Sherlock Holmes

Ich bin nun mit der BBC-Serie Sherlock fertig und von dem Protagonisten überaus begeistert! Ein selbsternannter Consulting Detective mit einem perfekten Gedächtnis, sehr hohem Selbstbewusstsein und nichtsdestoweniger verloren bezüglich interpersoneller Interaktionen. Ein schneller, berechnender Verstand und eine hohe soziale Inkompetenz ist sogar nicht selten anzufinden. Aber woran leidet der berühmte Detektiv eigentlich?

Sherlocks Selbstdiagnose verwundert mich. Er ist gewiss kein hochfunktionaler Soziopath, sondern vielmehr ein Asperger-Autist, auch wenn ich dieses Mal sagen muss, dass diese Diagnose getrost angezweifelt werden kann. Im Übrigen wird Funktionalität bei Persönlichkeitsstörungen nicht gemessen, sondern bei Entwicklungsstörungen wie Autismus. Dazu muss man sagen, dass Soziopathie ein veralteter Begriff ist und kaum mehr verwendet wird, zumal er stigmatisierend wirkt. Die heutige Bedeutung dieses Begriffes, die durch bildgebende Verfahren gewonnen wurde, bezieht sich auf eine Person, die aufgrund einer neuropathologisch bedingten Unfähigkeit kein Mitgefühl oder Unrechtsbewusstsein entwickeln können. Am ehesten ist die Soziopathie mit der dissozialen Persönlichkeitsstörung (F60.2) gleichzusetzen, deren schwerwiegendere Form die Psychopathie ist. Deswegen ist es nahelegend, sich die diagnostischen Kriterien beider Störungen anzuschauen.

In Europa nutzt man üblicherweise die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, ein Krankheitenkatalog, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation. Abgekürzt wird dieses System einfach mit ICD-10 und die jeweiligen Störungen bekommen sogenannte Schlüssel. Die ICD-10-Kriterien beschreiben neben sozialer Abweichung charakterologische Besonderheiten, so zum Beispiel Egozentrik, mangelndes Einfühlungsvermögen und defizitäre Gewissensbildung. Mindestens drei der sieben Merkmale müssen erfüllt sein. Hierzu gehören:

  1. Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen
  2. Missachtung sozialer Normen
  3. Beziehungsschwäche und Bindungsstörung
  4. Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten
  5. Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen
  6. Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer
  7. Anhaltende Reizbarkeit

Sherlock kann interessanterweise Empathie zeigen, weswegen er auch Detektiv werden wollte, damit Verbrecher ihre gerechte Strafe erhalten können. Außerdem kümmert er sich sehr um John und Mrs. Hudson, Personen, die ihm sehr wichtig sind. Wir können aber nicht leugnen, dass er die meiste Zeit gefühlskalt zu sein scheint und soziale Normen sowie Regeln missachtet. Inwiefern er eine Beziehungsschwäche hat, können wir leider nicht herausfinden. Feststeht, dass er eine sehr enge Freundschaft mit Dr. Watson hat – seinem einzigen Freund. Um herauszufinden, ob er eine Bindungsstörung hat und wie sich diese äußert, wären weitere Informationen über seine frühkindlichen Erlebnisse von enormer Wichtigkeit, insofern belassen wir es dabei.
In vielen Situationen scheint er eine geringe Frustrationstoleranz zu haben, so dass er in Wut ausbricht, wenn jemand redet, während er nachdenkt oder er zu keiner Lösung kommt. Dennoch agiert Sherlock nicht impulsiv-aggressiv, das sollte selbstverständlich sein. Sherlock scheint auch wenig aus sozialen Situationen zu lernen oder Schuld zu erleben, aber nicht in der Art und Weise, wie ein Psychopath. Er ist auch nicht anhaltend reizbar, aber externalisiert seine Schuld, weil er sich keine Fehler eingestehen kann.

Ich muss sagen – Sherlock erfüllt die meisten Kriterien für eine dissoziale Persönlichkeisstörung, allerdings drückt sich die Symptomatik untypisch aus. Einige nutzen die Psychopathy Checklist Revised (PCL-R), allerdings wurde die Checkliste nie in den DSM-IV oder ICD-10 eingeführt. Außerdem nutzt man die Liste eher für außerordentlich gefährliche Patienten.

Faktor 1: Persönlichkeit „Aggressiver Narzissmus“

  • Oberflächlicher Charme, gute Konversation
  • Überhöhtes Selbstbild
  • Krankhaftes Lügen
  • Manipulativ
  • Unfähig Reue zu empfinden
  • Unfähig zu tiefen Gefühlen
  • Fehlende Empathie
  • Unfähig Verantwortung zu übernehmen

Faktor 2: Fallstudie „Sozial abweichender Lebensstil“

  • Schnell gelangweilt, stets auf der Suche nach einem ‚Kick‘
  • Lebt gern auf Kosten anderer Leute
  • Schlechte Selbstbeherrschung
  • Promiskes Sexualverhalten
  • Fehlen realistischer langfristiger Ziele
  • Impulsivität
  • Verantwortungslosigkeit
  • Jugendkriminalität
  • Frühe Verhaltensprobleme
  • Bewährungsversagen

Sherlocks Unfähigkeit zur Reue, sein Mangel an Empathie oder seine Unfähigkeit Verantwortung zu übernehmen, sind nicht konsistent. So zeigt er Reue, als Irene Alder geholfen hat, das Leben britischer Staatsbürger fast zu vernichten. Er übernimmt Verantwortung für seine Taten und entschuldigt sich am Ende bei seinen Bruder.

Um jemanden mithilfe der Psychopathie-Checkliste zu diagnostizieren, muss die jeweilige Person 30 von 40 Zügen zeigen – und so viele psychopathische Charakterzüge hat Sherlock einfach nicht.

Also kommen wir zurück zu der These, Sherlock leide am Asperger-Autismus (F84.5). Diese angeborene Entwicklungsstörung aus dem Autismusspektrum wird nach dem ICD-10 durch folgende Kriterien beschrieben:

  • qualitative Abweichungen der wechselseitigen sozialen Interaktionen
  • ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten
  • keine allgemeine Entwicklungsverzögerung
  • kein Entwicklungsrückstand der Sprache

Die qualitativen Devianzen in sozialen Interaktionen zeigen sich unter anderem in Sherlocks Empathielosigkeit, seinem Desinteresse an den Ansichten und Emotionen anderer, wobei er letzteres sogar als chemischen Defekt bezeichnet und seiner Verweigerung gegenüber der Einhaltung sozialer Normen. Das spricht für Asperger-Autismus. Aber Sherlock lügt nicht, um einen persönlichen Vorteil zu haben, hat selten Wutausbrüche und kann Schuldgefühle haben oder Sachen bereichen. Außerdem kann er langfristige, bedeutungsvolle Verhältnisse aufrechterhalten, anders als Psychopathen.

Andererseits verfügt er über ein bemerkenswertes Verständnis menschlicher Emotionen und ist sogar in der Lage, Personen zu manipulieren. Sein aufschlussreiches Verständnis über das Verhalten anderer Menschen macht ihn zu einem exzellenten Consulting Detective. Denn wir sind primär emotionale Wesen und die meisten Kriminalfälle sind demnach auch emotional motiviert. Wenn er autistisch wäre, hätte er nicht einmal Irenes Passwort herausgefunden.

Und das beweist, dass Sherlock eine unbeeinträchtigte kognitive Empathiefähigkeit hat, da er die Fähigkeit besitzt, das Verhalten von Menschen zu deduzieren und zu erklären. Dass er über eine funktionierende affektive Empathie verfügt, zeigt sich in verschiedenne Situationen: So ist er ergriffen, als eine Bombe explodiert und eine alte Frau in The Great Game stirbt, oder als John als Selbstmordattentäter verkleidet ist, als Irene Adler ihren Tod vortäuscht oder in alltäglicheren Situationen, wie auf der Weihnachtsfeier, als er Molly verärgert.

Man kann sogar behaupten, dass Sherlock narzisstisch ist. Er ist ganz offensichtlich ein Angeber, der es genießt, wenn man seinen Intellekt lobt oder wenn er beweisen kann, dass er intelligenter ist als seine Mitmenschen. Seine arroganten Verhaltensweisen beinhalten auch, dass er offen anspricht, dass seine Zeitgenossen völlig gedankenleer sein müssen. Er hat auch ganz offensichtlich Probleme mit Autoritäten, sogar mit seinem Bruder, der seine Freiheiten einschränken will.

Im Inneren fühlt er sich – wie krankhafte Narzissten – unsicher und glaubt, dass seine Intelligenz die einzige gute Eigenschaft ist. Er fühlt sich sogar unwohl, wenn die Gefahr besteht, dass jemand seine intellektuelle Überlegenheit übertrifft. Ihm sind seine Ängste nicht bewusst, aber das erklärt sein Verhalten. Witzigerweise nimmt er alles wahr, aber wenn es um seine Persönlichkeit geht, ist er blind. Das könnte sogar der Grund sein, weshalb er sich fälschlicherweise als hochfunktionalen Soziopathen bezeichnet. Jedenfalls glaubt er nicht an sich selbst, aber an ein Ideal, dass er sein möchte: Eine kalte, logische Deduktionsmaschine und alles andere als ein menschliches Wesen. Das ist sogar bei Narzissten der Fall, die sich selbst eigentlich nicht kennen, sondern ihr Größenselbst für ihre Persönlichkeit halten.

Was er auch mit Psychopathen teilt, ist die emotionale Einsamkeit. Er glaubt nicht nur, kein Teil der Gesellschaft zu sein, sondern ist auch davon überzeugt, über ihr zu stehen. Außerdem wird ihm sehr schnell langweilig. Das Gefühl der Langeweile versucht er zu bekämpfen, indem er Drogen konsumiert, Violine spielt, auf seine Wand schießt, wissenschaftliche Experimente durchführt oder Fälle aufklärt. Und letzteres tut er äußerst gerne: Seine Interessen sind einseitig und er beschränkt sich eben ausschließlich auf Fachwissen aus dem wissenschaftlichen Bereich. Seine Passion ist sein Beruf, doch er folgt keiner Routine, wie Asperger-Autisten es tun würden. Sein Zeitplan ist variabel und hängt davon ab, ob er in Stimmung ist oder einen Auftrag bekommt. Des Weiteren ist es äußerst anpassungsfähig, was untypisch ist für Menschen mit dieser Störung. Und es mag sein, dass er nur eine Leidenschaft hat, aber diese Passion umfasst unglaublich viele verschiedene Aktivitäten, was ihn von Asperger-Patienten unterschiedet, die über ein schmales Repertoire von Interessen verfügen.

Seine intellektuellen und verbalen Kompetenzen sind dabei alles andere als beeinträchtigt, dies spricht für den Asperger-Autismus. In einigen Fällen liegt sicherlich sogar eine Hochbegabung vor, in jenem Fall spricht man von hochfunktionalen Autismus. Das erinnert mich an mein Kapitel über Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory, der auch an dieser Störung zu leiden scheint.

Außerdem denkt Sherlock Holmes ausschließlich mechanistisch, streng rational und wissenschaftlich. Das macht ihn als Detektiv so erfolgreich. Ihm unterlaufen keine Denkfehler. Er entwickelt für Menschen keine Sympathie, dies könnte ihn als Ermittler sogar in seiner Arbeit behindern, da er diesen Menschen wohl eher kein Verbrechen zutrauen würde. Dies nennt man Halo-Effekt. Er entwickelt Pläne.

Dass ihm keine Denkfehler unterlaufen, liegt wohl auch daran, dass er seine Gefühle gezielt unterdrückt und geringschätzt. Vermutlich hat eine sorgenschwere Kindheit ihn dazu gebracht, seine Emotionen gekonnt zu ignorieren, damit er sich schützen kann. Seine Familie war wohl dysfunktional, die Eltern fehlten die meiste Zeit über, so dass Mycroft die primäre Bezugsperson für ihn war. Dieser schränkte ihn wegen seiner dominanten Verhaltensweisen ein, weswegen er später rebellierte. Das scheint auch der Grund zu sein, weshalb er Mycroft oder die Einschränkung seiner Freiheiten nicht leiden kann. Dies zeigt sich in dem, was er einmal über seine Einsamkeit gesagt hat.

Er stößt aber immer wieder an seine intellektuellen Grenzen – und zwar im interpersonellen Bereich. Dies ist für Dr. Watson eine frustrierende Erfahrung.

Bestimmte Aspekte und Verhaltensweisen verwundern mich doch an Sherlocks Persönlichkeit. So täuscht er eine Beziehung vor, die nicht lange anhält, da er seine Partnerin lediglich ausnutzt, um an Magnussen heranzukommen oder täuscht seinen Tod vor und taucht zwei Jahre später wieder auf. Er ist süchtig nach Morphium und Zigaretten, wobei er die Sucht zu letzterem durch Nikotinpflaster (es sind drei) befriedigt. Darüber hinaus hat unser Lieblings-Ermittler eine geringe Frustrationstoleranz und neigt zu Wutausbrüchen, wenn etwas nicht nach seinen Vorstellungen läuft, er überschreitet rechtliche Grenzen und sozialen Normen. Er kann anscheinend auch keine Angst verspüren, wie er in der Folge Die Hunde von Baskerville uns offenbart. Ansonsten ist Sherlock ein guter Lügner, wie man an einigen Stellen der Serie sieht und täuscht Resignation vor, um die Hilfe von Mitmenschen zu erhalten, die er lediglich ausnutzen will. Das tut er aber nicht für einen persönlichen Vorteil. Er macht das, damit er leichter an Informationen heran- oder in Gebäude hineinkommt. Das ist für das Aufklären von Fällen wichtig.

Schauen wir in die Differentialdiagnose des Asperger-Autismus, sehen wir ein ähnliches Konzept: die schizoide Persönlichkeitsstörung. Diese Charakterneurose zeichnet sich aus durch einen Rückzug von affektiven, sozialen und anderen Kontakten mit übermäßiger Vorliebe für Phantasie, einzelgängeriches Verhalten und eine in sich gekehrte Zurückhaltung. Die Betroffenen verfügen nur über ein begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken und Freude zu zeigen.

Mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen:

  1. wenn überhaupt, dann bereiten nur wenige Tätigkeiten Freude
  2. zeigt emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachte Affektivität
  3. reduzierte Fähigkeit, warme, zärtliche Gefühle für andere oder Ärger auszudrücken
  4. erscheint gleichgültig gegenüber Lob oder Kritik von anderen
  5. wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen mit einem anderen Menschen
  6. fast immer Bevorzugung von Aktivitäten, die alleine durchzuführen sind
  7. übermäßige Inanspruchnahme durch Phantasien und Introvertiertheit
  8. hat keine oder wünscht keine engen Freunde oder vertrauensvollen Beziehungen (oder höchstens eine)
  9. deutlich mangelndes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen

Diese Störung könnte seine emotionale Kälte, seine Asexualität und seine Missachtung für soziale Normen erklären – und wieso er nicht bemerkt, wenn John die Wohnung verlässt. Andererseits macht ihn Johns Kritik unruhig und er wächst und gedeiht durch die Anerkennung anderer, die er sich herbeisehnt. Außerdem ist sein Detektivberuf keine Aktivität, die alleine durchzuführen ist. Und wie ich schon mehrmals beschrieben habe, kann Sherlock Ärger ausdrücken, wenn jemand sein Denken stört oder wenn Mrs. Hudson mal wieder kein Morphium hat.

Alle anderen Kriterien werden von Sherlock erfüllt. Er nimmt übermäßige Phantasie in Anspruch. Damit meint man nicht World of Warcraft oder Dungeons an Dragons, sondern das Konstruieren von imaginären Szenarien. Sie können fantastisch oder alltäglich sein. Sherlock löst Fälle mithilfe seiner Geisteskraft, mithilfe von Szenarien, die er in seinem Kopf konstruiert: Er muss seine Vorstellungskraft benutzen, um die logischen Schlüsse zu visualieren und die vielen verschiedenen Möglichkeiten darzustellen. Schizoide Patienten beschreiben oft eine lebendige, reiche, interessante und gut gestaltete innere Welt, welche sie der echten Welt vorziehen.

Sherlock erfüllt genug Kriterien, damit man ihm diese Störung diagnostizieren kann. Auch Menschen mit dieser Störung können narzisstisch erscheinen, sich emotional einsam fühlen, aber nicht die Verbindung zum Mangel an Verhältnissen feststellen. Viele haben gute Einsichten in ihrer Störung und bemerken, dass sie anders sind sowie die spezifischen Aspekte ihrer Persönlichkeit, die Probleme verursacht. Allerdings wissen die wenigsten, wieso sich auf eine bestimmte Art verhalten und wie sie ihr Leben verbessern können. Auch sind wenige so extravagant und exzentrisch wie Sherlock, der des Weiteren die depressiven, abhängigen oder dissoziattiven Merkmale dieser Störung nicht zeigt.

So muss ich sagen, dass die Diagnose sich als schwierig erweist. Ob der beliebte Detektiv in Wahrheit ein hochfunktionaler Asperger-Autist, hochfunktionaler Soziopath oder schizoid ist, können wir vorerst nicht entscheiden. Vielleicht ist er in Wirklichkeit einfach nur genial.

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3 Kommentare zu „Sherlock Holmes

  1. Asperger-Autismus ist eine autistische Störung und lässt sich bereits in der Kindheit relativ zuverlässig Diagnostizieren. Schizoide Persönlichkeitsstörung ist anders, mehr eine „Wahl“ der betroffenen, als ein Schicksal. Dem Asberger-Autisten fehlen die Fähigkeiten soziale Kontakte aufzubauen, Menschen mit Schizoider Persönlichkeitsstörung fehlt jegliches Verlangen, langfristige, intime, auf Gegenseitigkeit beruhende zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Was ist mit den Schizotypischen Zeitgenossen? Irgendwo dazwischen?

    Ich denke es gibt berechtigte Argumente dafür, dass Schizoide Persönlichkeitsstörung nur eine besondere Form des Narzissmus ist. So dieses reaktive „ihr seid mir alle zu blöd, ich brauche euch nicht, ich will keine Menschen um mich rum!“. Schizoide PS ist durchaus eine umstrittene Diagnose, Sam Vaknin, der Narzissmusexperte spricht beispielsweise explizit von der „Paranoid-Schizoiden-“ bzw. „Schizoiden Lösung“ innerhalb des eigenen Narzissmus. Die „Schizoide Lösung“ beinhaltet das Erschaffen einer künstlichen Fantasiewelt, die der N. nach seinen Wünschen und seinen eigenen Regeln erschaffen hat, um sich damit vor den Verletzungen der realen Welt zu schützen. Die „Lösung“ ist also gar keine, es ist nur Selbstbetrug. Die alles entscheidende Frage: Wenn es Dir so gut in Deiner selbst erschaffenen Blase Deiner Fantasiewelt geht, wieso bist Du dann so dermaßen neidisch und eifersüchtig auf andere Menschen?

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    1. Ich selbst habe diagnostizierte schizoide Anteile und muss dir in einigen Aspekten widersprechen. So ist diese Persönlichkeitsstörung wirklich keine Wahl, sondern hat wie alle anderen Krankheiten ihre Ursachen. Was sie von anderen Störungen unterscheidet, dass seltener ein Leidensdruck das Leben prägt und somit eher Stil als Störung ist.
      Es stimmt, dass Menschen mit Schizoider Persönlichkeitsstörung das Verlangen fehlt. Um Schopenhauer zu zitieren: „Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“ Was kann ein Betroffener für sein fehlendes Verlangen? Was kann ein Homosexueller für seine Neigung?

      Ein Betroffener distanziert sich nicht von seiner Umgebung, weil sie ihm zu blöd ist, sondern aufgrund von tiefsitzendem Misstrauen. Zumal ja der Wunsch nach Gemeinsamkeit bestehen kann, doch Mitteilung und emotionaler Ausdruck sind blockiert, was Betroffene innerlich zerreißt.

      Angesichts der Tatsache, dass krankhafter Narzissmus und Schizoidie ähnliche Ursachen haben (angeborene Sensibilität, emotionale Vernachlässigung, raue Erziehung, psychisch kranke Eltern, mangelndes Verständnis der Eltern) ist die Theorie der schizoiden Lösung interessant, zumal die schizoide Persönlichkeitsstörung auch narzisstische Elemente enthält.

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