Der Ursprung aller Süchte

Wir alle sind nach irgendetwas süchtig. Seien es Computerspiele, Drogen, Sport, Sex, Essen, Macht, Kontrolle oder das Schlafen. Die Frage besteht darin, den Ursprung aller Süchte zu kennen. Ich persönlich habe eine philosophisch-orientierte Deutung der Entstehung von Süchten. Denn wir alle waren, beziehungsweise sind nach etwas ganz bestimmten süchtig: die Liebe – und wenn wir sie nicht kriegen, stürzen wir uns in Abhängigkeiten. Nicht selten passiert es, dass wir nach einer Trennung exzessiven Sport betreiben oder in das komplette Gegenteil fallen und übermäßig viel essen. Andere konsumieren Drogen wie Alkohol, um im Rauschzustand euphorisch zu sein und die Trennung zu verdrängen. Einige flüchten sich in die virtuellen Welten von Videospielen oder Arbeiten intensiv. Dieser Zustand bessert sich, wenn wir wieder Liebe und Fürsorge erfahren.
Das passiert, wenn man uns die Liebe entzieht. Doch nach meiner Erfahrung und meinem Eindruck – und ab hier beginnt es, äußerst subjektiv zu werden – sind Menschen, die in ihrem Leben im Allgemeinen sehr wenig Liebe erfahren haben, anfälliger für Süchte. Beispiele gibt es da genug. Die Mutter von Jeffrey Dahmer, einem US-amerikanischer Serienmörder, war streitsüchtig, aufmerksamkeitssuchend und immer angespannt. Nach einem Suizidversuch durch Überdosierung von Medikamenten, nach denen sie süchtig war, hatten seine Eltern keine Zeit für ihn. Er litt unter einem Mangel an Fürsorge und Liebe. In seiner Schulzeit war bekannt, dass er sich regelmäßig betrank und strebte nach Aufmerksamkeit. Sein Alkoholkonsum verschlimmerte sich nach der Trennung seiner Eltern und darüber hinaus konsumierte er außerordentlich viel Cannabis sowie Amphetamine. Dazu kommt, dass er laut eigenen Aussagen sowie Beurteilungen von Psychologen seine Taten mehr aus Liebe statt aus Hass verübte. Er sehnte sich nach einem Liebespartner, doch die unvorteilhafte Kombination der Liebessucht mit seinen heftigen Verlustängsten führten zu Morden, Kannibalismus und der Phantasie eines zombieartigen Partners, der ihm willenlos gehorcht und ihn nie verlässt.

Was ist eure Meinung zu diesem Thema? Wie erklärt ihr euch den Ursprung von Süchten? Und seid ihr nach etwas süchtig?

Advertisements

7 Kommentare zu „Der Ursprung aller Süchte

  1. Ich glaub eine Sucht entsteht auch dann, wenn man nichts richtiges mit sich anzufangen weiß. Also die typische Langeweile Situation. Dann entstehen Süchte nach Kaffee, Alkohol oder Sport um hoch zu kommen oder runter zu kommen in der Leistungsgesellschaft.

    Gefällt mir

  2. Das mit der Liebe riecht bißchen nach Erich Fromm. Aber der war auch kein dummer Mensch, kann gut sein.
    Unsere Sprache kennt zwei Begriffe für das Problem: Sucht und Abhängigkeit.
    Sucht scheint ein Grundprinzip des Lebens zu sein, um an die knappen Ressourcen zu kommen. Problematisch wird’s erst, wenn Überfluss herrscht. Beispiel Kohlenhydrate in Form von Zucker, hochkonzentrierte Drogen, etc. Auch Langeweile kommt bei Überfluss auf.
    Abhängigkeit wiederum ist ein gesellschaftlich erwünschter Zustand. Auch gewissermassen natürlich in unserer Biologie als Herdentier verankert. Wenn da was entgleist, könnte in der Tat verkorkste Prägung eine Rolle Spielen.
    Letztlich wird es aber ein komplexes Zusammenspiel aus Prädisposition und Umwelteinflüssen sein (Für Kantianer: Verstand und Anschauung). Ideologiefrei fassbar letztlich nur durch Statistik: Von 100 Kindern werden 80 Alkohol probieren, 50 regelmäßig trinken und 10 ein Suchtproblem kriegen. Nur das ist sicher, wen’s dann trifft wird man sehen.
    Für aktionistische Sozialpolitiker gilt: Alter, Armut und Krankheit sind anerkannte Risikofaktoren für alle möglichen Probleme und sollten tunlichst vermieden werden.

    Gefällt mir

    1. Das mit Fromm hast du gut erkannt! Wir haben erst kürzlich „Die Kunst des Liebens“ in Ethik gelesen und wurde deshalb etwas inspiriert. Wenn du meinen Artikel „Narzisstische Gesellschaft“ liest, wirst du den Einfluss Fromms gegen Ende bemerken.
      Mit dem letzten Teil stimme ich dir sogar zu, doch ich finde es manchmal langweilig, in jedem psychologischen Thema zu schreiben, dass eine Eigenschaft oder ein psychischer Zustand aus dem Zusammenspiel aus Umwelt und Prädisposition entsteht. Manchmal muss man eben radikal sein, um eine Diskussion entstehen zu lassen.

      Gefällt mir

    2. Da hast Du mich erwischt: Klug daherreden, aber mich nicht für Fisch oder Fleisch entscheiden und dabei über Vegetarier die Nase rümpfen kann ich gut. Also Meinung:
      Einerseits gilt: Sucht ist eine grauenhafte Krankheit, die als Unheilbar gilt. Wenn unwissende Laien darüber diskutieren, ist das respektlos gegenüber den Kranken. Und führt zu Aberglauben und Hexenverbrennungen wie bei der Pest.
      Andererseits: Wir MÜSSEN darüber diskutieren, denn wie Du im ersten Satz richtig sagst, wir alle sind betroffen. Und von offizieller Seite kommt uns keine Hilfe zu:
      Das Ärzte-Corps weiß keinen Rat, der Staat reagiert mit Entmündigung oder Kriminalisierung der Opfer. Tatsächlich ist der wesentliche Rat der Suchtmedizin die Selbsthilfe-Gruppe. Nur Leute, die wissen wie sich Sucht anfühlt können einander helfen. Führt natürlich wieder zu Abhängigkeit in sektenartigen Strukturen. Macht aber deutlich: Sucht scheint zu einem Großteil ein mehr kognitives als organisches Problem zu sein. Da liegst Du wiederum mit der These von unzureichender Erfahrung von Liebe und Zuwendung sehr richtig. Ich würde aber weiter gehen.
      Meine These: Sucht ist weniger eine Krankheit, als ein gesellschaftliches Konstrukt. Mal platt in den virtuellen Raum geworfen: Unsere kapitalistische Gesellschaftsform treibt mit ihrer Kaltherzigkeit die Leute systematisch zu Schnaps und Benzos und in’s Kasino.
      Anders formuliert: Konnte ein antiker Ägypter sein Vermögen verzocken in einer Wirtschaft die statt Geld Getreiderationen (und Bier) verwendete? Konnte ein mittelalterlicher Leibeigener Haus und Hof versaufen, wenn nicht ihm der Hof gehört sondern er dem Hof und er außerdem seit Säuglingsalter Bier trank, weil man vom Wasser starb? Laut Wikipedia wurde der Alkoholismus in England im 18.Jahrhundert erfunden, zusammen mit Besitzlosen Slum-Bewohnern und Gin, der billiger war als Getreide…

      Gefällt mir

Was sagst Du dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s