Patrick Bateman

Der 27-jährige Investmentbanker Patrick Bateman gespielt vom Batman-Darsteller Christian Bale ist die Art 80er-Snob, die man sich so vorstellt. Als Wallstreet-Yuppie bewohnt er ein luxuriöses Apartment, trägt die teuersten Designer-Anzüge, konsumiert Videofilme und langweilt sich mit seinen Kollegen in prunkvollen Restaurants, in lauten Nachtclubs oder auf drogenintensiven Partys. Zum allgegenwärtigen Smalltalk gehören Verhaltensregeln, Modefragen, Oberflächlichkeiten und die angesagtesten Speisen in der Oberschicht. Hinter seiner perfekten Fassade verbirgt sich ein brutaler Serienkiller. Die dauernde innere Leere versucht er durch Sex, Gewalt und Mord zu füllen. Die Drogen werden härter, die nächtlichen Orgien ausschweifender und seine Gewaltexzesse sadistischer. Im Laufe des Films verliert er sich in seinem Blutrausch und verliert den Bezug zur Realität. Wahllos tötet er Obdachlose und Prostituierte, dabei wird er fast von der Polizei überführt. Die Taten beichtet er seinem Rechtsanwalt, aber er glaubt ihm kein Wort und hält dagegen, dass das vermeintliche Opfer verreiste und er mit ihm zehn Tage zuvor beim Essen in London war. Finden also die immer grausamer werdenden Mordexzesse in Batemans Kopf statt oder verrübt er sie wirklich?

Diese Frage wird in Fangemeinden diskutiert, ich möchte aber eher seine Psyche untersuchen, als Erklärungsmodelle für das Ende des Films darzubieten. Patricks Psyche ist hochkomplex und eindeutig pathologisch. Wo sollen wir da nur anfangen? Vielleicht beim Offensichtlichen. Es ist keine Frage, dass Batman ein hochgradiger Narzisst ist. Schauen wir in die aktuelle Version des DSM-IV rein, sehen wir folgende Symptomsdefinition.

  1. hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit
  2. ist stark eingenommen von Phantasien grenzenlosen Erfolgs, Macht, Brillanz, Schönheit oder idealer Liebe
  3. glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein
  4. benötigt exzessive Bewunderung
  5. legt ein Anspruchsdenken an den Tag
  6. ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch
  7. zeigt einen Mangel an Empathie
  8. ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn
  9. zeigt arrogante, hochmütige Verhaltensweisen oder Ansichten

Man sieht es Bateman fast schon an, dass er sich für grandios und wichtig hält, obwohl er kaum arbeitet, sondern er Treffen vereinbart, um mit anderen zu essen oder Musik hört. Sein Selbst definiert er dabei über Konsum und Statussymbole, generell lässt sich sagen, dass er ein typischer Marketing-Charakter ist. Die eigentlichen Aufgaben delegiert er schlicht an seine Sekretärin Jean, die er ganz arrogant und herablassend für ihr Äußeres kritisiert. Generell scheint er Beleidigungen einzusetzen, um andere kleinzuhalten, besonders bei Jean. Eines Nachts geht Bateman eine Straße entlang, bis er einen Bettler sieht, den er aufs Übelste beschimpft. Ganz schadenfroh wedelt er einen 100-Dollar-Schein vor ihm, während er ihm sagt, er müsste sich einen Job suchen und eine bessere Einstellung verinnerlichen. Dabei beleidigt er ihn aufgrund seines vermeintlichen Gestanks und tötet ihn anschließend. Daran erkennt man auch ganz gut, dass er nur von besonderen, erfolgreichen oder hochrangigen Menschen umgeben werden will. Man muss nicht weiter erklären, dass er die Probleme anderer als Zeichen von Minderwertigkeit oder Schwäche ansieht und denkt, seine Probleme seien besonders. Deswegen erwartet er auch ständig eine Vorzugsbehandlung. Wenn Cafés überfüllt sind, ist ihm das egal und fordert trotzdem einen Platz. Sich in andere hineinzuversetzen oder sich hintanstellen ist für ihn eine schier unbewältigbare Aufgabe.

Dass er sehr auf Äußerlichkeiten bedacht ist, bemerkt man auch an seiner regelmäßigen intensiven Körperpflege, die bereits im Intro ausschweifend erklärt wird. Dadurch will er ein jugendliches Aussehen und Attraktivität bewahren, andererseits übertreibt er es mit dem Fitnesstraining, da er 1000 Situps macht. Natürlich erscheint er als ein charismatischer Charmeur; er hat Erfolg bei den Frauen, allerdings ist seine Beziehung von Verachtung geprägt, weswegen er sich in zahlreiche Affären stürzt. Seine „vermeintliche“ Verlobte will er nicht heiraten, weil er angeblich keine Zeit dafür hat und sich auf seine Arbeit konzentrieren muss, obwohl er genug Geld hat, um den Rest seines Lebens ohne Arbeit verbringen zu können. Liebe scheint ihm ein Fremdwort zu sein. Mitleid auch, denn als er sich von ihr trennt und sie emotional völlig am Boden ist, geht er einfach weg.

Wenn dagegen andere Erfolg haben, freut er sich nicht, sondern ist neidisch und verägert. Sein jüngerer Bruder ist sogar noch reicher, dekadenter und überheblicher als er, was ihm offensichtlich große Probleme bereitet. Dass er im angesagtesten Restaurant sofort Plätze bekommt, verursacht bei ihm Minderwertigkeitsgefühle und das kann er nicht tolerien. Das schließt auf frühe geschwisterliche Rivalitäten hin. Aber dieser Neid bezieht sich auch auf Lächerlichkeiten, so tötet er Paul Allen, weil seine Visitenkarte nicht so edel aussieht wie die von seinem Kollegen. Neben seinen eindeutig narzisstischen Symptomen zeigt er dissoziale und sogar psychopathische Merkmale.

  1. Versagen, sich in Bezug auf gesetzmäßiges Verhalten gesellschaftlichen Normen anzupassen, was sich in wiederholtem Begehen von Handlungen äußert, die einen Grund für eine Festnahme darstellen
  2. Falschheit, die sich in wiederholtem Lügen, dem Gebrauch von Decknamen oder dem Betrügen anderer zum persönlichen Vorteil oder Vergnügen äußert
  3. Impulsivität oder Versagen, vorausschauend zu planen
  4. Reizbarkeit und Aggressivität, die sich in wiederholten Schlägereien oder Überfällen äußert
  5. Rücksichtslose Missachtung der eigenen Sicherheit bzw. der Sicherheit anderer
  6. Durchgängige Verantwortungslosigkeit, die sich im wiederholten Versagen zeigt, eine dauerhafte Tätigkeit auszuüben oder finanziellen Verpflichtungen nachzukommen
  7. Fehlende Reue, die sich in Gleichgültigkeit oder Rationalisierungen äußert, wenn die Person andere Menschen gekränkt, misshandelt oder bestohlen hat.

Mit seinen Morden gibt er an, allerdings werden sie ihm nicht abgekauft. Er lügt sogar, wenn es gar nicht nötig ist, so zum Beispiel mehrmals vor Detective Donald Kimball bezüglich Paul Allen und der „Yale-Sache“. Dabei ist ihm Reue völlig fremd; wenn andere durch ihn leiden, ist ihm das egal. Generell scheint er keine klar identifizierbaren Gefühle außer Gier, Langeweile, Abscheu und Wut zu haben. Prostituierte nutzt er aus und bricht ihre Privatssphäre, nachdem er deren Vertrauen geschickt gewonnen hat. Man kann nicht sagen, dass er scheu sei, das Gesetz zu brechen. Mal ist er gefühllos, mal charmant und verführerisch. Beim Sex ist er unverantwortlich, für die Frauen ist es viel zu heftig, weswegen Arztbesuche folgen. Zumeist bewundert er sich dabei selbst im Spiegel. Einmal tötete er eine Frau sadistisch beim Sex. Kein Wunder, dass er bei Prostituierten nur Misstrauen erntet. Das Schlimme ist, dass sein Charakter in seinem Umfeld weit verbreitet zu sein scheint. Schließlich wird er mit anderen Personen mit ähnlichem Lebensstil verwechselt. Das könnte auch das Rätsel des Endes lösen, ob seine Mordexzesse tatsächlich stattfanden oder nur Wahnvorstellungen waren. Andererseits ist es offiziell, dass der Name Patrick Bateman absichtlich wie Norman Bates klingen sollte, dem vermeintlich schizophrenen Protagonisten in Hitchcooks Film Psycho, der ahnungslose Frauen in seinem Motel ermordet. Also wird auf psychotische Phasen angespielt, auf den immer wiederkehrenden Verlustes des Bezugs zur Realität.

Seinen Alltag beschreibt er außerordentlich eloquent, ohne inhaltlichen Tiefgang und überraschend kühl-distanziert. Gefühle scheint er wirklich kaum welche zu haben. Selbst über seine Morde berichtet er völlig nüchtern, wie reale Serienkiller. Er scheint an der Oberflächlichkeit der Gesellschaft zu leiden. Sein Rechtsanwalt lacht über seine Beichte und verwechselt ihn sogar dabei. Zwar hat er das Leben verwirklicht, was sich viele erträumen, aber es ist von Langeweile und Leere geprägt, die er zu füllen versucht, also haben Geld und Zugehörigkeit zur Elite ihn nicht weitergebracht. Patrick Bateman porträtiert hervorragend das Leben in einem knallharten, amoralischen Materialismus, aus dem es kein Entrinnen gibt. Er zeigt uns, dass der amerikanische Traum in Wirklichkeit ein Albtraum ist. Seine Maske der Zurechnungsfähigkeit, der Normalität ist im Begriff, herunterzurutschen und das hat Konsequenzen für ihn. Seine Fassade der politischen Korrektheit bröckelt wegen seiner Homophobie, seines Frauenhasses, seines Rassismus und seiner Obdachlosenfeindlichkeit.

Da Psychopathie bekanntermaßen ein schwerer Subtyp der dissozialen Persönlichkeitsstörung ist, ergibt das Sinn, Patrick diesbezüglich zu untersuchen. Normalerweise wird die Psychopathie-Checkliste (PCL-R) bei schweren Kriminellen eingesetzt, also passt das schon.

Dimension 1: interpersonell-affektiv

  • trickreich sprachgewandter Blender mit oberflächlichem Charme
  • erheblich übersteigertes Selbstwertgefühl
  • pathologisches Lügen
  • betrügerisch-manipulatives Verhalten
  • Mangel an Gewissensbissen
  • oberflächliche Gefühle
  • Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  • mangelnde Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen

Dimension 2: antisozial-deviant

  • Stimulationsbedürfnis
  • unzureichende Verhaltenskontrolle
  • frühere Verhaltensauffälligkeiten
  • Fehlen von realistischen, langfristigen Zielen
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • Abwertung anderer Menschen
  • Jugendkriminalität
  • Verstoß gegen Bewährungsauflagen bei bedingter Haftentlassung

Sein trickreich sprachgewander, oberflächlicher Charme kombiniert mit einem erheblich übersteigerten Selbstwertgefühl sowie krankhaftem Lügen prägen den Film durchgehend. Beim Morden und Lügen macht sich ein Mangel an Gewissensbissen und Schuldbewusstsein klar und seine oberflächliche Gefühlswelt gepaart mit einem Mangel an Einfühlungsvermögen sollte kein Geheimnis mehr sein. Ein ständiges Gefühl der Langeweile ist für ihn lebensprägend, die unzureichende Verhaltenskontrolle merkt man in den Mordszenen im Film und die Abwertung anderer Menschen haben wir schon oft genug thematisiert. Von realistischen, langfristigen Zielen war im Film nie die Rede, aber wir können davon ausgehen, dass Batemans einziges Ziel ist, dazuzugehören, mehr können wir nicht sagen. Eine Schlüsselszene ist der Umgang mit einem Bettler. Bateman erreicht insgesamt 23 Punkte, was an Psychopathie anschwellt, aber zu keiner Diagnose befugt, eher erkennt man sehr deutlich psychopathische Anteile. Der US-amerikanische Wert ist 30, in Europa wurde er auf 25 herabgesetzt. Man muss dazu sagen, dass selbst Robert Hare der Meinung war, dass das willkürliche Festsetzungen sind, bei Bateman kann man eigentlich von einem typischen Psychopathen sprechen.

Andererseits erinnert mich Batemans Wahrnehmung an das von Betroffenen der schizotypischen Persönlichkeitsstörung. Seit der Analyse von Jim Moriarty sollte uns eigentlich bewusst sein, dass psychische Erkrankungen sich in ihrer Erscheinung gegenseitig beeinflussen können.

  1. Inadäquater oder eingeschränkter Affekt (der Patient erscheint kalt und unnahbar).
  2. Seltsame(s), exzentrische(s) und eigentümliche(s) Verhalten und Erscheinung.
  3. Wenig soziale Bezüge und Tendenz zu sozialem Rückzug.
  4. Seltsame Glaubensinhalte und magisches Denken, die das Verhalten beeinflussen und im Widerspruch zu (sub)kulturellen Normen stehen.
  5. Misstrauen oder paranoide Ideen.
  6. Zwanghaftes Grübeln ohne inneren Widerstand, oft mit dysmorphophoben, sexuellen oder aggressiven Inhalten.
  7. Ungewöhnliche Wahrnehmungsinhalte mit Körpergefühlsstörungen oder anderen Illusionen, mit Depersonalisations- oder Derealisationserleben.
  8. Denken und Sprechen vage, umständlich, metaphorisch, gekünstelt, stereotyp oder anders seltsam, ohne ausgeprägte Zerfahrenheit.
  9. Gelegentlich vorübergehende quasi-psychotische Episoden mit intensiven Illusionen, akustischen und anderen Halluzinationen und wahnähnlichen Ideen; diese Episoden treten im Allgemeinen ohne äußere Veranlassung auf.

Natürlich kann man bei Bateman nicht von exzentrischem Verhalten, seltsamen Glaubensinhalten, paranoiden Ideen oder zwanghaftem Grübeln sprechen. Allerdings ist in dem Film deutlich, dass er wenige soziale Bezüge hat. Patrick mag viele Bekanntschaften zu pflegen, aber echte Freunde hat er nicht. Es gibt keine Freundschaft, die für ihn wirklich tief ist. Eigentlich ist das eher ein Zeichen von Dissozialität in dem Falle, aber auch seine sexuellen und aggressiven Ideen, die er viel zu oft in die Tat umsetzt und seine vermeintlichen merkwürdigen Wahrnehmungsinhalte, die er anzweifelt, weil seine Mitmenschen von anderen Erlebensweisen sprechen, sind gepaart mit seinem stereotypen Sprechen und seinen gelegentlichen quasi-psychotischen Episoden sehr aufmerksamkeitserregend. Im Grunde müssten wir uns seine Wahrnehmung unter der Annahme, er hätte sich seine Morde nur eingebildet, noch näher untersuchen. Dann würden Störungen wie die schizotypische oder das Borderline-Syndrom vielleicht nahelegender erscheinen, doch hier gehe ich davon aus, dass sich sein Anwalt – so langweilig wie das klingt – nur geirrt hat.

  1. Starkes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.
  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.
  3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.
  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen
  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.
  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung
  7. Chronische Gefühle von Leere.
  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren
  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

Und auch hier gibt es viele borderlinetypische Symptome, die nicht auf Bateman zutreffen. Er bemüht sich nicht sehr stark, Verlassenwerden zu vermeiden, ist nicht suizidgefährdet und nicht affektiv instabil, aber dafür seine Beziehungen, die wiederum nicht borderlinetypisch gekennzeichnet sind. Eine Identitätsstörung kann man bei ihm eher weniger erkennen, dafür ein chronisches Gefühl der Leere, heftige Wut und selbstschädigende Impulsivität in den Bereichen Drogenmissbrauch und Geldausgeben. Genug Kriterien erfüllt Bateman nicht, um das vollständige Bild einer Borderline- oder schizotypischen Erkrankung zu erfüllen. Deswegen ist Batemans primäre psychiatrische Diagnose meines Erachtens nach eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, gefolgt von seiner sekundären Diagnose, der dissozialen Persönlichkeitsstörung, beziehungsweise Psychopathie.

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2 Kommentare zu „Patrick Bateman

  1. Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht. Glaube ich doch narzisstischerweise dem Autor durch eine Anspielung die Idee in einem meiner Kommentare für diesen Post gegeben zu haben, nur ein Scherz, natürlich.

    Enttäuscht, weil sich der Post auf die Hauptfigur des gleichnamigen Films, nicht aber auf das „Original“ aus der nicht weniger kultigen Satire von Bret Easton Ellis (Unter Null; Einfach unwiderstehlich) bezieht. Das Buch ist viel blutiger und grausamer und lässt KEINE Zweifel über die stattgefundenen Morde aufkommen. Der Film ist aber auch absolut klasse, mich begeistert die junge Chloë Sevigny in der Rolle der Sekretärin und erinnert mich in dem Film komischerweise sehr stark an eine real existierende Psychopathin (?), in die ich (insgeheim;) verliebt bin/war.

    Die Buchvorlage ist wie gesagt eine eindeutige Satire der Zustände der Wall-Street Mitte der 80er, das Doppelleben des Protagonisten peppt das ganze sicherlich auf, ist aber meiner Meinung nach eher ein Nebenschauplatz. So wird Patrick Bateman nicht nur von seinem Anwalt, sondern überhaupt verwechselt, im Buch werden alle ständig und überall miteinander verwechselt, weil sich alle Figuren nicht nur im Lebensstil so ähnlich sind, es sind leere „Abziehbilder“ ohne Charakter, ohne Inhalt, die sich einzig über das Äußere definieren (Geld, Status, Berufsbezeichnungen, Visitenkarten, Aussehen, Kleidung, Apartments, Restaurants, Urlaube…).

    Man muss wissen, die Firma in die Hauptfigur arbeitet gehört seinem Vater, deswegen arbeitet er wohl so wenig und verbringt seine Zeit damit Knochen und andere menschliche Überreste aufs Papier zu kritzeln. Im Buch wird sehr gut deutlich, dass Patrick Bateman ausschließlich in einer Fantasiewelt lebt und in der Realität von seinen Mitmenschen entweder mit Gleichgültigkeit oder Geringschätzung behandelt wird. In dieser Hinsicht, der Darstellung eines Ultranarzissten ist das Buch überaus gelungen und besonders empfehlenswert, die Gewaltszenen sind allerdings nicht ohne und sorgten bei mir für Kopfkino der besonders unangenehmen Art.

    Das Schizotypische ist immer mit Eigenheiten, die nicht selten skurrile und/oder groteske Dimensionen annehmen können, verbunden. Sehr hohe Tonlage, komische Sprechweise, seltsames Lachen, „merkwürdiger“ Blick, eigenwillige Kleidung oder Styling. Auch glauben Menschen mit schizotypischer Störung in der Regel an UFOs, Verschwörungstheorien oder sind stark esoterisch angehaucht. Das sehe ich beim American Psycho alles nicht. Schizotypische Menschen erkennt man in der Regel relativ leicht, wenn man sie näher kennenlernt, es sind sehr eigenwillige Charaktere, aber selten gleichgültig, böswillig oder gar antisozial. Ich bin der Meinung die schizotypische Störung geht stark in Richtung vermeidenden Persönlichkeitsstörung, die betroffenen haben Angst aufgrund ihrer Eigenheiten zurückgewiesen oder verlassen zu werden und entscheiden sich deshalb oft für ein asexuelles Alleingängertum, es ist in dem Sinne aber keine freiwillige Entscheidung, wie sie es beim Narzissten des schizoid-paranoiden Subtyps ist, sondern eher das Ergebnis schmerzvoller Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, z.B. durch Mobbing und romantische Zurückweisungen.

    Wenn das Fehlen einer Identität KEINE „Identitätstörung“ ist, dann weiß ich auch nicht weiter… Borderliner sind per se immer unglaublich instabil, äußerlich und innerlich hin- und hergerissen zwischen dem Todes- und dem Lebenswunsch (nach Freud). Psychopathen sind in dem Sinne sehr stabil, sie haben nur KEINE Persönlichkeit, keine Identität, sie sind weitgehend triebgesteuert, vielleicht ja gerade weil es außerhalb des unmittelbar „trieb„aften“ nichts gibt, sie existieren praktisch nicht außerhalb ihrer triebgesteuerter Hanlungen.

    Ich bin in gewisser Weise ein echter Fan, beides Film und Buch, trotzdem wäre ich sehr vorsichtig, Psychopathologien von fiktiven Charakteren zu erstellen, auch wenns Spaß macht, und unterhaltsam sein kann, wie dieser Blogpost beweist. Danke dafür.

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    1. Das Buch werde ich definitiv noch lesen, aber ich hatte eben nicht die Zeit und auch nicht die Möglichkeit, es zu kaufen (weil ich kein Online-Banking betreiben kann und keine Buchhandlung in der Nähe das Buch anbietet). Ich will nicht auf alles eingehen, was du im Kommentar geschrieben hast…, weil ich eigentlich allem zustimme. Am Ende hast du geschrieben, ich soll vorsichtig sein, wenn ich Psychopathologien fiktiver Charaktere erstelle. Ja, natürlich. Ferndiagnosen sind immer unzuverlässig, aber es macht Spaß und für viele Menschen in Fandom-Gemeinden kann es sehr wichtig sein, ein so tiefes Verständnis ihrer Lieblingsfiguren zu haben.

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