Verletzliche dunkle Triade

Neben der dunklen Triade soll es noch eine zweite Triade der Persönlichkeit geben, die auf emotionaler Empfindlichkeit sowie dunklen Charakterzügen basiert. Das ist naheliegend, wenn man bedenkt, dass sich viele Störungen überschneiden. Deswegen teilt der DSM-IV die zehn Persönlichkeitsstörungen auch in drei Cluster ein. Betroffene einer Störung erfüllen meistens auch Kriterien anderer Störung in dem Cluster. Diese verletzliche dunkle Triade besteht aus verletzlichem Narzissmus, Faktor 2 Psychopathie und der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Mit Introversion und Enthemmung, sowie antagonistischen Verhaltensstilen in zwischenmenschlichen Beziehungen und negativen Gemütern ist dieses hypothetische Persönlichkeitskonstrukt verbunden. Dem Anschein nach gibt es ein dunkles Kontinuum von pathologischen Persönlichkeitszügen, die sich primär in ihrem Verhältnis zu negativen oder positiven Gefühlen und Enthemmung unterscheiden.

Während Faktor 1 Psychopathie die interpersonellen und affektiven Komponenten der Psychopathie behandelt (z.B.: Grandiosität, krankhaftes Lügen, Fehlen von Reue oder Schuld; Hare, 2003), beschreibt Faktor 2 Psychopathie die Verhaltensprobleme, die mit dieser Störung einhergehen (z.B.: frühe Verhaltensschwierigkeiten, Impulsivität; Hare, 2003). Darüber hinaus wird der erste Faktor begleitet von einer niedrigen Verträglichkeit, gefolgt von einer niedrigen Gewissenhaftigkeit. Betroffene des zweiten Faktors sind dafür neurotischer, eher introvertiert, ebenfalls kaum gewissenhaft sowie wenig verträglich (Hare, 2003). Außerdem ist der erste Faktor auch mit der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und Machiavellismus verwandt, sekundäre Psychopathie eher mit Borderline, Antisozialität, Enthemmung und negativen Gefühlen.

Ein weiterer Bestandteil dieses Persönlichkeitskonstruktes ist der Narzissmus. Es gibt Studien, die belegen, dass krankhafter Narzissmus kein homogenes Konstrukt ist (z.B.: Miller und Campbell, 2008; Russ, Shedler, Bradley und Westen, 2008; Wink, 1991). Es gibt mehrere Varianten von Narzissmus, so ist grandioser Narzissmus die Version, die am meisten mit unserem gesellschaftlichen Bild von übersteigerter Selbstliebe ähnelt, aber auch mit dem DSM-IV-Konzept, die mit Grandiosität, Stolz, Aggressivität und Dominanz zusammenfällt. Um diese Form auszuwerten, nutzt man das Narcissistic Personality Inventory (NPI; Raskin und Terry, 1988). Andererseits gibt es auch den verletzlichen Narzissmus, der mit Defensivität und einem fragilen Selbstwertgefühl zusammenhängt. Die Betroffene möchten sich als beeindruckend zeigen, weil sie sich minderwertig fühlen. Verbunden ist dieses Konzept mit einer hohen Punktzahl bei Neurotizismus und niedrigen Werten bei Verträglichkeit und Extraversion (Hendin und Cheek, 1997). Dieses Profil ist dem Borderline-Syndrom näher als dem grandiosen Narzissmus.

Das letzte Konstrukt enthält ebenfalls Elemente von niedriger Verträglichkeit und hohen Neurotizismus. Das DSM-IV charakterisiert diese Störung mit Symptomen, die Verlassensängste, interpersonelle und affektive Instabilität, Impulsivität, Suizidalität und Selbstverletzung beinhalten. Sie tritt mit Misstrauen und niedriger Kooperationsbereitschaft auf. Außerdem hängt diese Störung genetisch mit der dissozialen Persönlichkeitsstörung zusammen (Kendler et al., 2008), die mit Faktor 2 Psychopathie zusammenhängt.

Frühe Verhaltensprobleme, Impulsivität, eine leichte paranoide Haltung und ausbeuterisches Verhalten prägen diese Störungen, aber auch ein Stimulationsbedürfnis, welches durch ein ständiges Gefühl der Leere ausgelöst wird, eine unzureichende Verhaltenskontrolle, die Wutausbrüche produziert und ein parasitärer Lebensstil sind ebenfalls Teile der Triade, die nicht unbedingt als positiv angesehen werden. Betroffene sind meist egoistisch und leicht kränkbar. Außerdem fehlt es ihnen an Empathie.

Die Ursachen dieser Triade liegen in einer chaotisch-instabilen, vernachlässigenden und emotional-missbrauchenden Familie. Die Eltern waren gefühlskalt, demoralisierend, vernachlässigend, litten vielleicht an Depressionen oder haben sich getrennt. Lange Phasen der Einsamkeit suchten die Kinder heim, ihnen fehlte es mütterlicher Zuwendung. Aber wie sieht diese Zuwendung in einem zerrütteten Elternhaus aus, in dem Gewalt vorherrscht? Dadurch folgt nur ein Mangel an Orientierung und ein Überschuss an familiären Konflikten. Prosoziales Verhalten wurde kaum beachtet. Kein Wunder, dass antisoziales Verhalten entwickelt wird. Noch schwerwiegender wird es, wenn die Geschwister straffällig werden. Oder die Kinder traumatisiert das Elternhaus verlassen.

Quellen, verwendetes Material und weiterführende Links:
University of Georgia: „Searching for a Vulnerable Dark Triad: Comparing Factor 2 Psychopathy, Vulnerable Narcissism, and Borderline Personality Disorder“ (Oktober 2010)
Wikipedia: Dark Triad
Examiner.com: The „vulnerable“ dark triad (03.07.2014)

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Ein Kommentar zu „Verletzliche dunkle Triade

  1. Sehr guter Post, mir gefällt diese Betrachtungsweise!

    Was ich mich frage, ob es nicht tatsächlich Sinn macht, das ganze „Cluster B“ vom Narzissmus her aufzusatteln. Denn anders herum betrachtet, lässt man die narzisstischen Elemente weg, haben wir eine Reihe nicht weniger harmloser, aber doch relativ genau definierter Störungen. Die Depression oder Psychose des Narzissten und Borderliners unterscheidet sich nicht wesentlich von „klassischen“ Störungen dieser Art. Die negativen „Grundtendenzen“ lassen sich durch den Narzissmus ganz gut erklären. Hat eine solche Betrachtungsweise eher Vor- oder Nachteile?

    Borderline in diesem Zusammenhang oft ein besonders tragischer „Fall“, weil in erster Linie das verlassene Kind und in Folge oft dissoziative Identitatstorung und „uberlagerter“ Narzissmus. An sich sind klassische Borderliner relativ pflegeleicht, werden aber gerade dadurch oft zu Opfern und entwickeln diese „Begleiterkrankungen“.

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