Sterbehilfe

Wie die Legalisierung von Cannabis ist auch die Sterbehilfe eine kontroverse Debatte, deren Befürworter und Gegner gute, schwer widerlegbare Argumente haben. Sowohl auf philosophischer Ebene, als auch die politische Komponente sind äußerst komplex. Haben wir die Pflicht zum Leben? Wenn ja, soll die Pflicht zum Leben zugunsten der Freiheit zum Tod eingeschränkt werden? Wir haben uns nicht ausgewählt, ob wir auf die Welt kommen oder nicht, dürfen wir aber entscheiden, ob wir hier bleiben? Die Antwort auf diese Fragen zeigt natürlich, wie wir als Gesellschaft den Tod sehen.

Gewiss haben Patienten, die unheilbare Krankheiten und an zahlreichen Schmerzen leiden, den Wunsch zum Tod. Unter gewissen Umständen kann dieser Wunsch auch erfüllt werden. In der Schweiz können Patienten, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, den Antrag stellen, aber eben nur, wenn es medizinisch nachvollziehbar ist. Bei Depressionen wird davon nicht nur abgeraten, der Antrag wird abgelehnt, da Depressionen heilbar sind und es keinen richtigen Grund zum Suizid gibt. Man sollte darüber hinaus Depressionen weder verschweigen noch unterschätzen.

Die Gegner der Sterbehilfe meinen, dass man damit ein Geschäft machen kann, denn die Vereine verdienen Geld mit dem Tod ihrer Patienten, das kann schief gehen. Der Umgang mit todgeweihten Patienten ermöglicht Gefährdungen der Bedingungen unseres Zusammenlebens. Aus dem Tod wird ein Geschäft, das Leben basiert aus einem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Meistens fällt dann das Urteil nicht zugunsten des Patienten. Es könnte beinahe schon ein indirekter Zwang bestehen, dass Patienten ihre egoistischen Angehörigen zufriedenstellen, um die Krankenkasse nicht weiterhin zu belasten. Man muss das Leben des Patienten abwägen gegen materiellen und persönlichen Aufwand, Sterbende müssen dafür kämpfen, dass ihr Leben noch als erhaltenswert angesehen wird und der Druck wird dabei immer größer. Vielleicht liegt die Würde sogar darin, dass man sich nicht entscheiden muss. Der Wunsch nach der aktiven Sterbehilfe sollte gar nicht erst aufkeimen.
Das Problem kann nicht nur mit Angehörigen bestehen, sondern auch das Vertrauensverhältnis zwischen dem Patienten und dem Arzt schädigen. Was ist, wenn der baldige Tod immer mehr Gesprächsthema mit dem Patienten wird? Wie fühlt sich ein Betroffener, wenn ein Arzt den Tod als Möglichkeit ansieht?

Andererseits sollten wir ein Recht auf Autonomie haben. Zwar sind wir ungefragt auf die Welt gekommen, sollten aber trotzdem ein Recht darauf haben, den Zeitpunkt des Endes unseres Daseins mitbestimmen zu können. Schließlich handelt der Arzt im Interesse des Betroffenen.
Gegner bringen mitunter ein, dass der Mensch nicht mehr über sich selbst verfügt, weil er den Arzt zum Töten ermächtigt. Diese Argumentation ist in meinen Augen nicht besonders stichhaltig, weil der Mensch frei ist und nicht verzweckt wird, indem er in seinem Interesse umgebracht wird. Die Verzweckung wäre eher, wenn man gegen seinen Willen ihn am Leben lassen würde. Darüber hinaus entzieht man dem Menschen seine Würde, wenn man seine Autonomie beschränkt.

Ich persönlich würde gerne im Alter die Wahl haben, die Argumente der Gegenseite kann ich zwar verstehen, aber die begründeten Annahmen können dennoch durch entsprechende Präventivmaßnahmen beseitigt werden. Neben der Sterbehilfe gibt es auch die Palliativmedizin, die schmerzlindernde Methoden einsetzt.
Darüber hinaus denke ich, dass niemand zum Sterben zurückgelassen werden soll. Das wäre alles andere als würdevoll. Wenn möglich, sollte der Patient im Kreis der Familie mit dem Tod konfrontiert werden. Dann kann er von seiner Familie Abschied nehmen.

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3 Kommentare zu „Sterbehilfe

  1. Darf ich, ohne dich zu kränken, reduzieren.
    (Du sprichst die Problematik des „damit verdienen an.)
    Oft wird der Tod ausgeblendet, solange, bis es keine entweichen mehr gibt.
    Für mich ist der Verlust von Werten, u.a. Familie, Zusammengehörigkeit, Solidarität

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  2. Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich habe mich noch nicht so sehr stark mit diesem Thema befasst, daher ist es gut, mal damit anzufangen.

    Vielleicht lohnt es sich auch, darüber nachzudenken, was eigentlich ein „gutes Leben“ ist und ob das „bloße Überleben“ dazugehört. Ich glaube es ist gerade das Großartige am Menschen, dass er mehr ist, als nur ein funktionierender Organismus.

    Wenn also eine Krankheit oder die Gebrechen eines sehr hohen Alters so zentral im Leben ist, dass eigentlich keine Zeit mehr zum wirklichen, guten Leben bleibt, sondern der Alltag nur beherrscht ist von Maßnahmen zum „Überleben“: Dann sollte man vielleicht zulassen, wenn jemand auf der Grundlage einer bewussten Entscheidung sagt: „Es ist Zeit für mich, zu gehen.“

    Aber: Ich muss noch viel über das Thema nachdenken, das habe ich noch vor mir. Vielen Dank für die Denkanstöße! :-)

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