einen Bildschirm zu starren oder zu gehen: durchatmen, langsam kauen, achtsam sein. Das zählt.

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4 Kommentare zu „Ernährung ist eine Investition

  1. Du sprichst mir aus der Seele. Schon lange versuche ich meine Freunde davon zu überzeugen, dass das Frühstück auf die Hand keine Alternative zu einem ‚wahren‘ Frühstück ist. Im Laufen den Schokoriegel essen, auf den man solche Lust hatte? Es ist doch klar, dass man danach nicht wirklich befriedigt ist.
    Wir haben das Glück Zugang so wunderbaren Lebensmitteln zu haben, das sollten wir zu schätzen wissen :)
    Liebe Grüße
    Intrinsistin

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  2. Sehr treffend geschrieben! Unter diesem Blickwinkel betrachtet fällt es leicht und erscheint es logisch, die gesunde Ernährung wichtiger zu nehmen. Ich glaube, dass sich diese Haltung und Lebenseinstellung bereits verbreitet – alleine dadurch, dass wir sie vorleben und darüber schreiben oder reden.

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