Darf man Menschen klonen?

Aus Film und Fernsehen, Populärkultur und Medien kennt man dieses häufig erscheinende Phänomen: das Klonen. Aber nicht nur die Medien greifen diese Thematik in unregelmäßigen Abständen auf, auch die Wissenschaft, die Philosophie und die Medizin haben sich mit diesem Gebiet ausführlich befasst. Ein Blick ins Detail verrät uns, dass Gentechniker diesbezüglich zwischen zwei Begriffen unterscheiden: das reproduktive und therapeutische Klonen.
Das reproduktive Klonen basiert auf einen sogenannten Nukleustransfer. Dabei wird das Erbmaterial einer Zelle des zu klonenden Organismus entnommen und daraus der Zellkern isoliert. Dieser Zellkern wird in eine unbefruchtete Eizelle eingesetzt, deren Zellkern vorher entnommen wurde. Im Anschluss der folgenden Entwicklung wird die Eizelle einem elektrischen oder chemischen Stimulus ausgesetzt. Bisher hat man das beispielsweise bei Mäusen oder Schafen getestet, so gab es das Klonschaf Dolly, welches im Jahr 2003 an einer starken Lungenentzündung starb. Sie litt an Arthritis, außerdem war ihr Erbgut stark beschädigt. Ist also das Klonen von Menschen oder generell von Tieren ethisch vertretbar?

Die meisten Menschen wollen keine Herstellung von erbidentischen Personen, aber wenn man beim Klonen von Tieren keine Bedenken hat, wieso dann beim Menschen? Immerhin ist der Mensch auch nur ein Tier wie jedes andere auch, welches sich allerdings gern von den anderen Tieren abgrenzt, um sich zu erhöhen.
Ganz intuitiv würden wohl die meisten sagen, dass man bei geklonten Mensch ein beklemmendes Gefühl in der Magengegend hätte. In Medien werden wir mit diesem Thema im Zusammenhang mit Horrorfiktionen konfrontiert, insofern sind die Medien nicht ganz unschuldig. Sicherlich leistet der tief empfundene Wert, dass jeder Mensch einzigartig ist, hier einen großen Beitrag, denn für uns ist er eine zumindest gefühlte Wahrheit, die in Konflikt mit dem Klonen von Individuen gerät. Leider ist dieser Wert nur für exklusives Leben reserviert, deshalb empfinden wir zu Haustieren eine größere Verbundenheit als zu Nutztieren, die wir gut und gerne mal abschlachten. Immanuel Kant würde dem wohl teilweise zustimmen, und noch einbringen, dass der Mensch nicht verzweckt werden darf und das Klonen seine Würde degradiert, wobei man diskutieren kann, inwiefern Eizellen würdevoll sind. Damit widerspricht er bereits dem therapeutischen Klonen, die eine enorme Bandbreite an theoretischen Möglichkeiten verspricht und der Medizin erträumte Visionen verwirklichen könnte. Denn mithilfe von Embryonen könnte man Gewebe züchten und diese in bedürftige Menschen einpflanzen, doch dafür müsste man die Embryonen spätestens nach wenigen Zellteilungen zerstören.  In diesem Stadium haben Embryonen kein Bewusstsein und folglich keine Leidfähigkeit. Zweifelsohne ist ein Embryo ein Mensch am Anfang seiner Entwicklung, doch dagegen stehen Menschen, die mitten im Leben an Krankheiten wie Alzheimer leiden. Natürlich können Embryone mit genug Zeit Menschen werden, aber Potenzialität ist keineswegs ein ethisches Kriterium.

Doch inwieweit verzweckt man den Menschen dabei? Der Mensch will sich einzigartig und besonders fühlen, und nicht als kleines Etwas in einer großen, grauen Masse. Unsere gesamte Kultur basiert auf Individualismus – und hier liegt das Problem, da ein Klon eine Kopie wäre, keine einzigartige, nie dagewesene Kreatur, kein Original. Ein Klon könnte sich niemals als Individuum verstehen, zumindest, wenn es das Original schon kennengelernt hat oder über seinen medizinischen Status weiß. Falls einige neugierige Forscher einen Menschen klonen, gehen sie ein hohes Risiko ein, da der Klon psychisch verunglücken könnte. Damit positioniere ich mich gegen reproduktives Klonen von Individuen aller Art, doch für das therapeutische Klonen zu medizinischen Zwecken. Dabei sollte man sich selbstverständlich fragen, inwiefern das Klonen die beste Lösung ist. Schließlich haben auch erwachsene Menschen beispielsweise in der Leber Stammzellen, die aber anders als Stammzellen von Embryonen nur zu Lebergewebe werden können. Mit den Stammzellen von Embryonen kann man allerdings auch neuronales Gewebe wachsen lassen, wenn es sein muss, oder neue Haut. Mich würden eure Ansichten zu diesem Thema interessieren: Befürwortet ihr reproduktives Klonen? Und warum?

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3 Kommentare zu „Darf man Menschen klonen?

    1. Wenn man seine Haut stellenweise austauschen möchte, wäre ich auch dagegen, aber für therapeutische Zwecke kann das Klonen sehr wichtig sein. In dem Fall wäre ich dafür, weil es das Leben von Patienten retten könnte.

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