Brauchen wir Eigentum?

Unsere Gesellschaft wird immer gieriger. Mehr und mehr wird uns unser Hab und Gut wichtiger. Einige messen ihrem iPhone einen höheren Wert zu als ihrer Beziehung. Viele hängen nahezu an ihrem Besitz oder dem Erwerben wie einige an der Nadel hängen. Sie mutieren zu unfreien Besitzabhängigen. Welchen Sinn hat das? Wozu brauchen wir Eigentum? Und benötigen wir es überhaupt?

Besitz ergibt erst dann Sinn, wenn wir die Freiheit haben, alles damit zu tun, was wir wollen. Wenn ich Ihnen einen Baum schenke, den Sie aber nach meinen Vorstellungen pflegen müssen, den Sie an einen Ort pflanzen müssen, den ich auswähle, dessen Früchte Sie in einer Weise verarbeiten sollen, die mir gefällt, hätte das Geschenk keinen Sinn; Sie hätten keine Freude daran. Über Besitz muss man verfügen können, sonst besitzen wir es nicht.

Unser Verständnis von Besitz geht auf Sir William Blackstone zurück, der Eigentum als Verhältnis zwischen Person und Ding beschrieb, aber die Vorstellung von Eigentum ist erst wichtig, wenn andere Menschen ins Spiel kommen. Warum sollte Robinson Crusoe aus Daniel Defoes gleichnamigen Roman jeden Gegenstand, den er auf der Insel findet, als sein Eigen bezeichnen?
Eigentum ist mehr wie ein zwischenmenschlicher Vertrag, der die Rechte aller anderen Individuen ausschließt. Man herrscht alleine, über das, was man besitzt, doch mit dieser despotischen Herrschaft gehen genauso Pflichten einher, denn natürlich haben wir die Einschränkung, andere Menschen mit unserem Besitz nicht verletzen zu dürfen. Das schränkt die Freiheit zugunsten von Sicherheit ein, aber jeder muss sich eingestehen, dass diese Regelung sinnvoll ist. Nicht nur man selbst ist von dieser Einschränkung betroffen, sondern eben auch alle anderen, womit die eigene Sicherheit gewissermaßen gewährleistet ist.

Der Sinn von Besitz als ein psychologisches Verständnis zu Dingen ist eine Erweiterung des Selbsts. Die Gegenstände, mit denen ich mich umgebe, geben meinem Charakter einen sichtbaren Zuschnitt. Der Porsche gibt mir ein Image, das Designer-Sofa im Wohnzimmer konstruiert mein Ich. Menschen verwirklichen sich in Besitztümern, selbst der Erwerb ist wichtig, denn er macht uns euphorisch. Zwar ist dieser Nervenkitzel beim Kaufen mit der zusammenhängenden Dynamik von Gefühlen weitesgehend unerforscht, aber er geht mit kürzeren Takten von Liebesbeziehungen einher: Die Liebe wurde zum Markt von kurzfristigen Kicks, Erwerben und Abstoßen. Was zuerst da war, ist nicht klar, möglicherweise bietet die Liebe keine Langfristigkeit, weswegen wir auf Konsum ausweichen. Während ein Mercedes nach fünf Jahren ein Mercedes bleibt, kann eine Beziehung nach fünf Jahren längst vorbei sein. Demnach wäre exzessiver Konsum ein Zeichen von Lebensangst, Bequemlichkeit oder ein Mangel an emotionaler Wärme. Das führt dazu, dass wir Bilder von Waren besser als Gefühlswelten verstehen. Und tatsächlich ergaben Forschungen, dass wir weniger empathisch wurden. [1]

Keine Gesellschaft hat das Eigentum in Frage gestellt, in Ausnahme von Sekten. Im Kommunismus dagegen wurde der private Besitz von Produktionsmitteln verboten, mithilfe derer man sich einen Mehrwert erzeugen kann. Unsere heutige Welt definiert sich mehr denn je über den Erwerb von Eigentum.
Buddhistische Mönche verzichten gänzlich auf Eigentum und sind deswegen auf die Nahrungsspenden anderer Menschen angewiesen. Ohne diese Nahrungsspenden, die vorher im Besitz der Spender waren, würden sie nicht überleben. Deswegen denke ich, dass man ein gewisses Eigentum braucht, da man ohne Besitz nicht leben kann, aber wir müssen uns fragen, ob wir in nützliche und sinnvolle Produkte investieren, oder ob wir verschwenderisch sind.

Randnotiz:

[¹] Students more likely to lack empathy

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