Wahrheit

Die Frage, was die Wahrheit sei, hat die größten Philosophen und bedeutendsten Denker schon immer beschäftigt. Aber auch wir im Alltag hinterfragen gelegentlich, ob das, was unser Gegenüber uns vermitteln möchte, denn wahr ist. Es gibt viele Theorien über Wahrheit.

Korrespondenztheorie

Diese Theorie leuchtet am ehesten ein. Wenn eine Korrespondenzbeziehung zwischen Aussage und Realität besteht, ist die Aussage wahr. Also wenn ich „Dort ist meine Katze!“ sage und meine Katze tatsächlich dort ist, ist die Aussage wahr. Wenn nicht, ist sie falsch.

Und da liegt schon das Problem. Wir machen Aussagen über die Welt auf Grundlage unserer Sinneserfahrung. In Realität habe ich bereits ausführlich erläutert, wie unseriös die Sinneswahrnehmung als Quelle von Informationen ist. Spätestens seit Kant müssen wir akzeptieren, dass wir die Welt nicht auf der Art und Weise sehen, wie sie wirklich ist, sondern wie sie uns durch unsere Sinne erscheint.

Um das Beispiel von Titus Pauly, der mich für diesen Post inspiriert hat, aufzugreifen: Die Aussage „Eine reife Tomate ist rot“ kann Wahrheit für sich nicht beanspruchen. Eine Tomate hat eine bestimmte Oberflächenbeschaffenheit, von der Lichtwellen mit einer bestimmten Wellenlänge reflektiert werden. Diese Wellen treffen unsere Retina, der Sehnerv leitet sie als elektromagnetische Impulse in den visuellen Cortex. Das beeinflusst unser Sehen. Erst jetzt rufen diese Impulse den Wahrnehmungseindruck für die Farbe Rot hervor. Die Farbe Rot ist in unserem Kopf und haftet nicht an der Tomate.

Wie die „Tomate an sich“ ist, können wir nicht wissen, da wir versuchen müssten, die Tomate unabhängig von unseren Sinnen zu sehen, was unmöglich ist, da wir unabhängig von unseren Augen gar nichts sehen. Wir erkennen die „Tomate für uns“, aber Aussagen über die „Tomate an sich“ können wir nicht machen. Die „Tomate für uns“ ist ihre Erscheinung. Daher sollte man fragen, wie die Tomate uns erscheint und nicht, wie sie ist, um eine vernünftige Antwort zu erhalten.

Die „Dinge an sich“ befinden sich außerhalb unseres Bewusstsein, dagegen liegen die Erscheinungen als Resultat von Sinnesreizen nur in uns. Wir schreiben – beim Beispiel mit der Farbe – der  Tomate eine Eigenschaft zu, die sich gar nicht an ihr befindet.

Also gibt es eine weitere Theorie, da unsere vorherigen Aussagen keinen Bezug zur Außenwelt haben. Diese Theorie nennt man die

Kohärenztheorie

Nach ihr besteht Wahrheit nicht in irgendeiner Beziehung zwischen unseren Aussagen und der Realität, sondern zwischen diversen Aussagen über ein Objekt, wenn diese Aussagen widerspruchsfrei zueinander sind und somit ein kohärentes System bilden. Doch selbst die Kohärenztheorie hat keinen Bezug zur Außenwelt, weil sie nur Aussage über Dinge in Betracht zieht, aber nicht die Dinge selbst.

Die Kohärenztheorie liefert aber nur ein Kriterium zur Feststellung der Wahrheit einer Aussage, aber was die Wahrheit ist, wird nicht geklärt.

Die Korrespondenztheorie liefert eine Antwort auf diese Frage, scheitert aber am Kriterium der Wahrheitsfeststellung einer Aussage.

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