Was ist Zeit?

Für gewöhnlich machen wir uns keine Gedanken über Zeit, aber besonders im Unterricht hinterfragen wir das Konzept einer linearen Zeit, einer Zeit, die immer gleich schnell verläuft. Selbst Albert Einstein hat in seiner berühmten Relativitätstheorie den Gedanken aufgeführt, dass Zeit für jeden Beobachter unterschiedlich verläuft. Nach seiner Theorie vergeht die Zeit bei hohen Geschwindigkeiten langsamer als bei Alltagsgeschwindigkeiten, aber damit hat er nicht den interessanten Teil der Frage nach der Zeit geklärt.

Mir scheint es manchmal, dass Zeit nur eine Illusion des Bewusstseins ist und in Wirklichkeit nicht existiert. Es ist ein soziales Konstrukt, auf welches wir uns geeinigt haben und um dieses Konstrukt zu messen, nahmen wir die Achsendrehung der Erde sowie der Sonne, teilten es in Abschnitte und gaben den Abschnitten Namen. Das Konzept hat einige Vorteile, so wissen wir, wie alt wir sind, wie spät es ist, können leichter Termine vereinbaren. Es ist eine gedankliche Konstruktion zur Beschreibung der Beziehung zwischen Erlebnissen, Events, Terminen. Doch früher unterwarfen wir uns dem Tageslicht, später wurden Uhren erfunden, nach denen wir uns richteten. Mithilfe der Glühbirnen konnten wir länger arbeiten und hat unser Leben revolutioniert. Es hat dafür gesorgt, dass wir uns auf die Zeit fixieren, da die Sonne nicht mehr elementar war. Wir brauchen sie noch zum Überleben, das ist wohl offensichtlich, aber durch die Elektrizität und deren Folgen brauchen wir sogar eine Uhr, sonst wären wir mehr oder weniger verloren. Wir wurden also dazu programmiert, unser Leben so zu führen, als ob dieses Konstrukt real wäre.

Hinterfragen wir das weiter, würde das bedeuten, dass alle Ereignisse gleichzeitig stattfinden?

Das hieße, dass der Urknall in dem Moment stattfand, in dem ich diesen Text schrieb, in dem ihr diesen Text liest. Physikalisch gesehen spricht etwas dagegen, aber vielleicht spielte unser Gehirn in der Forschung uns übel mit, so dass wir aufgrund unserer extrem verzerrten Zeitwahrnehmung zwangsläufig annehmen, dass zwischen Ursache und Wirkung Zeit vergehen muss. Es könnte sein, dass unser Gehirn diese riesige Menge an Informationen schlicht nicht verarbeiten kann und nacheinander verarbeitet, um sich sehr viel Arbeit zu ersparen.

Diese Gleichzeitigkeit der Ereignisse irritiert mich, da es bedeutet, dass ich in dem Moment, in dem ich hier sitze, auch geboren wurde, aber auch meine Eltern, meine Kinder, falls ich welche haben werde. Gleichzeitig befinde ich mich in einem Zustand der Inexistenz: Ich lebe gar nicht. Ich bin längst tot, aber gleichzeitig bin ich lebendig.

Was haltet ihr von diesen Gedanken? Und was ist für euch Zeit?

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9 Kommentare zu „Was ist Zeit?

  1. Der Gedanke ist absurd. Einerseits glaube ich ja sowieso, dass wir uns on unserer Wahrnehmung täuschen. Andererseits – wäre eine Reaktion dann überhaupt noch eine Reaktion? Und irgendetwas vergeht doch, oder nicht…? Würde nicht alles immer wieder passieren, wenn es alles glwichzeitig passiert? Ich frage mich vorallem, wo. Da wären unterschiedliche Ereignisse am selben Ort. Aber es kann gut sein, dass es mir einfach nicht möglich ist, das zu begreifen.

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    1. Ja, da gebe ich dir recht – diese Gedankengänge sind absurd, aber immerhin disskussionswürdig.
      Du stellst gute Fragen. Ich finde den Gedanken, dass zwischen Aktion und Reaktion Zeit vergehen muss, eigentlich nahelegend. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dies nicht so wäre. Wie gesagt, dann würde keine Zeit zwischen Ursache und Wirkung sein und man könnte eigentlich nicht zwischen beiden unterscheiden können.
      Wieso meinst du, dass sich alles aufgrund von Gleichzeitigkeit wiederholt? Mir erschließt sich dies nicht.
      Aber dass unterschiedliche Ereignisse am selben Ort geschehen, stimmt. Und ich kann das auch kaum begreifen.

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    2. Das ist schwer zu erklären. Es kommt mir so vor, als wäre alles sozusagen zusammen gequetscht, wenn es gleichzeitig passieren würde. Ich lebe hier so vor mich hin. Wenn jeder Moment während einem anderen passiert, verschiebt sich ja alles und jedes Ereignis dauert genauso lang wie ein anderes. Aber ohne Zeit gibt es kein „dauern“, also wäre alles unendlich … oder würde eben immer wieder passieren, weil ja jedes Ereignis während jedem Ereignis passieren würde, aber die Ereignisse in bspw. meinem Leben irgendwie eindeutig hintereinander passieren und alle anderen dann somit auch immer wieder … aber der Gedanke ist falsch, denn gäbe es keine Zeit, gäbe es ja auch kein „hintereinander“.

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    1. Mir war klar, dass diese Frage kommt.
      Ich finde es schwierig, diese Frage zu beantworten, ohne den Begriff der Zeit irgendwo zu benutzen. Andererseits möchte ich betonen, dass ich damit meinte, dass, wenn Zeit nicht existiert, dann dennoch alles zur selben „Zeit“ stattfinden müsse. Als gäbe es ein kleines Kügelchen, welches schnell aufleuchtet, und alles während dieses „Zeit“spanne abläuft, und wiederum erlischt.

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