Dunkle Triade

Die Dunkle Triade der Persönlichkeit ist keine psychische Störung, sondern ein psychologisches Persönlichkeitskonstrukt, welches von den kanadischen Psychologen Delroy L. Paulhus und Kevin M. Williams geprägt wurde.. Es befasst sich mit den dunklen Eigenschaften der Menschen, die als unerwünscht gelten. Es besteht aus drei Persönlichkeitstypen: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Wird dazu noch der Sadismus ergänzt, nennt man dies die Dunkle Tetrade. Deren Bestandteile korrelieren hoch miteinander und bilden eine destruktive Persönlichkeit. Laut den US-Psychologen Peter K. Jonason, Norman P. Li, Gregory D. Webster und David P. Schmitt treten diese Eigenschaften häufig gemeinsam auf.

Alle drei Typen stellen ihr eigenes Wohl über das der Anderen. Sie gelten als kalt, selbstgerecht, egoistisch und nahezu empathielos. Dabei ist anzumerken, dass es bei diesem Konstrukt um die subklinischen Formen geht, also um die Persönlichkeitseigenschaften von Menschen, die wir täglich sehen. Die Eigenschaften sind klinisch irrelevant. Betroffene können deswegen eine unauffällige Lebensführung haben.

Doch die Typen unterscheiden sich in ihren Strategien und Motiven. Über den Narzissten und Psychopathen habe ich bereits etwas geschrieben, doch ich möchte alle Typen noch einmal kurz zusammenfassen.

Der Narzisst ist selbstüberschätzend und arrogant. Er ist süchtig nach Anerkennung und lässt sich mit dem Satz „Die anderen sind dazu da, um mich zu bewundern.“ beschreiben. Ihm geht es um Bewunderung. Andererseits fehlt es ihm an Einfühlungsvermögen, was sich in Desinteresse an Menschen bis hin zu offener Missachtung äußert. Doch ein gesunder Narzissmus ist für jede Führungspersönlichkeit wichtig, sonst kann sie nicht vor Mitarbeiter oder Kunden treten. Wir erscheinen unseren Gesprächspartnern nicht sympathisch, wenn wir uns selbst nicht sympathisch finden. Auch ist es wichtig, sich etwas trauen, sich Hürden nehmen. Narzissten streben allerdings Autonomie, aber das ist nicht gleichzusetzen mit einer Passion für eine revolutionäre Idee.

Der Psychopath ist rücksichtslos. Weil er keine Angst vor Konsequenzen hat, ist er kaltblütig. Er ist, wie der Narzisst und der Machiavellist, nahezu empathielos. Darüber hinaus ist er impulsiv. Da er sich nicht vorstellen kann, was die Gefühle von anderen Menschen bedeuteten und wie sie sich anfühlen, lässt er sich mit dem Satz „Menschen sind Objekte.“ beschreiben. Ihm geht es um die Handlung selbst. Sie haben ein übermäßiges Selbstwertgefühl und sind emotional komplett kalt sowie rücksichtslos. Auf ihre Mitmenschen wirken sie intelligent sowie charmant, jedoch ist es ein glatter und oft auch aggressiver Charme. Psychopathen sind soziale Raubtiere, denen genau die Eigenschaften fehlen, die wichtig sind für ein funktionales Zusammenleben in der Gesellschaft. Gewissen und Achtsamkeit gegenüber Mitmenschen.

Der Machiavellist lässt sich mit dem Satz „Der Zweck heiligt die Mittel.“ beschreiben. Sie sind skrupellose, egoistische Manipulatoren und kennen keine Grenzen, um ihre Ziele zu erreichen. Sie sehen die Nützlichkeit ihrer Mitmenschen, um ihre Ziele zu verfolgen und lassen dabei ethische Grundsätze außer Frage. Was sie vom Narzissten und Psychopathen unterscheidet, ist, dass sie eine Empathie mit Tunnelblick haben und realistischer bezüglich ihrer Person sind. Sie können sich in andere hineinversetzen, tun dies aber nur, wenn es für ein Ziel nützlich ist. Ihre emotionale Distanziertheit lässt den Machiavellisten ausblenden, was andere von ihn halten, was in Konflikten und Wettbewerben äußerst gut ist, da er sich auf den Sieg konzentrieren kann. Wie der Psychopath sind sie rücksichtslos und verfolgen im Übrigen sowohl rational als auch kalkulierend ihre Ziele. Der Machiavellist weiß, was als „gut“ angesehen wird, aber verhält sich nur dementsprechend, wenn es ihm zum Erfolg verhilft. Ihm geht es um die Erreichung seiner Ziele, dafür nutzt er verschiedenste Strategien, um Gegner unter Druck zu setzen.

Die Menschen mit den beschriebenen Eigenschaften sind zwar unerwünscht, können aber in bestimmten Lebensbereichen sehr erfolgreich sein, beispielsweise in einigen Karrierelaufbahnen, als Chef, Politiker oder im sexuellen Leben. Der Grund: Narzisstische und psychopathische Persönlichkeiten verfolgen eher Geschäftsideen, weil sie stärker nach Geld, Macht und Status streben und sie aufgrund ihres unglaublich starkes Selbstbewusstsein an ihren Fähigkeiten und an dem Erfolg ihres Unternehmens glauben. In der Realität müssen die Fähigkeit nicht unbedingt vorhanden sein. Denn vergleicht man die Leistungen von Narzissten und subklinischen Psychopathen bei der Erstellung eines umfassenden Businessplans mit Machiavellisten, schneiden Narzissten schlechter ab. Narzissten geben sich eben keine Mühe, weil sie sich für die Besten halten, haben Machiavellisten eine realistische Weltsicht und sind auf ihr Ziel fokussiert. Auch Psychopathen haben schlechtere Ergebnisse als die Machiavellisten, deren Gründungsneigung im Normbereich lag. Allerdings konnten sie ein Unternehmen im Vergleich am besten fundiert sowie vorausschauend planen. In Wettbewerbssituationen laufen Machiavellisten zu großer Form auf.

Quellen, verwendetes Material und weiterführende Links:
Harvard Business Manager: „Die Dunkle Triade der Macht“ (01.06.2011)
Spektrum der Wissenschaft: „Die Dunkle Triade“ (05.03.2015)
Wikipedia: Dunkle Triade
Macht:Perspektiven: „Interview mit Thomas Knecht
Universität Hohenheim: „Narzissmus, Machtstreben & Co: Extrem-Eigenschaften helfen Existenzgründern – zumindest anfangs“ (24.10.2011)
Scientific American: „Psychology Uncovers Sex Appeal of Dark Personalities“ (27.11.2012)
SpiegelOnline: „Mythos Jungunternehmer“ (08.12.2011)
SpiegelOnline: „Schummeln, schwänzen, Karriere machen“ (07.08.2013)
Erbloggtes: „Vorsicht vor dem schönen Schein: Dunkle Persönlichkeiten wirken anziehend“ (30.11.2012)
Academic Press: „The Dark Triad of personality: Narcissism, Machiavellianism, and psychopathy“ (PDF-Datei)
ScienceDirect: „The costs and benefits of the Dark Triad: Implications for mate poaching and mate retention tactics“ (März 2010)
ScienceDirect: „A protean approach to social influence: Dark Triad personalities and social influence tactics“ (März 2012)
Süddeutsche Zeitung: „Der Sadist unter uns“  (22.10.2013)
Süddeutsche Zeitung: „Wer jagt Ungeziefer durch die Kaffeemühle?“ (22.10.2013)
Universität Wien: „Die Entwicklung eines impliziten Verfahrens zur Erfassung der Dunklen Tetrade“ (2012)
SAGE Journals: „The Dark Triad and Interpersonal Perception: Similarities and Differences in the Social Consequences of Narcissism, Machiavellianism, and Psychopathy“ (23.11.2011)
American Psychological Association: „A meta-analysis of the Dark Triad and work behavior: A social exchange perspective.“ (Mai 2012)
Academia.eu: „Trolls just want to have fun“ (2014)
heise online: „Internet-Trolle sind verkappte Sadisten“ (27.02.2014)
Psychologie Heute: „Der Hang zur Bosheit“ (02.05.2014)
Wirtschaftspsychologie: „Narzissmus, Machtstreben & Co: Diese Eigenschaften können Existenzgründern beim Start helfen“ (10.11.2011)
SoSci Panel: „Die Beziehung zwischen Authentizität und der dunklen Tetrade der Persönlichkeit in provokativen Situationen nach Ego-Depletion“ (07.07.2014)

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2 Kommentare zu „Dunkle Triade

    1. Rücksichtslosigkeit, mangelnde Empathie, Störung des Selbstwertgefühls, Egoismus, Skrupel- und Gewissenlosigkeit.. im Grunde ist diese Frage überflüssig, aber ich gehe davon aus, dass die Frage anders gemeint ist: Was sind denn die Schwächen einer Person mit dieser Persönlichkeit in unserer meritokratischen, konsumkapitalistischen Gesellschaft? Da wird es schon schwieriger; sonst hätten solche Persönlichkeiten nicht so viel Erfolg in unserem Wirtschaftssystem. Eine Schwäche resultiert aber aus diesen negativen Charaktermerkmalen: Sie schaden der Gesellschaft, der Umwelt und letztendlich sich selbst. Ein Unternehmen, angeführt von einer Persönlichkeit mit einer dunklen Tetrade, wird sich nicht für Nachhaltigkeit oder Umweltbewusstsein interessieren, sondern für Profit (solange Nachhaltigkeit weniger Profit bringt) Solche Unternehmen und Menschen stellen den Profit über die Moral.

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