Nihilismus

In Religionsdebatten kommen Theisten schnell mit dem Argument, Atheisten hätten keinen Grund, moralisch zu handeln oder hätten sogar keine Moral. Säkulare Humanisten schreiten schnell ein und widersprechen den Theisten, indem sie meinen, dies wäre eine Fehlvorstellung, doch ihr Einwand ist deplatziert.

Es kann zwar sein, dass Atheisten moralisch handeln können, aber es ist nicht logisch, wenn jemand behauptet, Atheismus wäre mit moralischem Realismus vereinbar. Der Grund dafü ist Humes Gesetz. David Hume wies darauf hin, dass aus deskriptiven Prämissen nie ein normativer oder präskriptiver Schluss folgen kann. Aus i) Menschen sind sterblich. und ii) Sokrates ist ein Mensch. folgt iii) Sokrates ist sterblich. i) und ii) sind deskriptive Prämissen, sie beschreiben die Natur. Aus ihnen folgt wiederum der deskriptive Schluss iii). Wenn wir mit normativen Urteilen hantieren, zeigt sich die Situation etwas anders. In normativen Urteilen werden Verben wie soll, muss oder darf verwendet. Du sollst nicht töten oder Das ist schlecht sind normative Urteile, wobei ersteres eher präskriptiv ist, also eine Vorschrift. Eine Argumentation der Art kann folgendermaßen aussehen:

i)   Robert hat gelogen.

ii)  Lügen ist schlecht.

iii) Robert hat etwas Schlechtes getan.

Die erste Prämisse ist von deskriptiver Natur, die zweite allerdings von normativer Natur, da der Handlung Lügen einen Wert zugewiesen wird. Wir können erfahren, ob Robert absichtlich die Unwahrheit aussprach oder nicht, die zweite Prämisse können wir allerdings nicht überprüfen, da sie normativ ist. Die moralische Verwerflichkeit vom Lügen kann immer angezweifelt werden, denn normative Urteile unterliegen der Willkür. Wir könnten genauso sagen, der moralische Wert vom Lügen sei situationsbedingt, in einigen Situationen wäre es besser, zu lügen, aber selbst das kann immer angezweifelt werden und widerlegt werden. Aus den beiden Prämissen folgt wieder ein normativer Schluss, der ebenfalls angezweifelt werden kann.

Ein höheres Wesen würde das Gesetz nicht umgehen, da Gottes Befehle präskriptiv sind, es sind eben Befehle, Verordnungen, Vorschriften, die aus deskriptiven Aussagen nicht folgen können.

Das bedeutet also nicht nur, dass Moral sinnlos ist, sondern auch jegliche Regeln, Gesetze und Befehle. Würde jeder Mensch dies wissen und wäre das sogar eine Handlungsweise, dann würde Anarchie entstehen. Dass Moral sinnlos ist, ist vielleicht eine Geisteseinstellung, es gehört zum Wissen dazu, aber für das gesellschaftliche Leben ist Moral unabdingbar. Wollen wir in dieser Gesellschaft leben und die Vorteile genießen, dann müssen wir uns an Gesetze und Regeln halten, dies folgt aus dem Argument der Impliziten Zustimmung, aber das führt hier viel zu weit.

Diese Form des Nihilismus nennt man auch den ethischen Nihilismus. Des Weiteren gibt es den metaphysischen Nihilismus, der die Existenz einer Wahrheit negiert, sowie den logischen Nihilismus, der den Bestand einer Wahrheit verneint. Die letzten beiden Formen folgen eigentlich aus den Argumenten meines Kapitels Realität, man muss sie nur konsequent zu Ende denken. Diese Art des erkenntnistheoretischen Skeptizismus ist aber schon sehr extrem.

Nihilisten negieren oft, dass ein Sinn des Lebens existiert oder, dass die Weltgeschichte einen Sinn hat. Ebenso negieren sie oft gleichzeitig, dass eine philosophische oder politische Lehre den „richtigen“ Lebensweg weisen kann, weswegen sie jegliche Form des Engagements ablehnen. Die damit verbundene Motivationslosigkeit kann sich aber als problematisch erweisen.

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